Studie transformative Kompetenzen

Green Skills in der öffentlichen Verwaltung


Frau mit Kopfhörern arbeiten

Technologische Innovation allein reicht nicht aus, um die ökologische Transformation zu schaffen – das zeigt neue Forschung aus Paderborn. Was es wirklich braucht, sind Verwaltungsmitarbeitende mit den richtigen Kompetenzen. Doch genau diese sogenannten „Green Skills“ sind bislang kaum definiert, schwer messbar und politisch zunehmend gefährdet.

Der Weg zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft ist längst keine Frage des Wissens mehr – die Dringlichkeit ist gesellschaftlich anerkannt. Die eigentliche Herausforderung liegt in der konsequenten Umsetzung. Forschende des „Paderborn Research Center for Sustainable Economy" (PARSEC) an der Universität Paderborn argumentieren in einem aktuell im Fachjournal Nature Portfolio Journal: Climate Action erschienenen Artikel, dass weder technologische Innovation noch ein kohärenter politischer Rahmen allein ausreichen. Der entscheidende Faktor sei vielmehr die Kompetenz der Menschen, die Klimaschutzmaßnahmen in der Praxis umsetzen – allen voran in der öffentlichen Verwaltung.

Die Forschenden betonen, dass Beschäftigte im öffentlichen Sektor über spezifische Green Skills verfügen müssen, um kohlenstoffarme Technologien, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle wirksam einzuführen und in institutionellen, wirtschaftlichen sowie sozialen Kontexten zu verankern.

Was sind „Green Skills“ – und warum fehlt eine klare Definition?

Trotz wachsender politischer Aufmerksamkeit für das Thema mangelt es bislang an einer präzisen konzeptionellen Grundlage. Genau hier setzt die interdisziplinäre Paderborner Forschungsgruppe an: Ihr Ziel ist eine klarere Definition und Operationalisierung von Green Skills, die es ermöglicht, entsprechende Kompetenzen bei Verwaltungsmitarbeitenden zu messen und vergleichbar zu machen.

Im Mittelpunkt stehen dabei Akteure, die im direkten Kontakt mit Bürger:innen stehen und politische Programme auf operativer Ebene umsetzen – etwa in Städten, Gemeinden und Kommunen, besonders im Kontext von Förderprogrammen für private Haushalte. „

Da bislang wenig darüber bekannt ist, welche spezifischen Fähigkeiten für eine effektive Umsetzung nachhaltiger politischer Systeme im Bereich der öffentlichen Verwaltung erforderlich sind, wollen wir eine klarere Definition und Konzeptualisierung von ‚Green Skills‘ anregen“, erklärt Prof. Dr. Daniel Reimsbach, Sprecher der Arbeitsgruppe.

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Geopolitische Instabilität bedroht den Kompetenzaufbau

Die Forschenden schlagen auch Alarm mit Blick auf aktuelle politische Entwicklungen. Zwar hätten Regierungen weltweit begonnen, den Aufbau von Green Skills zu fördern. Doch die geopolitische Instabilität – veränderte Prioritäten der US-amerikanischen Regierung, anhaltende Kriege und regionale Konflikte – könnte zu Kürzungen öffentlicher Mittel führen und damit den Kompetenzaufbau gefährden, so Reimsbach.

Sein Co-Sprecher Prof. Dr. Martin Kesternich unterstreicht das übergeordnete Ziel der Arbeitsgruppe: „Wir möchten die Debatten über ‚Green Skills‘ im Kontext der globalen ökologischen Wende vorantreiben und sie mit den Diskussionen über wirksame politische Maßnahmen zur nachhaltigen Transformation des öffentlichen Sektors verknüpfen.“ Green Skills sollen dabei nicht als isoliertes HR-Thema verstanden werden, sondern als strategische Voraussetzung für eine funktionierende Nachhaltigkeitsgovernance im öffentlichen Sektor.

 

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