08.08.2013 | Top-Thema Garantierückstellung: Praxisfall

Bewertung der Rückstellung

Kapitel
Garantierückstellungen bilden
Bild: Haufe Online Redaktion

Rückstellungen sind nach § 253 Abs. 1 HGB in Höhe des nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendigen Erfüllungsbetrags anzusetzen. Bei der Rückstellungsbewertung sind somit künftige Preis- und Kostensteigerungen zu berücksichtigen.

Darüber hinaus sind langfristige Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr mit dem ihrer Restlaufzeit entsprechenden durchschnittlichen Marktzinssatz der vergangenen 7 Geschäftsjahre abzuzinsen (§ 253 Abs. 2 HGB; die Zinssätze sind auf der Website der Deutschen Bundesbank abrufbar). Erträge aus der Abzinsung (§ 277 Abs. 5 HGB) sind in der Gewinn- und Verlustrechnung gesondert unter dem Posten "Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge" und Aufwendungen gesondert unter dem Posten "Zinsen und ähnliche Aufwendungen" auszuweisen.

Nicht erfasst von diesem Abzinsungsgebot sind kurzfristige Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von weniger als einem Jahr. Bei ursprünglich langfristigen Rückstellungen, deren Laufzeit am Bilanzstichtag nur noch bis zu einem Jahr beträgt, besteht nach herrschender Meinung ein Abzinsungswahlrecht.

Hinweis: Ermittlung der Restlaufzeit und des Zinssatzes
Bei Ermittlung der Restlaufzeit ist auf den Zeitpunkt der voraussichtlichen Inanspruchnahme abzustellen. Da die Restlaufzeit bei Garantierückstellungen in der Praxis nicht eindeutig bestimmbar sind, kann von der Gruppenbewertung gem. § 240 Abs. 4 HGB Gebrauch gemacht werden, d.h. es kann aus Vereinfachungsgründen auf eine durchschnittliche Restlaufzeit als Grundlage für die Bestimmung des Zinssatzes und des Abzinsungszeitraums abgestellt werden. Bei der Ermittlung des Barwerts der pauschalen Garantierückstellung wird dann ein einheitlicher Zinssatz und Abzinsungszeitraum angewendet (Beck´scher Bilanzkommentar 8. Auflage, § 253 Rz. 180). Wird von der Gruppenbewertung kein Gebrauch gemacht, besteht aus Vereinfachungsgründen auch die Möglichkeit, dass die Gesamtperiode in einzelne Teilperioden aufgeteilt wird, die dann anhand der jeweiligen Restlaufzeit (unter Berücksichtigung einer typisierten Inanspruchnahme z.B. am Jahresende) und des restlaufzeitadäquaten Zinssatzes einzeln bewertet werden.
Steuerrecht
Im Gegensatz zum Handelsrecht ergeben sich bei der steuerlichen Bewertung von Rückstellungen keine Änderungen im Vergleich zur Rechtslage vor BilMoG. Bei der Bewertung sind die Wertverhältnisse am Bilanzstichtag maßgebend (§ 6 Abs. 1 Nr. 3a Buchst. f EStG); künftige Preis- und Kostensteigerungen dürfen nicht berücksichtigt werden. Des Weiteren sieht das Steuerrecht für Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von mehr als 12 Monaten nach wie vor einen eigenen - starren - Abzinsungssatz in Höhe von 5,5% vor. Bei Garantierückstellungen kommt es somit zwingend zu einer Abweichung zwischen Handels- und Steuerbilanz.

Hinweis: Keine Abzinsung bei Pauschalrückstellung

Während bei Einzelrückstellungen die (Rest-)Laufzeit für Garantie- und Gewährleistungsansprüche nach den Umständen des Einzelfalls zu schätzen ist, findet das Abzinsungsgebot bei Pauschalrückstellungen aus Vereinfachungsgründen keine Anwendung (BMF, Schreiben v. 26.5.2005 - IV B 2 - S 2175 - 7/05, BStBl. I 2005, 699). Auch handelsrechtlich ist es umstritten, ob eine Abzinsung vorzunehmen ist, die herrschende Meinung geht jedoch von einer Abzinsungsverpflichtung für mehrjährige Garantierückstellungen aus (Beck´scher Bilanzkommentar 8. Auflage, § 249 Rz. 100).

Schlagworte zum Thema:  Zinssatz, Rückstellung, Steuerbilanz, Handelsbilanz, BilMoG

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