Die private Nutzung des Firmenwagens ist bei der Einkommensteuer und Umsatzsteuer unterschiedlich geregelt. Nutzt der Unternehmer seinen Firmenwagen überwiegend (zu mehr als 50 %) für betriebliche Fahrten, hat er folgende Wahlmöglichkeiten:
Variante | Einkommensteuer | Umsatzsteuer |
1 | Fahrtenbuch | Keine Umsatzsteuer, wenn ausschließlich umsatzsteuerfreie Umsätze erzielt werden |
2 | 1-%-Methode | Keine Umsatzsteuer, wenn ausschließlich umsatzsteuerfreie Umsätze erzielt werden |
3 | Fahrtenbuch | Fahrtenbuch |
4 | 1-%-Methode | 1-%-Methode |
5 | 1-%-Methode | sachgerechte Schätzung |
Ohne ordnungsgemäßes Fahrtenbuch greift ertragsteuerlich automatisch die 1-%-Methode. Das bedeutet, es muss pro Monat 1 % des Bruttolistenpreises des Firmenwagens (einschließlich Umsatzsteuer) im Zeitpunkt der Erstzulassung zuzüglich Sonderausstattung als Wert der privaten Nutzung versteuert werden. Bei der Umsatzsteuer gibt es zusätzlich die sachgerechte Schätzung, die allerdings die Wahlmöglichkeiten bei der Einkommensteuer nicht beeinflusst. Die sachgerechte Schätzung bei der Umsatzsteuer kann nur mit der 1-%-Methode bei der Einkommensteuer kombiniert werden.
- Ermittelt der Unternehmer die private Nutzung bei der Einkommensteuer nach der pauschalen 1-%-Methode, kann er diesen Wert aus Vereinfachungsgründen auch bei der Umsatzsteuer zugrunde legen. Bei der Bemessung der Umsatzsteuer dürfen pauschal 20 % für die Kfz-Kosten abgezogen werden, für die keine Vorsteuerbeträge geltend gemacht werden konnten.
Bei der Umsatzsteuer kann der private Nutzungsanteil anstelle der 1-%-Regelung auch sachgerecht geschätzt werden. Es werden nur die Kosten der Umsatzsteuer unterworfen, bei denen ein Vorsteuerabzug möglich war. - Wenn ertragsteuerlich die 1-%-Methode nicht angewendet wird, sind die Kosten zugrunde zu legen, die laut Fahrtenbuch auf die privaten Fahrten des Unternehmers entfallen. Der Umsatzsteuer unterliegen nur die Kosten, bei denen zuvor ein Vorsteuerabzug möglich war.
Wichtig! Zunächst berechnen, welche Methode günstiger ist |
Der Unternehmer bzw. sein Steuerberater müssen sich für eine Lösung (Variante) entscheiden. Selbst dann, wenn der Unternehmer ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch führt, kann er die private Nutzung mithilfe der 1-%-Methode ermitteln. Das macht natürlich nur dann Sinn, wenn die Anwendung der Fahrtenbuch-Methode ungünstiger ist als die 1-%-Methode. Sollte der Unternehmer ein Elektrofahrzeug nutzen, sind Besonderheiten bei der Ermittlung des Nutzungsanteils für Zwecke der Einkommensteuer zu beachten. Im Gegensatz dazu gibt es bei der Umsatzsteuer keine abweichenden Regelungen. |
Totti
24.10.2022 18:18 Uhr
Die Berechnung im Praxis-Beispiel im Kapitel "1-%-Regelung - Berechnung bei umsatzsteuerpflichtigem Unternehmer" ist falsch.
Der Bruttobetrag ergibt sich aus den 1% vom Bruttolistenpreis (3.660 EUR) und nicht aus dem umsatzsteuerpflichtigen Anteil (2.928 EUR) addiert um den Steueranteil (556,32 EUR).
Der Bruttobetrag beträgt also 4.216,32 EUR.
