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Was sind typische geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)? Wir geben Beispiele, was GWGs sind und was nicht, gehen auf den Spezialfall "Computerprogramme bzw. Software" ein und zeigen, wie die Anschaffungskosten berechnet werden. So sind Sie bei Ihren GWG 2018 auf der sicheren Seite.

Geringwertige Wirtschaftsgüter: Defintion

Die Nutzungsdauer des geringwertigen Wirtschaftsguts muss mindestens ein Jahr betragen, weil andernfalls eine Aktivierung ausscheidet. Güter des Anlagevermögens müssen dem Unternehmen langfristig zur Verfügung stehen.

Was sind geringwertige Wirtschaftsgüter: Beispiele

  • Kleinmöbel,
  • Bilder,
  • Datenträger,
  • Kaffeemaschinen,
  • Paletten,
  • Transportkisten,
  • Werkzeuge (außer Maschinenwerkzeug),
  • Schreibtischlampen,
  • Bürocontainer,
  • Papierkörbe,
  • Diktiergeräte,
  • beruflich genutzte Software,
  • Schreibgeräte,
  • Telefone etc.

Keine GWG: Unselbstständige Wirtschaftsgüter

Nicht zu den GWG zählen Wirtschaftsgüter, die nur mit anderen Wirtschaftsgütern zusammen genutzt werden können. Darunter fällt z. B. ein Monitor, der ohne Computer nicht selbstständig nutzbar ist. Weitere Gegenstände, die keine GWG sind: Regalteile, Lampen eines Beleuchtungssystems, Softwareupdates oder die Computermaus.

Hier wird zunächst nach „vorsichtiger kaufmännischer Beurteilung“ entschieden, ob es sich bei dem unselbstständigen Wirtschaftsgut um nachträgliche Anschaffungskosten oder um Erhaltungsaufwand handelt. Trifft Ersteres ein, weil ein bestehendes Anlagegut verbessert oder erweitert wird, werden die neuen Kosten dem Anlagegut zum 1.1. zugeschrieben und gemeinsam mit diesem abgeschrieben. Wird hingegen das bestehende Anlagegut instand gehalten, gepflegt oder gewartet, ist das Wirtschaftsgut als Erhaltungsaufwand zu betrachten und damit sofort als Betriebsausgabe abziehbar.

Wirtschaftsgüter aus mehreren Teilen - GWG?

Bei Wirtschaftsgütern, die aus mehreren Teilen bestehen, wird sich die Finanzverwaltung üblicherweise gegen die Behandlung des Wirtschaftsguts als GWG aussprechen. Sie wird die Ansicht vertreten, dass die Teile nach ihrem wirtschaftlichen Zweck oder nach der Verkehrsauffassung eine Einheit bilden. Hierauf sollten Unternehmen vorbereitet sein und schon im Vorfeld Argumente sammeln. So könnte man z. B. bei einem Stuhl anbringen, dass jeder Stuhl einer Sitzgruppe für sich alleine nutzbar ist.

GWG: Immaterielle Wirtschaftsgüter wie z. B. Software

Einen Spezialfall bilden Computerprogramme, weil sie grundsätzlich nicht zu den materiellen Wirtschaftsgütern gehören. Die Finanzverwaltung unterscheidet zwischen

  • Trivialprogrammen, die lediglich Datenbestände oder allgemein zugängliche Daten speichern (z.B. Telefonbücher, Lexika, Vokabulare), und die für die Allgemeinheit erwerbbar sind und
  • sehr aufwändig programmierten Computerprogrammen, die nur einem kleinen Anwenderkreis zur Verfügung stehen, z. B. Spezialsoftware für Grafiker oder Architekten.

Die Trivialprogramme wurden bis zum Veranlagungszeitraum 2017 vom Finanzamt als GWG anerkannt, wenn ihr Wert 410 EUR nicht überschritt (R 5.5 EStR). Aufwändig programmierte Computerprogramme hingegen wurden bis Ende 2017 wie Trivialprogramme behandelt, wenn ihre Anschaffungskosten zwischen 150 und 1.000 EUR lagen – und das, obwohl sie weder die Voraussetzung der Beweglichkeit erfüllen noch als materiell anzusehen sind.

Die bislang geltende GWG-Grenze von 410 EUR (netto) wurde ab dem Veranlagungszeitraum 2018 auf 800 EUR erhöht. Das geht aus dem „Gesetz gegen schädliche Steuerpraktiken im Zusammenhang mit Rechteüberlassungen“ hervor (BGBl. I 2017, S. 2074) und soll laut der Bundesregierung nun auch für Computersoftware gelten (BT-Drucksache 18/12750 vom 16.6.2017). Bei der nächsten Überarbeitung der Einkommensteuer-Richtlinien soll dies geregelt werden. Das bedeutet, dass ab 2018 auch Computerprogramme bis 800 EUR (netto) prinzipiell sofort als GWG abgeschrieben werden dürfen.

Sämtliche Programme über 800 EUR werden als langlebige immaterielle Vermögensgegenstände eingestuft und müssen einem Urteil des BFH (BFH, Urteil v. 16.6.1995, X B 237/94) zufolge über eine Nutzungsdauer von drei oder fünf Jahren abgeschrieben werden. Dabei wird Standardsoftware in der Regel auf nur drei Jahre abgeschrieben und die Anschaffungskosten für höherwertige Individualprogramme, die oftmals speziell für den einzelnen Betrieb erstellt wurden, auf 5 Abschreibungsjahre verteilt.

Wichtig: Nettoanschaffungskosten sind entscheidend

Bei den betragsmäßigen Grenzen handelt es sich immer um die Nettoanschaffungskosten, die sofort in voller Höhe als Betriebsausgabe berücksichtigt werden können. Es kommt nicht darauf an, ob ein Vorsteuerabzugsrecht besteht. Auch für Kleinunternehmer, die nicht zur Regelbesteuerung optiert haben, gelten die Nettoanschaffungskosten für die Bestimmung der Wertgrenze.

GWG: Berechnung der Anschaffungskosten

Der Netto-Betrag, der für die GWG-Einstufung maßgeblich ist, berechnet sich folgendermaßen:

Preis einschl. USt

- 19 % USt (ggf. 7 % USt)
- Skonto, sonstige Rabatte
- Zuschüsse
- Rücklage für Ersatzbeschaffung
- Investitionsabzugsbetrag
= Netto-Anschaffungskosten

Ausnahme: Einlage in das Betriebsvermögen

Handelt es sich um eine Einlage in das Betriebsvermögen, darf bei der Prüfung der GWG-Grenze nicht vom ursprünglichen Preis ausgegangen werden. Stattdessen ist der Einlagewert maßgeblich, der sich nach dem Zeitpunkt der Einlage nach Anschaffung richtet.

EinlagezeitpunktAusgangswert
Innerhalb von 3 Jahren nach Anschaffung

Kaufpreis (brutto abzüglich vorgenommene bzw. fiktive Abschreibung = Restwert zum Zeitpunkt der Einlage)

Vorsicht:

Die Abschreibung muss auch abgezogen werden, wenn diese steuerlich nicht geltend gemacht wurde.

Wurden Abschreibungen als Werbungskosten angesetzt, sind maximal diese abzuziehen.

Nach mehr als 3 Jahren nach Anschaffung

Schätzung des Einlagewerts (Restwerts)

Richtschnur: Was würde ein fremder Käufer noch für den Gegenstand bezahlen?