Marktgespräch HR Tech

Deel: "Wir suchen weitere Talente"


Max Lux

Die Payroll-Plattform Deel wird mit 17,3 Milliarden US-Dollar bewertet und will mit Zukäufen weiter wachsen. Deutschland ist dabei ein Kernmarkt, sagt Country Lead DACH Max Lux im Marktgespräch HR Tech. Seine fünf wichtigsten Aussagen zum HR-Softwareanbieter Deel.

Die HR- und Payroll-Plattform Deel sieht Deutschland als Wachstumsmarkt und will das Geschäft ausbauen. "Wir suchen weitere Talente", sagt Max Lux, Country Lead DACH exklusiv im HR Tech-Marktgespräch. Deel wachse auf Kundenseite und wolle gleichzeitig seine strategischen Ziele umsetzen: "So entsteht ein Bedarf nach weiteren Kolleginnen und Kollegen." In Deutschland soll unter anderem die Markenbekanntheit von Deel vorangetrieben werden. "Die entsprechenden Ressourcen sind vorhanden", betont Lux.

Payroll-Plattform Deel knackt Umsatzschwelle

Der US-Konzern Deel wurde zuletzt mit 17,3 Mrd. US-Dollar bewertet und ist seit drei Jahren profitabel. Im Jahr 2025 überschritt das Unternehmen mit Sitz in San Francisco erstmals die Umsatzschwelle von 1 Milliarde US-Dollar. Derzeit wird über einen Börsengang spekuliert. Das Unternehmen hat hierzu allerdings bislang keine Pläne bestätigt.

Das Unternehmen Deel

Der im Jahr 2019 gegründete US-Anbieter Deel ist in 150 Ländern präsent und unterstützt Unternehmen unter anderem dabei, ohne eigene Filiale im Zielland internationale Mitarbeitende einzustellen und dabei die Einhaltung der lokalen Arbeitsgesetze sicherzustellen. "Die globale Expansion ist eine tolle Chance für unsere Kunden. Aber es ist auch eine große Herausforderung, und da wollen wir Partner sein", sagt Lux. Zudem automatisiert Deel die Lohn- und Gehaltsabrechnung für Unternehmen, die in mehreren Ländern tätig sind. "Aufgrund der globalen Aufstellung können wir 24/7-Support anbieten". 

So könnten die Kunden beim Onboarding-Prozess in unterschiedlichen Ländern unterstützt werden, indem vor Ort IT-Systeme aufgesetzt und den neuen Mitarbeitenden die technische Infrastruktur samt Endgerät und Software zur Verfügung gestellt und eingerichtet werde. "Irgendwann will dieser Kollege dann eine Gehaltsabrechnung oder einen Urlaubsantrag. Das übernehmen wir ebenfalls", erläutert Lux. 

Das Geschäft im DACH-Raum

Deel ist seit 2020 in Deutschland vertreten. Die Bundesrepublik ist hinter den USA, Großbritannien und Kanada ein wichtiger Wachstumsmarkt in Europa mit rund einhundert deutschsprachigen Mitarbeitenden in Berlin, München oder Düsseldorf. Zu den Säulen der Geschäftstätigkeit zählen IT- und Softwaremanagement, die Entgeltabrechnung sowie HR-Services. 

Deel hat in der DACH-Region mehr als 1.000 Kunden. Dazu zählen kleine und mittelständische Firmen ebenso wie große Konzerne wie Klarna oder Gapgemini. Deutschsprachige Kunden werden von insgesamt 300 deutschsprachigen Mitarbeitenden weltweit aus unterschiedlichen Zeitzonen heraus betreut. 

Strategische Ziele der HR-Plattform Deel

Bei seiner globalen Wachstumsstrategie setzt Deel auf Übernahmen, und der deutsche Markt macht keine Ausnahme. "Es gibt eine tolle Gründerszene in Deutschland, und das haben wir erkannt", sagt Lux. Jüngst hat Deel das Kölner Startup Sastrify für Softwarelösungen übernommen und eingegliedert. Zuvor kaufte Deel das Münchner Startup Zavvy sowie die Berliner Firma Zeitgold. 

Bei der Suche nach geeigneten Überkandidaten sei entscheidend, dass diese zur Wachstumsstrategie von Deel passen, sagt Lux: "Wir wollen als eine globale Plattform alle HR-Lösungen abdecken von der Payroll bis zum IT- oder dem Softwaremanagement. Kurz gesagt, wir wollen global ein One-Stop-Shop für HR sein. Das ist die große Ambition, und da wollen wir hin."

Neuheiten im Deel-Produktportfolio

Im laufenden Jahr hat Deel bislang mehrere neue Produkte und operative Prioritäten umgesetzt. Seit kurzem ist die Gehaltsabrechnung in der Eurozone und in den USA in der Kryptowährung Stablecoins möglich. Gleichzeitig gründet Deel eine eigene Krypto-Abteilung. Dahinter steckt die Überlegung, dass Unternehmen flexiblere Zahlungsinfrastrukturen suchen und Mitarbeitende zunehmend Alternativen zum klassischen Banking erwarten, sagt Lux: "Wenn wir den Markt weltweit für jedes Unternehmen öffnen wollen, dann müssen wir jeden Aspekt verstehen, wie Mitarbeitende bezahlt werden wollen." 

Bislang mussten Unternehmen zwei getrennte Systeme für Gehaltszahlungen nutzen. Deel hat deshalb eine Infrastruktur entwickelt, über die Unternehmen ihre Zahlungen auf derselben Plattform abwickeln können. Zudem will Deel mit KI-Agenten die Aufgaben in Recruiting, HR, Payroll, IT und Compliance auf Basis natürlicher Sprachbefehle automatisieren. 

Die Unternehmenskultur von Deel

Der Arbeitsalltag in einem remote arbeitenden, weltweit aufgestellten Konzern halte besondere Herausforderungen bereit, sagt Lux, der sich für das Marktgespräch während seines USA-Urlaubs in New York Zeit nahm. "Früher lautete mein Grundsatz: Schreibe nie jemandem, den du auch anrufen kannst. Rufe nie jemanden an, den du auch treffen kannst." Das sei mittlerweile wegen der Größe der Organisation nicht mehr umsetzbar. 

Er führe sehr viele Online-Gespräche und benutze Instant-Chat-Funktionen, sagt Lux. Geschwindigkeit in der Kommunikation nach innen und außen habe Priorität: "Wir nennen das Deel-Speed. Das meint, sehr schnell bei der Beantwortung offener Fragen zu sein. Wir wollen nicht in einen Informationsstau geraten, sodass dadurch Prozesse nicht weitergehen können." Die internen Richtlinien sähen gemessen an Wichtigkeit, Dringlichkeit und Komplexität einen Beantwortungszeitraum zwischen 1h und 24h vor. Ihm selbst gelinge es nicht immer, bis zum Feierabend alle Anfragen zu beantworten und den Laptop auszuschalten, sagt Lux: "Das wäre der größte Wunsch meiner Frau." 

 

Zur Serie: Im "Marktgespräch HR Tech" spricht die Haufe Online Redaktion in regelmäßigen Abständen mit Geschäftsführern und Geschäftsführerinnen etablierter Softwarehäuser sowie aufstrebender Startups und beleuchtet dabei die Entwicklungen und Trends im Markt für HR-Software.

 

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