Die Differenz zum Beispiel aus dem vorherigen Kapitel mit der sachgerechten Schätzung sind damit auch die 128,82 EUR (4.216,32 - 4.087,50).
OnlineRedaktionFinance
16.11.2022 11:51 Uhr
Sehr geehrter Leser, sehr geehrte Leserin,
wir haben den Autor um Prüfung gebeten. Dies ist seine Antwort:
Die Berechnung im Praxis-Beispiel im Kapitel "1-%-Regelung - Berechnung bei umsatzsteuerpflichtigem Unternehmer" ist nicht falsch. Wie in dem Beispiel (im Buchungssatz) zu sehen ist, handelt es sich um 2 Komponenten, und zwar um den
- umsatzsteuerfreien Anteil von 732 EUR und
- dem umsatzsteuerpflichtigen Anteil von 2.928 EUR + 556,32 EUR USt = 3.484,32 EUR (brutto)
- Ergebnis: Unentgeltliche Wertabgabe 732 EUR + 3.484,32 EUR = 4.216,32 EUR
So wie auch der Buchungssatz dargestellt ist.
Anita09123
26.03.2021 10:57 Uhr
Die Artikel sind sehr aufschlussreich. Ich habe aber bei der Fahrtenbuchmethode das Problem, das das Fahrzeug mit einem IAB "belegt" ist. Welche Abschreibung muss ich jährlich in die Kosten einbeziehen?. Im ersten Jahr den vollen IAB - Abzug als Kürzung der Anschaffungskosten?? oder die auf 6 Jahre verteilte "Normale"Abschreibung?
OnlineRedaktionFinance
30.03.2021 13:10 Uhr
Hallo, leider dürfen wir keine Beratungsleistungen anbieten und die Frage so nicht beantworten. Ggf. greifen wir das Thema redaktionell auf und werden es dann auf der Webseite veröffentlichen. Danke und viele Grüße
Michael Baum
04.03.2021 20:10 Uhr
Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für diesen sehr aufschlussreichen Artikel!
Irgendwie konkurrieren für mich allerdings zwei Sätze:
1. "Für die Kosten, die auf die private Nutzung entfallen, muss der Unternehmer Umsatzsteuer zahlen."
2. "Ein gemischt genutzter Pkw kann in vollem Umfang dem umsatzsteuerlichen Unternehmen zugeordnet werden."
Ich würde gerne das "Praxis-Beispiel: Kilometerpauschale plus Vorsteuerabzug" dazu etwas weiter fort führen:
Der Unternehmer fährt mit dem Pkw jährlich je 20.000km.
Anteil der betrieblichen Fahrten:
1. Jahr: 8.000 km (40%)
2. Jahr: 5.000 km (25%)
3. Jahr: 8.000 km (40%)
Die betrieblichen Fahrten werden über die Kilometerpauschale geltend gemacht.
Ausgaben in den Folgejahren: jew. 3000,- zzgl. USt 570,- (Tanken, Service, ...)
Kann der Unternehmer jetzt 100% der Kosten (Anschaffung + laufende Kosten) seinem umsatzsteuerlichen Unternehmen zuordnen (4750,- + 3*570,-), ohne Umsatzsteuer auf den privaten Nutzungsanteil zahlen zu müssen?
Oder muss er in diesem Fall Umsatzsteuer auf den privaten Nutzungsanteil zahlen? Wie wird dieser dann in den einzelnen Jahren berechnet?
Sabine Veith
25.03.2021 09:52 Uhr
Sehr geehrter Herr Baum, die umsatzsteuerlichen Fragen haben wir geklärt. Es wird in der nächsten Zeit einen Praxis-Tipp dazu geben, den wir auf dem Finance-Portal veröffentlichen. Die Fallgestaltungen können wir leider nicht klären, da wir keine Steuerberatung übernehmen dürfen. Ich hoffe auf Ihr Verständnis. Viele Grüße Sabine Veith
André Christiansen
20.05.2020 18:39 Uhr
Hallo!
