Gehalt

Unternehmen zahlen aus Angst vor Compliance-Verstößen zu viel Lohn

Viele Firmen zahlen ihren Mitarbeitenden aus der Sorge vor rechtlichen Fallstricken einen "Angst-Zuschlag" und sehen diese Überbezahlungen als notwendiges Übel zur Risikominimierung. Die Folge ist laut einer Studie ein unkalkulierbares Kostenrisiko bei der Gehalts- und Lohnabrechnung. 

Mann in Anzug arbeitet mobil

Die Sorge davor, wichtige Compliance-Regeln nicht einzuhalten und dafür juristisch belangt zu werden, sitzt in vielen Unternehmen tief. Sie ist mitunter so groß, dass die Firmen ihren Mitarbeitenden lieber mehr Geld zahlen, als sich dem Risiko von langwierigen rechtlichen Streitigkeiten auszusetzen. Das ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Studie des Payroll-Anbieters ADP. 

Mehr als zwei Drittel der Firmen zahlen zu hohes Gehalt 

Die "vorsorgliche Überbezahlung" habe mit Großzügigkeit nichts zu tun, heißt es dort. Sie sei vielmehr der Versuch, potenziell noch teurere Strafzahlungen und Reputationsschäden zu vermeiden. ADP hatte 1816 hochrangige Entscheidungsträger in der Lohn- und Gehaltsabrechnung großer Unternehmen in 20 Ländern befragt und konstatiert eine "toxische Mischung" aus mangelnder Systemintegration, fragmentierter Berichterstattung und dem hohen Compliance-Druck, der auf vielen Unternehmen laste. Aufgrund der unübersichtlichen und komplexen Regelungslandschaft könnten demnach sieben von zehn Befragten kaum beurteilen, ob und an welcher Stelle sie gegen geltende Vorschriften verstoßen. 

Ein Drittel der befragten Führungskräfte nannte zudem die Implementierung neuer gesetzlicher Regelungen als einen der Hauptgründe für fehlerhafte Abrechnungen und damit zu hohe Lohnzahlungen. Laut der ADP-Umfrage zahlen 69 Prozent der befragten Unternehmen ihren Mitarbeitenden vor diesem Hintergrund lieber zu viel Geld, als ein Risiko für Compliance-Verstöße einzugehen. Diese Firmen verzichten also bewusst darauf, die Gesetze zu ihren Gunsten anzuwenden und auf diese Weise Kosten zu sparen. Strafzahlungen können beispielsweise fällig werden, wenn Berechnungen etwa für Steuern, Überstunden oder Zusatzleistungen fehlerhaft sind. Die Sorge ist auch nicht unbegründet: So zahlen 68 Prozent der befragten Unternehmen schon jetzt ein- bis zweimal pro Jahr Strafen wegen Nichteinhaltung von Vorschriften. 

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Zu hohes Gehalt auch in vielen Betrieben in Deutschland

Diese Entwicklung zeigt sich auch in Deutschland. Besonders betroffen sind dabei laut Branchenbeobachtern kleine und mittelständische Firmen ohne eigene Compliance-Abteilung. Ihnen bleibt oft nichts anderes übrig, als den "Angst-Zuschlag" zu zahlen in der Hoffnung, auf diese Weise möglichst wenig anzuecken. Besonders groß scheint dabei die Sorge zu sein, gegen den Datenschutz oder das Urheberrecht zu verstoßen. Ausgeprägt ist auch die Sorge vor Haftung allgemein. Dabei lässt sich feststellen, dass die Verunsicherung zunimmt, je komplexer die Rechtslage ist. 

Mittelstand sucht Outsourcing- und IT-Lösungen

Viele Betriebe setzen daher auf Outsourcing oder investieren in ihre IT. Auf IT-Lösungen als Schutz vor Compliance-Verstößen können viele mittelständischen Betriebe in Deutschland allerdings noch nicht ausreichend zurückgreifen. IT-Anwendungen werden bei standardisierten HR-Prozessen etwa bei der Entgeltabrechnung eingesetzt und erleichtern eine rechtskonforme Anwendung. Doch in der Praxis herrscht hier oftmals Nachholbedarf. Denn nicht selten kommen in einem Betrieb beispielsweise parallel verschiedene IT-Anwendungen zum Einsatz mit der Folge, dass an den Schnittstellen neue Fehlbuchungen entstehen. 

Payroll-Anbieter ADP warnt vor einem unkalkulierbares Kostenrisiko: Die Lohnabrechnung werde damit zu einem Bereich, in dem Firmen zunehmend die Kontrolle über ihre tatsächlichen Arbeitskosten verlieren. Die Lösung für dieses Dilemma liege nicht in punktuellen Verbesserungen, sondern in einer fundamentalen strategischen Transformation, heißt es: "Unternehmen erkennen zunehmend, dass Payroll von einer reinen Backoffice-Funktion zu einer zentralen Antriebskraft für mehr Wertschöpfung werden muss." 

 

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Schlagworte zum Thema:  Gehalt , Entgelt , Lohn
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