Berufsfeld Nachhaltigkeit: Gehälter und Budgets im Sinkflug
Erstmals seit Jahren zeigen die zentralen Indikatoren des Berufsfelds gleichzeitig nach unten. Das mittlere Brutto-Jahresgehalt vollzeitbeschäftigter Nachhaltigkeitsmanager:innen sank 2025 auf 72.000 Euro – ein Rückgang von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders deutlich spüren das Berufseinsteiger:innen mit wenig Nachhaltigkeitserfahrung (–15 Prozent) sowie Beschäftigte in Großunternehmen (–8,1 Prozent). Zum Vergleich: Der deutsche Gesamtarbeitsmarkt verzeichnete im selben Zeitraum ein Lohnwachstum von 2,1 Prozent.
Stellen und Budgets im Nachhaltigkeitsmanagement gehen zurück
Auch die personellen Ressourcen und Budgets schrumpfen spürbar. In großen Unternehmen sank die Zahl der Vollzeitäquivalente im Median von 6,0 auf 4,9. Bei den Budgets sind die Einschnitte teils drastisch: Kleine Unternehmen verzeichnen einen Rückgang von bis zu 42 Prozent, mittelgroße von 33 Prozent – und damit sogar unter das Niveau vor dem sogenannten Omnibus-Verfahren. Große Unternehmen folgen mit minus 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Der Konsolidierungsdruck hinterlässt auch strukturelle Spuren in den Rollenprofilen. 62 Prozent der Befragten bezeichnen sich als Allrounder – gegenüber 59 Prozent im Vorjahr. Spezialisierungen etwa in Projektmanagement, Unternehmenskommunikation oder nachhaltigen Lieferketten nehmen bei Festangestellten erkennbar ab. Besonders ausgeprägt ist das Generalistenprofil in kleineren Unternehmen (73 Prozent), während größere Organisationen weiterhin stärker auf Spezialisierung setzen.
Stimmung bleibt stabil – Zufriedenheit trotz Gegenwind
Trotz der beschriebenen Rückgänge fällt auf, wie wenig die Jobzufriedenheit darunter leidet. Rund 58 Prozent der Befragten bewerten ihre berufliche Situation positiv, nur 19 Prozent geben an, unzufrieden zu sein. Auch der „Sustainability People Pulse“ – ein aggregierter Stimmungsindex der Studie – erreicht mit 60 Punkten seinen bislang höchsten Wert. Die Talsohle, so die Interpretation der Studienautoren, scheint durchschritten.
Tabea Leukhardt, Chief Impact Officer bei Sustainability People, sieht darin ein Zeichen der Reife: „Der Report zeigt: es hat unsere Branche ordentlich durchgeschüttelt. Bei denen, die noch da sind, erleben wir aber gerade eine ‚Jetzt-erst-recht‘-Stimmung. Weil wir wissen, um was es geht, bleiben wir dran und stellen uns allen politischen, ökonomischen und emotionalen Herausforderungen. Man könnte also auch sagen: Unsere Branche ist im Reifungsprozess und professionalisiert sich überall dort, wo es betriebswirtschaftlicher, management- und lösungsorientierter sein muss.“
Wechselbereitschaft sinkt – aber Karrierechancen werden wichtiger
Die Wechselbereitschaft ist insgesamt rückläufig, wenn auch noch immer auf hohem Niveau: Rund 40 Prozent der Befragten planen innerhalb der nächsten zwei Jahre einen Arbeitgeberwechsel, gegenüber 49 Prozent im Vorjahr. Doch die Motive dahinter verschieben sich. Erstmals rangieren 2026 fehlende Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten auf Platz zwei der Wechselgründe – mit einem Zuwachs von 11,7 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Die im Vorjahr noch dominierende Sorge um den eigenen Arbeitsplatz ist deutlich abgeklungen (–9,7 Prozentpunkte).
Unangefochten an der Spitze steht weiterhin die emotionale Distanz zum eigenen Arbeitgeber: 70 Prozent der Wechselwilligen nennen Enttäuschung über ausbleibende Nachhaltigkeitsfortschritte im Unternehmen als Motiv. Die Bindung an das Berufsfeld selbst bleibt dabei stark – 81 Prozent möchten auch nach einem Wechsel im Nachhaltigkeitsbereich tätig bleiben.
Strukturelle Rahmenbedingungen gewinnen an Gewicht
Bei denjenigen, die in ihrem Unternehmen bleiben wollen, verschiebt sich die Motivlage ebenfalls. Sinnstiftende Faktoren wie Wertschätzung oder sichtbare Wirkung verlieren als Bindungsmotiv an Bedeutung. Stattdessen treten strukturelle Aspekte in den Vordergrund: flexible Arbeitsbedingungen, angemessene Arbeitsbelastung und eine geeignete Tool-Ausstattung. Das Berufsfeld nähert sich damit in seinen Bindungsmustern klassischeren beruflichen Kontexten an.
Die Branche reagiert dabei keineswegs passiv: 70 Prozent der Nachhaltigkeitsverantwortlichen, die Unsicherheit wahrnehmen, aber im Unternehmen verbleiben wollen, bauen aktiv Kompetenzen aus. 64 Prozent stärken gezielt den internen Business Case für Nachhaltigkeit.
Grundlage des Reports, der von sustainability people in Zusammenarbeit mit DKB, EY und Haufe durchgeführt wurde, sind Angaben von 740 Teilnehmenden, die im April 2026 befragt wurden. Die Kernauswertung basiert auf 430 vollzeitangestellten Nachhaltigkeitsmanager:innen. 63 Prozent der Teilnehmenden sind Frauen, das Durchschnittsalter liegt bei 37 Jahren.
Die gesamten Studienergebnisse finden Sie hier zum Download:
Sustainability People Report 2026.
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