Nachhaltigkeitsmanagement: Polarisierung, Gehaltsentwicklung und neue Herausforderungen
Der „Sustainability People Report 2025“ liefert wichtige Einblicke in ein Berufsfeld im Wandel. An der von der sustainability people company in Zusammenarbeit mit EY und Haufe durchgeführten Befragung nahmen im März und April dieses Jahres 593 Fach- und Führungskräfte aus Nachhaltigkeitsmanagement und -beratung teil. Die Befragung fand vor dem Hintergrund des im Februar vorgestellten EU-Omnibus-Pakets statt. Das Paket zielt darauf ab, Berichtspflichten zu nachhaltigen Aktivitäten zu lockern und zeitlich zu verschieben – ein Schritt, der viele Maßnahmen hinterfragt, an denen Sustainability-Manager:innen seit Jahren arbeiten. Die daraus resultierende Unsicherheit hat spürbare Auswirkungen auf die Stimmung innerhalb des Berufsfelds.
Unterstützung für Nachhaltigkeit: Kleinere Unternehmen führen
Ein zentrales Thema des Berichts ist die Einstellung der Geschäftsleitungen zur Nachhaltigkeit. Insgesamt unterstützen 51 Prozent der Unternehmensführungen entsprechende Initiativen – jedoch zeichnet sich eine Polarisierung ab. Besonders positiv fällt dabei die Haltung kleinerer Unternehmen (bis zu 500 Mitarbeitende) auf: Hier geben 59 Prozent der Befragten an, dass ihre Geschäftsleitung hinter nachhaltigen Maßnahmen steht. In mittleren (501 bis 5.000 Mitarbeitende) und großen Unternehmen (über 5.000 Mitarbeitende) liegt dieser Anteil hingegen bei nur noch 50 bzw. 41 Prozent.
Dabei deutet sich eine Polarisierung an: Während 30 Prozent der Befragten mit einer unterstützenden Geschäftsführung wachsende Zustimmung erwarten, befürchten fast vierzig Prozent der Befragten mit ablehnender Führungsebene eine weitere Verschärfung dieser Haltung.
Alexander Kraemer von der sustainability people company warnt: „Das weltweite Klima verändert sich, es wartet nicht auf regulatorische Vorgaben. Die Auswirkungen auf nahezu alle Geschäftsmodelle sind heute schon spürbar“. In seiner täglichen Arbeit nehme er wahr, dass Unternehmen, deren Geschäftsleitungen jetzt gezielt in die Transformation investieren, gestärkt aus dem Wandel hervor gehen – sie seien „resilienter, kosteneffizienter und näher an den Bedürfnissen ihrer Banken, Versicherungen und Kund:innen“.
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Gehälter steigen stärker als deutscher Durchschnitt
Die Vergütung im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement zeigt positive Trends: Das Median-Bruttojahresgehalt stieg um fünf Prozent (+4.000 Euro) auf nunmehr 76.000 Euro jährlich. Bezogen auf den Mittelwert beträgt das Plus rund dreieinhalb Prozent (+2.926 Euro). Damit übertreffen die Gehaltssteigerungen den allgemeinen Anstieg am deutschen Arbeitsmarkt (~2 Prozent).
Besonders profitieren Neueinsteiger:innen mit weniger als fünf Jahren Erfahrung vom Aufwärtstrend; erfahrene Fachkräfte verzeichnen hingegen keine signifikanten Zuwächse im Vergleich zur Vorjahresbefragung. Branchen- oder Spezialisierungsunterschiede spielen laut Bericht kaum eine Rolle.
Ressourcenaufbau bei kleinen Firmen beeindruckt
Eine bemerkenswerte Entwicklung zeigt sich bei kleinen und mittleren Unternehmen (bis 500 Mitarbeitende): Sowohl personelle Ressourcen als auch Budgets für nachhaltige Projekte wurden hier deutlich erhöht – das Median-Budget verdoppelte sich sogar von zuvor 60.000 Euro auf jetzt 120.000 Euro pro Jahr.
In größeren Organisationen bleibt die Personalausstattung stabil; allerdings sanken dort teilweise die verfügbaren Mittel (-9 Prozent). Sehr große Konzerne (über 5.000 Mitarbeitende) konnten dagegen ihre Budgets um ein Viertel erhöhen (+25 Prozent).
Belastung sinkt leicht – Sorgen um Jobsicherheit nehmen zu
Ein Lichtblick ist die Entspannung angesichts der Arbeitsbelastung: Der Anteil jener Beschäftigten, die eine stark zunehmende Belastung empfinden, sank gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozentpunkte. Der Wert ist dennoch weiterhin hoch: zwei Drittel berichten von moderatem bis deutlichem Anstieg der Arbeitsbelastung in den letzten drei Jahren.
Trotz stabiler Zufriedenheit (60 Prozent bewerten ihre Arbeitssituation positiv) bleibt die Wechselbereitschaft hoch: Rund 43 Prozent der Befragten planen einen Jobwechsel innerhalb der nächsten zwei Jahre –sechs Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.
Auffällig ist ein Anstieg an Unsicherheiten hinsichtlich des Fortbestehens der eigenen Stelle: Bereits 31 Prozent derjenigen, die mit einem Wechsel liebäugeln, sorgen sich darum (+13 Prozent). Der Ärger über zu hohe Arbeitsbelastung geht dahingegen etwas zurück (-16 Prozent). Emotionale Distanzierung, „weil nichts vorangeht“ bleibt der Hauptgrund für Unzufriedenheit (66 Prozent).
Sinnhaftigkeit zählt weiterhin – aber finanzielle Aspekte gewinnen an Gewicht
Für Beschäftigte mit hoher Zufriedenheit stehen sinnstiftende Aufgaben nach wie vor ganz oben in der Liste der Gründe für ihre Zufriedenheit (84 Prozent), gefolgt von Gestaltungsfreiraum sowie Flexibilität bei Arbeitszeiten und -ort (jeweils 82 Prozent). Gleichzeitig gewinnt finanzielle Anerkennung zunehmend an Bedeutung: 60 Prozent nennen attraktive Gehälter als wichtigen Faktor ihrer Zufriedenheit (+11 Punkte gegenüber Vorjahr).
Demgegenüber nehmen sowohl die wahrgenommene Wertschätzung im Unternehmen (-13 Punkte) als auch die Motivation durch Fortschritte („Es geht viel voran“, -16 Punkte) deutlich ab.
Fazit: Ein Berufsfeld zwischen Aufbruch und Spaltung
Der „Sustainability People Report“ verdeutlicht sowohl Chancen als auch Herausforderungen für das Berufsfeld Nachhaltigkeitsmanagement in einer Zeit politischer wie wirtschaftlicher Umbrüche:
- Die steigenden Gehälter zeigen Anerkennung für diese anspruchsvolle Arbeit.
- Kleinere Firmen entwickeln sich zum Motor nachhaltiger Transformation.
- Gleichzeitig wächst jedoch die Kluft zwischen engagierten Akteuren und jenen Organisationen mit minimalem Einsatz für nachhaltige Ziele.
Mit Blick auf künftige regulatorische Lockerungen wird entscheidend sein, ob es gelingt, langfristig strategische Weichenstellungen vorzunehmen – unabhängig davon, ob gesetzliche Berichtspflichten bestehen oder nicht.
Die Studienergebnisse sind hier als Download erhältlich:
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