26.04.2017 | Top-Thema Geringwertige Wirtschaftsgüter 2017

GWG-Grenzen 2017

Kapitel
Geringwertige Wirtschaftsgüter 2017: Sie haben je nach GWG-Grenze 2017 die Wahl zwischen drei Abschreibungsverfahren.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die betragsmäßige GWG-Grenze 2017 pro angeschafftem Wirtschaftsgut liegt bei 410 EUR ohne Umsatzsteuer. Steuerpflichtige der Gewinneinkunftsarten haben ein Wahlrecht zwischen drei verschiedenen Abschreibungsverfahren von geringwertigen Wirtschaftsgütern.

Abschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter 2017: Drei Möglichkeiten

Bei Wirtschaftsgütern, die in 2017 angeschafft werden, haben Unternehmer, die den Gewinneinkunftsarten, wie Einkünfte aus Gewerbebetriebe oder selbstständiger Arbeit unterliegen, bei der Abschreibung von GWG steuerlich grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  • Regelabschreibung nach § 7 EStG (linear)
  • Bei Anschaffungskosten bis 410 EUR: Sofortabschreibung (§ 6 Abs. 2 EStG)
  • Für alle GWG mit Anschaffungskosten zwischen 150 und 1.000 EUR: Poolabschreibung, d.h., Bildung eines Sammelpostens (§ 6 Abs. 2a EStG)

Während die Sofortabschreibung der GWG 2017 für jedes Wirtschaftsgut einzeln ausgeübt werden kann, müssen bei der Poolabschreibung alle in einem Wirtschaftsjahr erworbenen GWG einbezogen werden. Die Tabelle verdeutlich das Wahlrecht:

Anschaffungs- oder Herstellungskosten, Einlagewert ohne UmsatzsteuerRegelung für Steuerpflichtige der Gewinneinkunftsarten
≤ 150 EUR1) sofort abziehbar, ohne Verzeichnis
≥ 150 EUR, ≤ 410 EUR2) sofort abziehbar mit Verzeichnis oder GWG-Sammelposten ohne Verzeichnis
≥ 410 EUR, ≤ 1.000 EUR3) Sammelposten optional, ohne Verzeichnis
> 1.000 EUR4) aktivieren

Geringwertiges Wirtschaftsgut 2017: Sofortabschreibung (Nr. 1 und Nr. 2)

Steuerpflichtige der Gewinneinkunftsarten können die Anschaffungs- oder Herstellkosten von GWG bis zur Höhe von 150 Euro sofort ohne Verzeichnis als Betriebsausgabe berücksichtigen (Sofortabzug).

Hinweis: Hat der Unternehmen im Vorjahr den Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG geltend gemacht und mindern sich dadurch die Anschaffungskosten für das Wirtschaftsgut entsprechend um 40 %, kann es sein, dass erst dadurch die GWG-Grenze unterschritten wird und somit ein Sofortabzug möglich ist.

GWG-Verzeichnis (Nr. 2)

Für GWG im Wert zwischen 150 und 410 EUR müssen Steuerpflichtige der Gewinneinkunftsarten ein GWG-Verzeichnis anlegen, das sowohl den Tag der Anschaffung, Herstellung oder Einlage ins Betriebsvermögen als auch die Anschaffungs- und Herstellungskosten ausweist.

Hinweis: Sind die Angaben ohne Weiteres aus der Buchführung ersichtlich, z. B. auf einem Kontoblatt, kann auf das Verzeichnis verzichtet werden.

GWG: Sammelposten bilden bzw. Poolabschreibung (zu Nr. 2 und Nr. 3)

Steuerpflichtige der Gewinneinkunftsarten können die Poolabschreibung wählen (§ 6 Abs. 2a EStG) und alle selbstständig nutzbaren Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten zwischen 150 und 1.000 EUR in einen Sammelposten pro Wirtschaftsjahr aufnehmen, der 5 Jahre lang gleichmäßig mit jeweils 1/5 abgeschrieben wird (Poolabschreibung). Die betriebsübliche Nutzungsdauer der einzelnen GWG sowie Veräußerungen oder Entsorgungen der GWG in diesem Zeitraum spielen keine Rolle. Zuschreibungen erhöhen hingegen den Wert des GWG-Pools ab dem Jahr der Zuschreibung.

Hinweis: Im Vergleich zur Sofortabschreibung ergibt sich bei der Poolabschreibung in der Regel ein Barwertnachteil – nicht jedoch, wenn es sich um Wirtschaftsgüter mit Nettoanschaffungskosten zwischen 410 und 1.000 EUR und einer regelmäßigen Nutzungsdauer von mehr als fünf Jahren handelt. Dann führt die Poolabschreibung zu einem steuerlichen Vorteil. Im Einzelfall ist hier zu entscheiden, ob dieser Vorteil den Nachteil überwiegt, der dadurch entsteht, dass die Poolabschreibung für alle in einem Wirtschaftsjahr angeschafften, hergestellten oder eingelegten Wirtschaftsgüter einheitlich anzuwenden ist. Die Möglichkeit der Sofortabschreibung der GWG mit Nettoanschaffungskosten zwischen 150 und 410 EUR entfällt in diesem Fall.

Lineare Abschreibung (Zu Nr. 4)

Handelt es sich um ein Wirtschaftsgut, das den Betrag von 1.000 EUR übersteigt, muss es als Betriebs- und Geschäftsausstattung aktiviert werden und gemäß der AfA-Tabelle über seine Nutzungsdauer abgeschrieben werden (lineare Abschreibung).

Wichtig: Geplante Anhebung der Schwelle für GWG-Sofortabschreibung

Im März 2017 hat sich die Koalition auf eine Anhebung der Schwelle für geringwertige Wirtschaftsgüter geeinigt. Demnach können künftig GWG, wie Büromaterial, bis zu einem Wert von 800 EUR sofort abgeschrieben werden. Bislang liegt die Grenze bei 410 EUR. Auf diese Weise sollen Mittelständler und Handwerksbetriebe entlastet sowie Investitionen gefördert werden. Die Anhebung der Schwelle soll bereits zum 1.1.2018 in Kraft treten.

GWG Abschreibung bei Überschusseinkünften 2017

Für die Überschusseinkünfte, wie Nichtselbständige Tätigkeit, Vermietung und Verpachtung sowie Sonstige Einkünfte bleibt es wie bisher beim Sofortabzug, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten 410 EUR nicht übersteigen (§ 9 Abs. 1 Nr. 7 S. 2 EStG i.V.m. § 6 Abs. 2, 2a EStG). Bis zu dieser Höhe können die Anschaffungskosten in voller Höhe im Jahr der Zahlung als Werbungskosten geltend machen.

Überschreiten die Anschaffungskosten die 410-EUR-Grenze ohne Umsatzsteuer, bleibt es bei Personen dieser Gruppe bei der linearen Abschreibung über die Nutzungsdauer.

Schlagworte zum Thema:  Geringwertiges Wirtschaftsgut, Investitionsabzugsbetrag, Wahlrecht, Wirtschaftsgut

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