Aus Klarheit erwächst noch kein Perspektive
Der Personalmanagementkongress soll Leitveranstaltung der HR-Profession sein. Entsprechend groß sind die Themen, an denen sich der Kongress abarbeitet. Bereits in der Eröffnungsrede formulierte Matthias Kempf, Präsident des Bundesverbandes der Personalmanager*innen (BPM) und Chief People Officer beim Baustoffhersteller Knauf, dementsprechend: "Wir arbeiten dort, wo gesellschaftliche Erwartungen unmittelbar spürbar werden - in den Erwartungen der Jüngeren und in den Sorgen der Älteren." In einer Zeit, in der sich Technologien immer schneller verändern und die wachsenden Datenmengen die Komplexität erhöhen, in denen die wirtschaftlichen Herausforderungen größer und Debatten lauter werden, sei Klarheit, in all ihrer Schlichtheit, eine gefragte Ressource, ja gar "ein Wettbewerbsvorteil".
Der Anspruch, den Kempf für die HR-Profession formuliert: Klarheit, Orientierung und Haltung gegen Komplexität und Überforderung in Stellung bringen. Konkret bedeutet diese Klarheit für Kempf, dass HR sich der eigenen Werte vergewissert, selbstbewusst eine gestaltende Rolle in der Transformation übernimmt und – im Sinne einer Klarheit der Sprache – auch Unbequemes ohne Umschweife formuliert.
Klarheit über den Status quo
Mehr Mut für das, worauf es wirklich ankommt, ist eine bestärkende Botschaft, die die HR-Profession in diesen Zeiten dringend brauchen kann. Dennoch hätten dem Kongress an manchen Stellen eine klarere Vision und neue Impulse für den Blick nach vorne gutgetan. Denn allzu schnell ist das Ergebnis von Klarheit nur der nüchterne Blick auf die begrenzten Ressourcen und Zuständigkeiten der Profession, die lediglich dafür genutzt werden, auf Sicht zu fahren. Aus der Einsicht in den Status quo erwächst nun einmal noch keine Zukunftsperspektive.
Diese Beobachtung unterstreichen auch die Ergebnisse der Berufsfeldstudie 2026, die von der Quadriga Hochschule und dem BPM in diesem Jahr zum sechsten Mal durchgeführt und am zweiten Kongresstag im Kuppelsaal vorgestellt wurde. Gerade einmal 41 Prozent der befragten Personalerinnen und Personaler gaben an, maßgeblich am Strategieprozess beteiligt gewesen zu sein - zwei Prozentpunkte weniger als vor drei Jahren im Rahmen der fünften Berufsfeldstudie und sogar sieben Prozentpunkte weniger als bei der Umfrage im Jahr 2017.
Zwischen Personalabbau und Performance Management
Ähnlich ernüchternd sind die Zahlen auch beim Thema Künstliche Intelligenz: Fehlende Ressourcen (60 Prozent), fehlende Kompetenz (58 Prozent) und rechtliche Unsicherheit (52 Prozent) führen dazu, dass HR bei der Nutzung der Technologie den Schritt vom Experimentieren und Pilotieren in die gestaltende Umsetzung zu häufig nicht schafft. "HR hat den Startschuss gehört, aber nicht verstanden, dass sie am Rennen teilnehmen müssen", fasste BPM-Vizepräsidentin Katharina Herrmann die Zahlen bei der Vorstellung der Studie zusammen.
Die schwierige wirtschaftliche Lage bestimmt den Alltag in den Personalabteilungen – für KI-Durchbrüche bleibt da wenig Zeit. Möglicherweise ist darauf auch zurückzuführen, dass der BPM als Veranstalter in diesem Jahr geringere Besuchszahlen verzeichnete als in den Vorjahren. Auch die bestimmenden Themen des PMK machten deutlich, wie sich die Lage inzwischen verändert hat: Neben KI prägten Leistungsdebatte, Performance Management und Transformationsdruck das Programm.
Stimme von HR in der Politik
Für BPM-Präsident Kempf war es der zweite PMK an der Spitze des Berufsverbands, 2025 haben die Mitglieder ihn ins Amt gewählt. Als Erfolg seiner bisherigen Amtszeit wertet er, dass der BPM die Themen aus der Personalpraxis verstärkt in die Politik trägt. Diese Arbeit möchte Kempf auch im zweiten Jahr seiner Amtszeit fortführen.
Dann werden die Mitglieder voraussichtlich einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für ihn wählen müssen: Im Laufe des kommenden Jahres scheidet Kempf bei Knauf aus und kommt – als dann nicht mehr aktiver Personalmanager – laut BPM-Statuten nicht mehr für das Amt infrage.
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