21.04.2015 | Top-Thema Tax Accounting: Bildung von Rückstellungen

Ansatz- und Bewertungsvorschriften von Rückstellungen

Kapitel
Beim Ansatz und der Bewertung von Rückstellungen gibt es deutliche Unterschiede zwischen Handels- und Steuerrecht.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Ansatz- und Bewertungsvorschriften von Rückstellungen haben sich nach der Umsetzung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) umfangreich geändert. Die Änderungen betrafen alle Rückstellungsarten.

So wurde zum einen die Bilanzierung von Rückstellungen für Pensionen und ähnlichen Verpflichtungen sowie die Steuerrückstellungen in Bezug auf Ansatz und Bewertung grundsätzlich verändert und an die internationalen Rechnungslegungsstandards angenähert, was aber auch zu noch deutlicheren Differenzen zur Steuerbilanz geführt hat.

Ansatzvorschriften von Rückstellungen im Handelsrecht

Wesentliche Voraussetzungen für den Ansatz einer Rückstellung sind

  • die Außenverpflichtung,
  • die wahrscheinliche Inanspruchnahme und
  • die wirtschaftliche Verursachung im Berichtsjahr.

Bei den sonstigen Rückstellungen wurde die Passivierung der Aufwandsrückstellungen (Rückstellungen ohne direkte Verpflichtung gegenüber Dritten) größtenteils abgeschafft, die wiederum eine Annäherung an die steuerliche Bilanzierung zur Folge hatte. Die Bewertung hat nach BilMoG mit dem nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendigen Erfüllungsbetrag zu erfolgen.

Zusätzlich gilt für Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von über einem Jahr ein Abzinsungsgebot, mit dem der Restlaufzeit entsprechenden durchschnittlichen Marktzinssatz der letzten 7 Jahre (§ 253 Abs. 2 HGB).

Rückstellungen im Steuerrecht

Steuerrechtlich sind nach den handelsrechtlichen Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung die gem. § 249 HGB anzusetzenden Rückstellungen auch in der Steuerbilanz zu bilden, soweit eine betriebliche Veranlassung besteht und steuerliche Sondervorschriften, z. B. § 5 Abs. 2a, 3, 4, 4a, 4b, 6 und § 6a EStG nicht entgegenstehen. Nach R 5.7 Abs. 2 EstR 2012 sind Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten nur zu bilden, wenn

  • es sich um eine Verbindlichkeit gegenüber einem anderen oder eine öffentlich-rechtliche Verpflichtung handelt,
  • die Verpflichtung vor dem Bilanzstichtag wirtschaftlich verursacht ist,
  • mit einer Inanspruchnahme aus einer nach ihrer Entstehung oder Höhe ungewissen Verbindlichkeit ernsthaft zu rechnen ist und
  • die Aufwendungen in künftigen Wirtschaftsjahren nicht zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten für ein Wirtschaftsgut führen.

Praxis-Hinweis: Nicht rückstellungsfähige Aufwendungen

Nach H 5.7 Abs. 4 EStH sind in der Steuerbilanz folgende Aufwendungen nicht rückstellungsfähig:

  • Kosten für nichtbetriebliche Steuererklärungen, z. B. Erklärung zur gesonderten und einheitlichen Feststellung von Besteuerungsgrundlagen für die Einkommensbesteuerung des Gewinns einer Personengesellschaft (vgl. BFH-Urteil vom 24.11.1983 – IV R 22/81, BStBl 1984 II S. 301).
  • Kosten für die Prüfung und Offenlegung, wenn ihnen keine gesetzliche Verpflichtung zugrunde liegt.

Weitere Inhalte zu den Themen Rückstellung und Tax Accounting:

Schlagworte zum Thema:  Rückstellung, Bewertung, Handelsbilanz, Steuerbilanz, Tax Accounting

Aktuell

Meistgelesen