Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / IV. Individuelle Bewertung (Fahrtenbuchmethode)
 

Rz. 38

Stand: EL 117 – ET: 04/2019

Anstelle einer pauschalen Bewertung kann der geldwerte Vorteil mit dem auf die Privatnutzung (> Rz 28) und die Nutzung zu Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte (> Rz 30ff zur Pauschalmethode) entfallenden Teil der gesamten Aufwendungen für das Kfz angesetzt werden, wenn die durch das Kfz insgesamt entstehenden Aufwendungen durch Belege und das Verhältnis der privaten Fahrten und der Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte zu den übrigen Fahrten durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch (> Rz 40ff) nachgewiesen werden (§ 8 Abs 2 Satz 4 EStG). Eine Besonderheit gilt für Familienheimfahrten (> Rz 53ff). Zur Wahl zwischen pauschaler und individueller Bewertung > Rz 78ff. Zu Belastungsvergleichen, ob sich das Führen eines Fahrtenbuchs im Einzelfall lohnt, vgl Wolf/Lahme, DB 2003, 578.

1. Ermittlung der Gesamtkosten

 

Rz. 39

Stand: EL 117 – ET: 04/2019

Die Gesamtkosten sind für jedes einzelne Kfz zu ermitteln und (lückenlos) zu belegen; eine (Teil-) > Schätzung von Aufwendungen kommt nicht in Betracht, ebenso kann kein betriebsinterner Kostenverrechnungssatz herangezogen werden oder die Feststellung des Aufwands auf eine eidesstattliche Versicherung des Stpfl gestützt werden (vgl FG München vom 29.01.2018 – 7 K 3118/16 mwN). Darüber hinaus ist der Ansatz eines Durchschnittswerts bei mehreren Fahrzeugen nicht zugelassen (> Rz 65/1). Gesamtkosten des dem ArbN überlassenen Kfz sind die AfA (> Rz 39/1) sowie die übrigen festen und variablen Kosten (zB Betriebskosten für Treibstoff, Wartung, Wagenwäsche etc) einschließlich der darauf entfallenden Umsatzsteuer (> R 8.1 Abs 9 Nr 2 Satz 8 bis 10 LStR). Zur Garage > Rz 88.

 

Rz. 39/1

Stand: EL 117 – ET: 04/2019

Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten (einschließlich Umsatzsteuer) des einzelnen Kfz sind lediglich iHd AfA anzusetzen. Die Abschreibungsdauer für einen Pkw setzt der BFH bei der Bewertung der Privatnutzung des ArbN mit 8 Jahren an (BFH 212, 561 = BStBl 2006 II, 368); sie wird idR von der für die unternehmerische Gewinnermittlung maßgebenden betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer abweichen, die nach der AfA-Tabelle 6 Jahre beträgt (vgl BMF vom 15.12.2000, BStBl 2000 I, 1532, Tabellen-Fundstelle 4.2.1). Der typisierende AfA-Satz von 12,5 %/pa ist auch dann zu nutzen, wenn das Fahrzeug tatsächlich einem geringeren Wertverlust unterliegt. Bei einem Leasingfahrzeug sind anstelle einer AfA die gezahlten Leasingraten sowie ggf am Ende der Leasingdauer anfallende weitere Vertragsleistungen anzusetzen. Leasingsonderzahlungen, die für einen Zeitraum von mehr als einem Jahr erbracht werden, sind nur zeitanteilig zu berücksichtigen (BFH 251, 5 = BStBl 2016 II, 174; dazu Hilbert, NWB 2016, 32 [33ff]). Das gilt jedenfalls dann, wenn der ArbG die Kosten des von ihm überlassenen Kfz in seiner Gewinnermittlung entsprechend erfassen muss.

 

Rz. 39/2

Stand: EL 117 – ET: 04/2019

Bei Elektro- und Hybridelektrofahrzeugen gelten Besonderheiten:

Bei Anschaffung vor 2019 oder in 2022 ist die AfA-Bemessungs­grundlage in pauschaler Höhe gem > Rz 26 zu mindern, wenn darin Kosten für ein Batteriesystem enthalten sind (§ 8 Abs 2 Satz 4 iVm § 6 Abs 1 Nr 4 Satz 3 Nr 1 EStG). Minderungs- und Höchstbetrag richten sich nach dem Anschaffungsjahr des Kfz in Kombination mit der Batteriekapazität des Fahrzeugs (in kWh).
Bei Anschaffung zwischen 2019 und 2021 sind die Anschaffungskosten für das Kfz bei der Berechnung der AfA nur zur Hälfte zu berücksichtigen (§ 8 Abs 2 Satz 4 iVm § 6 Abs 1 Nr 4 Satz 3 Nr 2 EStG). Wird ein geleastes oder gemietetes Kfz genutzt, sind die Leasing- oder Mietkosten nur zur Hälfte zu berücksichtigen (ergänzend > Rz 26/2f).
 

Rz. 39/3

Stand: EL 117 – ET: 04/2019

Zur AfA kommen die tatsächlichen, belegten Betriebskosten hinzu. Die > Schätzung einzelner Kostenteile, wie zB der Kraftstoffkosten, ist nicht zugelassen. Nicht zulässig ist ferner der Ansatz der Kosten, die die > Kraftfahrerverbände (statistisch) ermitteln; ebenso nicht der Ansatz von 0,001 %/km des maßgebenden Listenpreises (> Rz 25ff). Außergewöhnliche Aufwendungen gehören nicht zu den Gesamtkosten; für Unfallkosten gelten aber Besonderheiten (> R 8.1 Abs 9 Nr 2 Satz 11ff LStR; > Rz 29/1 zur 1-%-Regelung gelten entsprechend).

 

Rz. 39/4

Stand: EL 117 – ET: 04/2019

Vom Mitarbeiter selbst getragene individuelle Kraftfahrzeugkosten fließen grds nicht in die Gesamtkosten ein (> R 8.1 Abs 9 Nr 2 Satz 8 HS 2 LStR). Zu einer Meistbegünstigungsregelung vgl jedoch > Rz 50/1.

2. Führung des Fahrtenbuchs

 

Rz. 40

Stand: EL 117 – ET: 04/2019

Art und Umfang der Nutzung müssen für eine individuelle Nutzungswertermittlung im Einzelnen anhand eines Fahrtenbuchs nachgewiesen werden.

Ein Einzelnachweis setzt voraus, dass die einzelnen Gruppen von Nutzungsarten voneinander abgegrenzt werden. Zu unterscheiden sind

die im Rahmen des Dienstverhältnisses anfallenden beruflichen Fahrten. Aufzuzeichnen sind Datum und Km-Stand zu Beginn und am Ende jeder Auswärtstätigkeit, Reiseziel – bei Umwegen die Reiseroute, Reisezweck und aufgesuchte Geschäftspartner (> 

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