22.05.2013 | Aus der Praxis für die Praxis

Umsatzsteuerliche Behandlung einer Weiterbelastung von Fremdkosten

Umsatzsteuer: Wie wird ein Übersetzungsauftrag behandelt?
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Werden Kosten an einen Kunden weiterberechnet, stellt sich die Frage: Muss Umsatzsteuer weiterberechnet werden oder nicht? Ein erfahrener Fachautor beantwortet die Frage, ob für im Ausland entstandene Kosten im Inland Umsatzsteuer berechnet werden muss oder nicht.

Ein Kunde möchte mit Hilfe des Umsatzsteuergesetzes (UStG) oder ähnlicher Vorschriften begründen, warum bei einer Fremdleistung aus dem Ausland Umsatzsteuer berechnet wird. Der Hintergrund:

  • Ein Rechtsanwalt beauftragt ein Übersetzungsbüro im Drittland mit der Übersetzung eines Schriftstückes. 
  • Diese Dienstleistung stellt der Anwalt anschließend seinem Mandanten neben seinem eigenen Honorar und weiteren Auslagen wie Kopierkosten in Rechnung und berechnet auf die Summe der genannten Positionen die Umsatzsteuer.    
  • Die Frage des Mandanten war, warum denn auf eine sonstige Leistung aus dem Ausland Umsatzsteuer berechnet wird.

Die Buchhaltung des Kunden argumentiert damit, dass es bei dem Honorar des Anwalts und dem Honorar des Übersetzungsbüros um eine einheitliche Leistung geht, die ein Unternehmen im Inland an ein Unternehmen im Inland erbringt und es sich deshalb um eine steuerpflichtige Leistung im Ganzen handelt.

"Wie ist Ihre Argumentation in diesem Fall?", fragt der Kunde.

Stellungnahme des Fachautors

Bei der Übersetzung eines Schriftstücks handelt es sich um eine sonstige Leistung. Beauftragt ein Rechtsanwalt ein Übersetzungsbüro mit der Übersetzung eines Textes, dann handelt es sich um einen Leistungsaustausch zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer (im vorliegenden Fall zwischen zwei Unternehmern). Auftraggeber ist der Rechtsanwalt, sodass der Mandant des Rechtsanwalts nicht an diesem Leistungsaustausch beteiligt ist.

Bei der Umsatzsteuer kommt es immer darauf an, wer am Leistungsaustausch beteiligt ist und wo der Ort der sonstigen Leistung ist. Wo sich der Ort der sonstigen Leistung bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen befindet, richtet sich nach § 3a UStG. Bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen kommt es außerdem darauf an, ob der Unternehmer seine sonstigen Leistungen gegenüber Privatkunden oder Unternehmern erbringt. Es gilt folgender Grundsatz:

Empfänger der sonstigen Leistung istOrt der sonstigen Leistung ist da,gesetzliche Grundlage
Privatperson und kein Unternehmer (B2C-Geschäfte)wo der leistende Unternehmer seinen Wohnsitz, Sitz oder Betriebsstätte hat§ 3a Abs. 1 UStG
Unternehmer (B2B-Geschäfte)wo der Empfänger sein Unternehmen betreibt§ 3a Abs. 2  UStG

Von diesem Grundsatz gibt es Ausnahmen, die aber in diesem Zusammenhang keine Bedeutung haben.

Konsequenz: Beauftragt ein Rechtsanwalt in Deutschland ein Übersetzungsbüro im Ausland, befindet sich der Ort der sonstigen Leistung in Deutschland, wobei es keine Rolle spielt, ob der leistende Unternehmer seinen Sitz in einem Drittland oder in einem EU-Land hat.

Steuerschuldner ist gemäß § 13b UStG jedoch nicht der leistende Unternehmer (= das Übersetzungsbüro), sondern der Leistungsempfänger (= Rechtsanwalt).

Fazit: Die Annahme, dass sonstige Leistungen, die von einem ausländischen Unternehmen erbracht werden, nicht der deutschen Umsatzsteuer unterliegen, ist unzutreffend.

Das Leistungsverhältnis zwischen Rechtsanwalt und Mandant, die beide in Deutschland ansässig sind, ist getrennt zu betrachten. In den Leistungsaustausch zwischen Rechtsanwalt und Mandant sind auch die weiterberechneten Aufwendungen einzubeziehen, wenn es sich nicht um durchlaufende Posten handelt.

Im vorliegenden Fall kann nicht von einem durchlaufenden Posten ausgegangen werden. Die weiterberechneten Kosten sind gegenüber dem Mandanten mit Umsatzsteuer abzurechnen. Anders geht es nicht. Unter diesem Gesichtspunkt können die weiterberechneten Übersetzungskosten auch unter „Rechts- und Beratungskosten“ gebucht werden.


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