27.06.2016 | Top-Thema Geringwertige Wirtschaftsgüter

GWG: Merkmale und Anschaffungskosten

Kapitel
Typische geringwertige Wirtschaftsgüter sind z.B. Kleinmöbel, Bilder, Kaffeemaschinen, Telefone usw.
Bild: Haufe Online Redaktion

Was sind typische geringwertige Wirtschaftsgüter? Sie müssen selbstständig nutzbar sein und bewegliche Güter des Anlagevermögens darstellen. Wir geben Beispiele, was GWGs sind und was nicht, gehen auf den Spezialfall "Computerprogramme bzw. Software" ein und zeigen, wie man die Anschaffungskosten von geringwertigen Wirtschaftsgütern berechnet.

Beispiele für geringwertige Wirtschaftsgüter

  • Kleinmöbel,
  • Bilder,
  • Datenträger,
  • Kaffeemaschinen,
  • Paletten,
  • Transportkisten,
  • Werkzeuge (außer Maschinenwerkzeug),
  • Schreibtischlampen,
  • Bürocontainer,
  • Papierkörbe,
  • Diktiergeräte,
  • beruflich genutzte Software,
  • Schreibgeräte,
  • Telefone etc.

Wichtig: Nutzungsdauer mindestens ein Jahr

Die Nutzungsdauer des Wirtschaftsguts muss mindestens ein Jahr betragen, weil andernfalls eine Aktivierung ausscheidet. Güter des Anlagevermögens müssen dem Unternehmen langfristig zur Verfügung stehen.

Keine GWG: Unselbstständige Wirtschaftsgüter

Nicht zu den GWG zählen Wirtschaftsgüter, die nur mit anderen Wirtschaftsgütern zusammen genutzt werden können. Darunter fällt z. B.  ein Monitor, der ohne Computer nicht selbstständig nutzbar ist. Weitere Gegenstände, die keine GWG sind: Regalteile, Lampen eines Beleuchtungssystems, Softwareupdates oder die Computermaus.

Hier wird zunächst nach „vorsichtiger kaufmännischer Beurteilung“ entschieden, ob es sich bei dem unselbstständigen Wirtschaftsgut um nachträgliche Anschaffungskosten oder um Erhaltungsaufwand handelt. Trifft Ersteres ein, weil ein bestehendes Anlagegut verbessert oder erweitert wird, werden die neuen Kosten dem Anlagegut zum 1.1. zugeschrieben und gemeinsam mit diesem abgeschrieben. Wird hingegen das bestehende Anlagegut instand gehalten, gepflegt oder gewartet, ist das Wirtschaftsgut als Erhaltungsaufwand zu betrachten und damit sofort als Betriebsausgabe abziehbar.

Wirtschaftsgüter aus mehreren Teilen - GWG?

Bei Wirtschaftsgütern, die aus mehreren Teilen bestehen, wird sich die Finanzverwaltung üblicherweise gegen die Behandlung des Wirtschaftsguts als GWG aussprechen. Sie wird die Ansicht vertreten, dass die Teile nach ihrem wirtschaftlichen Zweck oder nach der Verkehrsauffassung eine Einheit bilden. Hierauf sollten Unternehmen vorbereitet sein und schon im Vorfeld Argumente sammeln. So könnte man z. B. bei einem Stuhl behaupten, dass jeder Stuhl einer Sitzgruppe für sich alleine nutzbar ist.

GWG: Immaterielle Wirtschaftsgüter wie z.B. Software

Einen Spezialfall bilden Computerprogramme, weil sie grundsätzlich nicht zu den materiellen Wirtschaftsgütern gehören. Die Finanzverwaltung unterscheidet zwischen

  • Trivialprogrammen, die lediglich Datenbestände oder allgemein zugängliche Daten speichern, z. B. Texte oder Zahlen, sowie für die Allgemeinheit erwerbbar sind, und
  • sehr aufwändig programmierten Computerprogrammen, die nur einem kleinen Anwenderkreis zur Verfügung stehen, z. B. Spezialsoftware für Grafiker, Architekten o.ä.

Die Trivialprogramme werden vom Finanzamt als GWG anerkannt, wenn ihr Wert maximal 410 EUR beträgt (R 5.5 EStR). Aufwändig programmierte Computerprogramme hingegen werden wie Trivialprogramme behandelt, wenn ihre Anschaffungskosten zwischen 150 und 1.000 Euro liegen – und das, obwohl sie weder die Voraussetzung der Beweglichkeit erfüllen noch als materiell anzusehen sind.

Wichtig: Nettoanschaffungskosten sind entscheidend

Bei den betragsmäßigen Grenzen handelt es sich immer um die Nettoanschaffungskosten, die sofort in voller Höhe als Betriebsausgabe berücksichtigt werden können. Es kommt nicht darauf an, ob ein Vorsteuerabzugsrecht besteht oder nicht.

Geringwertige Wirtschaftsgüter: Berechnung der Anschaffungskosten

Der Netto-Betrag, der für die GWG-Einstufung maßgeblich ist, berechnet sich folgendermaßen:

Preis einschl. USt

- 19 % USt (ggf. 7 % USt)
- Skonto, sonstige Rabatte
- Zuschüsse
- Rücklage für Ersatzbeschaffung
- Investitionsabzugsbetrag
= Netto-Anschaffungskosten

Ausnahme: Einlage in das Betriebsvermögen

Handelt es sich um eine Einlage in das Betriebsvermögen, darf bei der Prüfung der GWG-Grenze nicht vom ursprünglichen Preis ausgegangen werden. Stattdessen ist der Einlagewert maßgeblich, der sich nach dem Zeitpunkt der Einlage nach Anschaffung richtet.

EinlagezeitpunktAusgangswert
Innerhalb von 3 Jahren nach Anschaffung

Kaufpreis (brutto abzüglich vorgenommene bzw. fiktive Abschreibung = Restwert zum Zeitpunkt der Einlage)

Vorsicht:

Die Abschreibung muss auch abgezogen werden, wenn diese steuerlich nicht geltend gemacht wurde.

Wurden Abschreibungen als Werbungskosten angesetzt, sind maximal diese abzuziehen.

Nach mehr als 3 Jahren nach Anschaffung

Schätzung des Einlagewerts (Restwerts)

Richtschnur: Was würde ein fremder Käufer noch für den Gegenstand bezahlen?

Schlagworte zum Thema:  GWG, Geringwertiges Wirtschaftsgut, Anschaffungskosten, Anlagevermögen, Wirtschaftsgut, Investitionsabzugsbetrag

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