27.06.2016 | Top-Thema Geringwertige Wirtschaftsgüter

GWG-Grenze und Abschreibungsverfahren 2016

Kapitel
Geringwertige Wirtschaftsgüter: Sie haben die Wahl zwischen drei Abschreibungsverfahren.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die betragsmäßige GWG-Grenze pro angeschafftem Wirtschaftsgut liegt bei 410 Euro ohne Umsatzsteuer. Steuerpflichtige der Gewinneinkunftsarten haben ein Wahlrecht zwischen drei verschiedenen Abschreibungsverfahren von geringwertigen Wirtschaftsgütern.

Abschreibung von GWG: Drei Möglichkeiten

Aktuell haben Unternehmen der Gewinneinkunftsarten, wie Gewerbebetriebe und Selbständige, bei der Abschreibung von GWG drei Möglichkeiten:

  • Regelabschreibung nach § 7 EStG (linear)
  • Bei Anschaffungskosten bis 410 Euro: Sofortabschreibung (§ 6 Abs. 2 EStG)
  • Für alle GWG mit Anschaffungskosten zwischen 150 und 1.000 Euro: Poolabschreibung (§ 6 Abs. 2a EStG)

Während die Sofortabschreibung für jedes Wirtschaftsgut einzeln ausgeübt werden kann, müssen bei der Poolabschreibung alle in einem Wirtschaftsjahr erworbenen GWG einbezogen werden. Die Tabelle verdeutlich das Wahlrecht:

Anschaffungs- oder Herstellungskosten, Einlagewert ohne UmsatzsteuerRegelung für Steuerpflichtige der Gewinneinkunftsarten
≤ 150 Euro1) sofort abziehbar, ohne Verzeichnis
≥ 150 Euro, ≤ 410 Euro2) sofort abziehbar mit Verzeichnis oder GWG-Sammelposten ohne Verzeichnis
≥ 410 Euro, ≤ 1.000 Euro3) Sammelposten optional, ohne Verzeichnis
> 1.000 Euro4) aktivieren

GWG: Sofortabzug (Nr. 1 und Nr. 2)

Steuerpflichtige der Gewinneinkunftsarten können die Anschaffungs- oder Herstellkosten von GWG bis zur Höhe von 150 Euro sofort ohne Verzeichnis als Betriebsausgabe berücksichtigen (Sofortabzug).

Hinweis: Hat der Unternehmen im Vorjahr den Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG geltend gemacht und mindern sich dadurch die Anschaffungskosten für das Wirtschaftsgut entsprechend um 40 Prozent, kann es sein, dass erst dadurch die GWG-Grenze unterschritten wird und somit ein Sofortabzug möglich ist.

GWG-Verzeichnis (Nr. 2)

Für GWG im Wert zwischen 150 und 410 Euro müssen Steuerpflichtige der Gewinneinkunftsarten ein GWG-Verzeichnis anlegen, das sowohl den Tag der Anschaffung, Herstellung oder Einlage ins Betriebsvermögen als auch die Anschaffungs- und Herstellungskosten ausweist.

Hinweis: Sind die Angaben ohne Weiteres aus der Buchführung ersichtlich, z. B. auf einem Kontoblatt, kann auf das Verzeichnis verzichtet werden.

GWG: Poolabschreibung (zu Nr. 2 und Nr.3)

Steuerpflichtige der Gewinneinkunftsarten können die Poolabschreibung wählen (§ 6 Abs. 2a EStG) und alle selbstständig nutzbaren Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten zwischen 150 und 1.000 Euro in einen Sammelposten pro Wirtschaftsjahr aufnehmen, der 5 Jahre lang gleichmäßig mit jeweils 1/5 abgeschrieben wird (Poolabschreibung). Die betriebsübliche Nutzungsdauer der einzelnen GWG sowie Veräußerungen oder Entsorgungen der GWG in diesem Zeitraum spielen keine Rolle. Zuschreibungen erhöhen hingegen den Wert des GWG-Pools ab dem Jahr der Zuschreibung.

Hinweis: Im Vergleich zur Sofortabschreibung ergibt sich bei der Poolabschreibung in der Regel ein Barwertnachteil – nicht jedoch, wenn es sich um Wirtschaftsgüter mit Nettoanschaffungskosten zwischen 410 und 1.000 Euro und einer Nutzungsdauer größer als 5 Jahre handelt. Dann führt die Poolabschreibung zu einem steuerlichen Vorteil. Im Einzelfall ist hier zu entscheiden, ob dieser Vorteil den Nachteil überwiegt, der dadurch entsteht, dass die Poolabschreibung auf alle GWG mit Nettoanschaffungskosten über 150 Euro anzuwenden ist. Die Möglichkeit der Sofortabschreibung der GWG mit Nettoanschaffungskosten zwischen 150 und 410 Euro entfällt in diesem Fall.

Lineare Abschreibung (Zu Nr. 4)

Handelt es sich um ein Wirtschaftsgut, das den Betrag von 1.000 Euro übersteigt, muss es als Betriebs- und Geschäftsausstattung aktiviert werden und gemäß der AfA-Tabelle über seine Nutzungsdauer abgeschrieben werden (lineare Abschreibung).

Wie Personen der Überschusseinkünfte GWG abschreiben

Für die Überschusseinkünfte, wie Nichtselbständige Tätigkeit, Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung sowie Sonstige, hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert. Hier bleibt es beim Sofortabzug, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten 410 Euro nicht übersteigen (§ 9 Abs. 1 Nr. 7 S. 2 EStG i.V.m. § 52 Abs. 23e EStG). Bis zu dieser Höhe können Arbeitnehmer die Anschaffungskosten für Arbeitsmittel in voller Höhe im Jahr der Zahlung als Werbungskosten geltend machen.

Überschreiten die Anschaffungskosten die 410-Euro-Grenze ohne Umsatzsteuer, bleibt es bei Personen dieser Gruppe bei der linearen Abschreibung über die Nutzungsdauer.

Schlagworte zum Thema:  Investitionsabzugsbetrag, GWG, Geringwertiges Wirtschaftsgut, Wahlrecht, Wirtschaftsgut

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