27.06.2016 | Top-Thema Geringwertige Wirtschaftsgüter

GWG: Buchungen und Praxisprobleme

Kapitel
Da einem je nach Höhe der Abschreibungskosten ein Wahlrecht zusteht, kann es zu einer Auseinandersetzung mit dem Betriebsprüfer kommen. Bereiten Sie sich vor!
Bild: Haufe Online Redaktion

Wie werden GWGs bis 410 Euro gebucht und wie bucht man GWG-Pools? Welche Auswirkungen hat das auf die Handels- und Steuerbilanz? Da einem je nach Höhe der Abschreibungskosten ein Wahlrecht zusteht und manche Abschreibungsmethoden Nachteile mit sich bringen, kann es zur Auseinandersetzung mit dem Betriebsprüfer kommen. Deshalb sollte der Unternehmer oder Buchhalter im Vorfeld passende Argumente sammeln, um spätere Buchungskorrekturen zu verhindern.

Buchungen von GWG bis 410 Euro

Da die Wirtschaftsgüter bis 410 Euro sofort abgeschrieben werden, werden sie in der Praxis hauptsächlich direkt auf ein Aufwandkonto oder alternativ auf ein GWG-Konto gebucht. Letzteres wird dann am Jahresende aufgelöst bzw. sofort abgeschrieben. Die Wirtschaftsgüter müssen dabei nicht mehr zwingend im Anlageverzeichnis erfasst werden.

Buchungen von GWG-Pools

Die Anschaffungskosten von Wirtschaftsgütern zwischen 150 und 1.000 Euro, die nicht sofort abgeschrieben werden können oder sollen, werden auf dem Konto „0485/0675 Geringwertige Wirtschaftsgüter über 150 Euro bis 1.000 Euro“ erfasst und insgesamt linear über fünf Jahre abgeschrieben. Die jährliche Abschreibung erfolgt über das Konto „4862/6264 Abschreibung auf den Sammelposten geringwertiger Wirtschaftsgüter“.

GWG-Pools haben den Nachteil, dass es beim Verkauf eines Wirtschaftsgutes nicht erlaubt ist, für die Gewinnermittlung den Buchwert vom Verkaufspreis abzuziehen.

Geringwertige Wirtschaftsgüter: Auswirkungen auf Handels- und Steuerbilanz

Der Gesetzgeber geht davon aus, dass die steuerlich zulässigen Bewertungen auch für die Handelsbilanz übernommen werden können und sich die Poolabschreibung zu Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) entwickeln wird (BR-Drs. 344/08, 80). Insbesondere durch die Wiedereinführung der Regelabschreibung nach § 7 EStG und der Möglichkeit der Sofortabschreibung bis 410 Euro besteht weiterhin die Möglichkeit des einheitlichen Wertansatzes für Handels- und Steuerbilanz. Die Sofortabschreibung wird handelsrechtlich unkritisch gesehen, weil sie dem Vorsichtsprinzip entspricht. Soweit demgegenüber die Sammelpostenlösung verwendet wird, kann unter Umständen wegen Verstoßes gegen das Vorsichtsprinzip kein einheitlicher Wertansatz gewählt werden. Auch wenn die Finanzverwaltung ausdrücklich darauf hinweist, dass der Sammelposten kein Wirtschaftsgut, sondern nur eine Rechengröße darstellt (R 6.13 Abs. 6 EStR).

Sofortabschreibung ist vorteilhafter

Unter der Annahme einer gleichbleibenden Gewinnsituation (= konstanter Steuersatz) ist die Sofortabschreibung vorteilhafter. Diskussionen darüber, wann eine eigenständige Nutzung eines Wirtschaftsguts zu bejahen ist, sind bei der Betriebsprüfung zu erwarten. Unternehmen und Buchhalter werden versuchen, einzelne Komponenten mit Anschaffungskosten unter 410 Euro zu bilden, um von der für sie vorteilhafteren Sofortabzug-Methode zu profitieren. Die Finanzverwaltung wird hingegen mehrere Wirtschaftsgüter zu einer Einheit mit Anschaffungskosten über 410 Euro zusammenführen zu wollen, z.B. Computer.

Tipp: Für Betriebsprüfung Argumente für Sofortabzug sammeln

Bereiten Sie sich gut auf eine etwaige Betriebsprüfung vor und sammeln Sie rechtzeitig passende Argumente, die den Sofortabzug rechtfertigen. Das macht die Zusammenarbeit mit dem Betriebsprüfer einfacher, und es können aufwändige und teure Korrekturmaßnahmen vermieden werden.

Schlagworte zum Thema:  GWG, Geringwertiges Wirtschaftsgut, Abschreibung, Betriebsprüfung, Wirtschaftsgut, Investitionsabzugsbetrag

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