Wenn ich das richtig sehe, ist in dem oben genannten Beispiel die "Abziehbare Vorsteuer in EUR" nicht korrekt.
Es wurden die Beträge der "Kosten mit Vorsteuer in EUR" * 0,19 gerechnet.
Richtig wäre aber: "Kosten mit Vorsteuer in EUR" * 19 / (100 + 19).
Oder habe ich etwas übersehen?
Stefan Butsch
16.04.2020 10:33 Uhr
Sehr geehrter Herr Krudewig,
sind bei der Ermittlung der Kosten für die Kostendeckelung für ein in 2019 angeschafftes Hybridfahrzeug die Leasingraten auch zu halbieren?
Vielen Dank für Ihre Einschätzung
Sabine Veith
22.05.2020 10:39 Uhr
Sehr geehrter Herr Butsch, heute habe ich die Antwort von Herrn Krudewig erhalten. Damit ich Ihnen die Antwort, die als Word-Datei vorliegt, schicken kann, schreiben Sie mir bitte eine Mail an sabine.veith@haufe-lexware.com. Viele Grüße Sabine Veith
Sabine Veith
19.05.2020 07:37 Uhr
Sehr geehrter Herr Butsch, aufgrund der vielen zusätzlichen Themen wegen der Corona-Krise, ist Ihre Frage etwas "liegengeblieben". Ich habe nachgehakt, die Antwort ist in Arbeit. Es ist kompliziert, aber sie kommt. Ich hoffe auf Ihr Verständnis. Viele Grüße Sabine Veith
Stefan Butsch
14.05.2020 11:26 Uhr
Hallo Frau Veith,
wie finde ich die Antwort?
VG
Sabine Veith
21.04.2020 12:06 Uhr
Sehr geehrter Herr Butsch, Ihre Frage habe ich weitergegeben. Herr Krudewig kümmert sich um die Antwort. Demnächst stellen wir diese auf dem Finance-Portal unter der Rubrik "Aus der Praxis - für die Praxis", unter der wir Leseranfragen beantworten, zur Verfügung. Viele Grüße Sabine Veith
Dominic Harnisch
04.01.2019 10:42 Uhr
Im Beispiel "Fahrtenbuchmethode: Berechnung der Bemessungsgrundlage für die private Pkw-Nutzung" nutzen Sie bei den "Kosten mit Vorsteuer" die Nettobeträge zur Ermittlung "Privatnutzung (umsatzsteuerpflichtig)". In vielen anderen Quellen werden jedoch die Bruttobeträge genutzt. Häufig werden auch andere Sachkonten bzw. Buchungssätze genutzt, wie z.B.:
4120 an 8611 + 8590
SInd beide Varianten zulässig?
Carmen Oswald
10.01.2019 14:37 Uhr
Hallo Herr Harnisch,
vielen Dank für Ihre Frage. Wir kümmern uns darum und werden die Antwort im Rahmen unserer Rubrik "Aus der Praxis – für die Praxis" zeitnah beantworten.
Viele Grüße
Ihre Online Redaktion Finance
Sabine Veith
06.02.2018 11:30 Uhr
Das Topthema kann nicht alle "Spezialitäten" aufgreifen. Die Online-Redaktion wird sich jedoch um die Frage kümmern und zeitnah eine Nachricht auf das Finance-Portal unter der Rubrik "Aus der Praxis-für die Praxis" dazu einstellen. Ich hoffe auf Ihr Verständnis!
Otmar Russler
02.02.2018 12:03 Uhr
Ich finde keinen Hinweis zum Vorsteuerabzug bei Unternehmen, die teilweise steuerpflichtige Leistungen erbringen, bei denen die private PKW-Nutzung nach der 1%- Regelung ermittelt und als unentgeltliche Wertabgabe mit 19% erfasst wird. Ist dann auch die Vorsteuer nach wirtschaftlicher Zurechnung für die Anschaffung des PKW voll abziehbar?