Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / 10. Wahl zwischen Pauschale und Einzelnachweis
 

Rz. 78

Stand: EL 117 – ET: 04/2019

Der ArbG muss in Abstimmung mit dem ArbN zu Beginn eines jeden Kalenderjahres oder bei Beginn der erstmaligen Überlassung eines betrieblichen Kfz zur Privatnutzung festlegen, ob der Nutzungswert pauschal (> Rz 20ff) oder ausnahmsweise individuell (> Rz 38ff) ermittelt werden soll. Dies ist für Privatfahrten und für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und ggf für Familienheimfahrten einheitlich zu entscheiden (> Rz 8f; BMF vom 04.04.2018, Rz 24, BStBl 2018 I, 592). Das Verfahren darf bei demselben Kfz während des Kalenderjahres nicht gewechselt werden (> R 8.1 Abs 9 Nr 3 LStR). Die Fahrtenbuchmethode ist nur dann zu Grunde zu legen, wenn der ArbN das Fahrtenbuch für den gesamten Veranlagungszeitraum führt, in dem er das Fahrzeug nutzt (BFH 245, 192 = BStBl 2014 II, 643). Wird dem ArbN dagegen im Laufe des Jahres ein anderes Kfz überlassen, kann im Zeitpunkt des Fahrzeugwechsels die Bewertungsmethode erneut gewählt werden. Bei der Nutzung mehrerer Fahrzeuge kann die Methodenwahl auf das einzelne Fahrzeug bezogen ausgeübt werden (BFH 193, 101 = BStBl 2001 II, 332).

 

Rz. 79

Stand: EL 117 – ET: 04/2019

Nach Ablauf des Kalenderjahres kann bei der > Veranlagung von Arbeitnehmern anstelle der zu Beginn des Jahres gewählten, die jeweils andere Bewertungsmethode gewählt werden (> R 8.1 Abs 9 Nr 3 Satz 4 LStR). Wählt der ArbN/Stpfl anstelle der pauschalen die individuelle Bewertung, so setzt dies voraus, dass er ein > Fahrtenbuch geführt hat (> Rz 40ff). Außerdem muss der ArbG die tatsächlichen Aufwendungen ermittelt haben und sie dem ArbN bescheinigen; hierzu kann der ArbG verpflichtet sein (BAG vom 19.04.2005 – 9 AZR 188/04, BFH/NV 2005, Beilage 4, 429 = DB 2005, 1691). Ergibt der Vergleich des bisher pauschal ermittelten und entsprechend versteuerten geldwerten Vorteils mit dem individuell ermittelten geldwerten Vorteil einen Unterschied zu Gunsten des ArbN, mindert der Unterschiedsbetrag den in der > Lohnsteuerbescheinigung des ArbG ausgewiesenen Bruttoarbeitslohn.

 

Rz. 80

Stand: EL 117 – ET: 04/2019

Ermittelt der ArbG den geldwerten Vorteil im Wege des Einzelnachweises von Aufwendungen und Nutzungen, wird der tatsächliche Wert für die Lohnabrechnung noch nicht zur Verfügung stehen. Deshalb werden der monatlichen Lohnabrechnung meist zunächst geschätzte Werte zu Grunde gelegt, so im Jahr der Anschaffung eines Kfz, idR aber 1/12 des für das vorangegangene Kalenderjahr ermittelten Betrags. Nach Ablauf des Kalenderjahres oder bei Beendigung des Dienstverhältnisses ist dann der tatsächliche Wert steuerlich auszuwerten; ein Überschuss führt zu einer Minderung, eine bis dahin nicht versteuerte Differenz ist nach Maßgabe von § 41c EStG oder § 42b EStG (> Lohnsteuer-Jahresausgleich) zu versteuern (> R 8.1 Abs 9 Nr 3 Satz 2, 3 LStR).

 

Rz. 81

Stand: EL 117 – ET: 04/2019

Für den > Arbeitgeber kann es vorteilhaft sein, sich bei Überlassung eines betrieblichen Kfz das schriftliche Einverständnis des ArbN zur pauschalen Bewertung des geldwerten Vorteils aus der Privatnutzung geben zu lassen. Erklärt sich der Betrieb nämlich bereit, die LSt nach Maßgabe der individuellen Benutzung des Kfz, die durch ein > Fahrtenbuch (> Rz 40ff) nachzuweisen ist, zu erheben, treffen ihn die Folgen etwaiger Mängel der Fahrtenbuchführung. Zu einer Überwachungspflicht des ArbG hinsichtlich der Führung der Fahrtenbücher und möglicher Schadenersatzansprüche vgl BFH 261, 313 = BStBl 2018 II, 600.

Außerdem kann der ArbN – wenn er nach Ablauf des Kalenderjahres bei seiner Veranlagung statt der pauschalen Bemessung des geldwerten Vorteils zum Einzelnachweis übergehen will – unter Umständen vom ArbG verlangen, dass die entstandenen Aufwendungen für das ihm zugewiesene Fahrzeug gesondert ermittelt und ihm mitgeteilt werden (BAG vom 19.04.2005, aaO). Bringt der ArbN bei individueller Bewertung die notwendigen Daten nicht bei, kann der ArbG nach der 1-%-Regelung besteuern (LAG Köln vom 27.10.2011 – 7 Sa 560/11, BeckRS 2012, 74 381).

 

Rz. 81/1

Stand: EL 117 – ET: 04/2019

Zum Verfahren, wenn der geldwerte Vorteil auf Grund der Nutzung des Kfz für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte weder pauschal noch individuell, sondern durch Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten ermittelt werden soll (> Rz 31–31/2), vgl BMF vom 04.04.2018, Rz 10, BStBl 2018 I, 592.

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