03.05.2016 | Computer, Notebook, Tablet PC

Wann die 100 %ige Abschreibung als geringwertiges Wirtschaftsgut genutzt werden kann

Bei Computern wirkt sich die Einstellung in den Sammelposten regelmäßig negativ aus.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Als Geringwertiges Wirtschaftsgut, das zu 100 % Betriebsausgaben abgezogen werden darf, zählt der angeschaffte Computer nur, wenn bestimmte Betragsgrenzen nicht überschritten werden.

Schafft der Unternehmer sich einen Computer an, kann er ihn nur dann als geringwertiges Wirtschaftsgut behandeln, wenn dieser selbstständig nutzbar ist. Dies ist regelmäßig nur bei einem Display-PC (z. B. MAC von Apple), einem Notebook/Netbook, einem Tablet-PC oder einem Kombinationsgerät der Fall. Eine Sofortabschreibung zu 100 % im Jahr der Anschaffung kommt nur infrage, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten entweder

  • nicht mehr als 150 EUR netto ohne Umsatzsteuer betragen (Computer und andere Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten von mehr als 150 EUR und nicht mehr als 1.000 EUR müssen dann in einen Sammelposten eingestellt werden) oder
  • nicht mehr als 410 EUR netto ohne Umsatzsteuer betragen (bei dieser Variante darf kein Sammelposten – auch nicht für andere Wirtschaftsgüter – gebildet werden).

GWG bis 410 EUR oder Abschreibung auf 3 Jahre

Die Nettoanschaffungskosten für einen Display-PC oder für ein Notebook liegen regelmäßig über 150 EUR, sodass die Sofortabschreibung nur beansprucht werden kann, wenn die Variante mit dem Grenzwert von 410 EUR gewählt wird. Bei dieser Kombination besteht immer auch die Möglichkeit, geringwertige Wirtschaftsgüter über ihre betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 3 Jahren abzuschreiben. Dieses Wahlrecht kann der Unternehmer für jedes einzelne Wirtschaftsgut individuell in Anspruch nehmen (BMF, Schreiben v. 30.9.2010, IV C 6 – S 2180/09/10001; 2010/0750885).

Buchungs-Beispiel: Kauf eines Notebooks

Herr Huber kauft ein Notebook für 476 EUR (400 EUR + 76 EUR Umsatzsteuer). Das Notebook ist selbstständig nutzbar und der Nettokaufpreis überschreitet nicht den Grenzwert von 410 EUR. Herr Huber kann das Notebook im Jahr der Anschaffung als geringwertiges Wirtschaftsgut zu 100 % abschreiben. Die Buchung muss aufgrund bestehender Aufzeichnungspflichten in zwei Schritten erfolgen. Herr Huber bucht zuerst die Anschaffung auf das Anlagekonto (SKR 03/04 0480 / 0670) und danach die Abschreibung auf das Konto Sofortabschreibungen geringwertiger Wirtschaftsgüter (SKR 03 / 04 4855 / 6260).

Veränderung des Grenzwerts durch Investitionsabzugsbeträge

Hat der Unternehmer für die Anschaffung eines Computers einen Investitionsabzugsbetrag gebildet, muss er ihn im Investitionsjahr wieder auflösen. Dabei kann er die Gewinnerhöhung wieder rückgängig machen, indem er den Investitionsabzugsbetrag von den Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzieht. Maßgebend für den Grenzwert bei den geringwertigen Wirtschaftsgütern sind die Anschaffungskosten abzüglich Investitionsabzugsbetrag (§ 7g Abs. 2 EStG)

Praxis-Beispiel Investitionsabzugsbetrag

Herr Huber hat für die Anschaffung eines Notebooks einen Investitionsabzugsbetrag von 272 EUR gebildet (voraussichtliche Anschaffungskosten 680 EUR × 40 %). Im Folgejahr schafft er das Notebook für brutto 809,20 EUR an. Er rechnet wie folgt:

Bruttobetrag

809,20 EUR

abzüglich Umsatzsteuer (Vorsteuer)

129,20 EUR

Nettobetrag

680,00 EUR

abzüglich Investitionsabzugsbetrag

272,00 EUR

maßgebende Anschaffungskosten

408,00 EUR

Konsequenz: Die Anschaffungskosten überschreiten nicht den Grenzwert von 410 EUR, sodass das Notebook sofort als geringwertiges Wirtschaftsgut abgeschrieben werden darf.

Computer bis 1.000 EUR: Sammelposten

Ein PC, dessen Anschaffungskosten netto ohne Umsatzsteuer mehr als 1.000 EUR kostet, wird immer über 3 Jahre abgeschrieben. Wählt der Unternehmer die Variante, wonach der Grenzwert für geringwertige Wirtschaftsgüter 150 EUR beträgt, muss er alle selbstständig nutzbaren Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungskosten mehr als 150 EUR, aber nicht mehr als 1.000 EUR betragen, in einen Sammelposten einstellen. Diesen Sammelposten schreibt er über 5 Jahre ab.

Entscheidend ist, ob das jeweilige Wirtschaftsgut selbstständig nutzbar ist. Sind Teile der PC-Anlage nicht selbstständig nutzbar, werden diese – unabhängig von der Höhe der Anschaffungskosten – immer über 3 Jahre abgeschrieben. Eine Computeranlage ist regelmäßig kein eigenständiges Wirtschaftsgut, sondern eine Zusammenstellung mehrerer selbstständiger Wirtschaftsgüter. Konsequenz ist dann, dass jedes Wirtschaftsgut für sich zu betrachten ist.

Hat der Unternehmer einen Display-PC, ein Notebook oder einen Tablet-PC erworben und betragen die Anschaffungskosten ohne Umsatzsteuer mehr als 150 EUR, aber nicht mehr als 1.000 EUR, müssen sie  dem Sammelposten zugeordnet werden. Dieser wird (beginnend mit dem Jahr der Anschaffung) pro Jahr mit 1/5 gewinnmindernd wieder aufgelöst. Hat der Unternehmer das Notebook einmal in den Sammelposten eingestellt, werden Veränderungen nicht mehr berücksichtigt, und zwar auch dann nicht, wenn das Notebook vorzeitig aus dem Betriebsvermögen ausscheidet.

Praxis-Tipp: Wann die Einstellung in den Sammelposten nicht zu empfehlen ist

Bei Computern wirkt sich die Einstellung in den Sammelposten regelmäßig negativ aus, weil sich die Abschreibung von 3 auf 5 Jahre verlängert. Außerdem lehnt die Finanzverwaltung es ab, dass bei einer Einstellung in den Sammelposten die 20 %ige Sonderabschreibung in Anspruch genommen werden kann (umstrittene Rechtsauffassung). Die Variante mit dem Sammelposten sollte möglichst dann nicht gewählt werden, wenn ein Display-PC oder ein Notebook erworben wird, dessen Nettoanschaffungskosten 1.000 EUR nicht übersteigen.

Weitere Inhalte zu dem Thema:

> Computer, Notebook, Tablet PC: Wie ein PC mit Peripheriegeräten in der Buchführung ausgewiesen wird

> Computer, Notebook, Tablet PC: Überblick über die Abschreibungsmöglichkeiten

> Computer, Notebook, Tablet PC: Abschreibung von Kombinationsgeräten

> Computer, Notebook, Tablet-PC: Austausch einzelner Teile und Nachrüsten eines PCs

 

Schlagworte zum Thema:  Computer, PC, Tablet-Computer, GWG

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