29.05.2012 | Top-Thema Betriebsprüfung – die häufigsten Fallen

Defizite in der Beitragsberechnung

Kapitel
Beitragsberechnung ist ganz leicht - wenn die Regeln bekannt sind
Bild: Haufe Online Redaktion

Ist das steuer- bzw. beitragspflichtige Arbeitsentgelt als Ausgangswert bekannt, müssen nur noch die Beiträge korrekt berechnet werden. Aber auch das ist nicht immer einfach.

Umlagefalle bei Minijobs

Das Arbeitsentgelt der Minijobber ist umlagepflichtig. Die Beiträge sind an die Minijob-Zentrale zu zahlen. Die U 1 zum Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen bei Krankheit beträgt 2012 bei der Minijob-Zentrale 0,7 % des Bruttoarbeitsentgelts. Zur U 2 für den Aufwandsausgleich der bei Schwangerschaft und Mutterschaft sind 0,14 % des Entgelts fällig.

Der gesetzliche Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall entsteht allerdings erst nach 4-wöchiger ununterbrochener Dauer des Arbeitsverhältnisses. Daher entfällt die Umlagepflicht zur U 1, wenn das Beschäftigungsverhältnis auf höchstens 4 Wochen befristet ist. Viele Arbeitgeber berechnen in diesen Fällen dann gar keine Umlagebeträge, was jedoch falsch ist und bei einer Betriebsprüfung zu Nachberechnungen führt. Denn das Arbeitsentgelt ist auch bei einer Beschäftigungsdauer von bis zu 4 Wochen und damit uneingeschränkt umlagepflichtig zur U 2. Beide Umlagen sind ferner zu berechnen, wenn ein Beschäftigungsverhältnis von vornherein auf länger als 4 Wochen angelegt ist, aber unvorhergesehen vor Ablauf von 4 Wochen wieder endet.

Immer wieder schwierig: Einmalzahlungen und Märzklausel

Einmalige Zuwendungen an Arbeitnehmer sind beitragsrechtlich in dem Monat zu berücksichtigen, in dem sie ausgezahlt werden. Das gilt allerdings nicht für Einmalzahlungen, die Arbeitnehmer in der Zeit vom 1.1. bis 31.3. eines Jahres erhalten. Ist das einmalige Entgelt aufgrund der Vergleichsberechnung mit der anteiligen Jahres- Beitragsbemessungsgrenze (BBG) der Krankenversicherung nicht in voller Höhe beitragspflichtig, erfolgt eine Zuordnung in das Vorjahr - allerdings muss das versicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnis bereits im Vorjahr bestanden haben. Als Entgeltabrechnungszeitraum kommt in diesen Fällen in der Regel der Dezember in Betracht. Es spielt dabei keine Rolle, ob im so ermittelten Zuordnungsmonat laufendes Arbeitsentgelt erzielt wurde oder nicht.

Wird aufgrund der Märzklausel und der für die Kranken- und Pflegeversicherung geltenden niedrigeren Beitragsbemessungsgrenze die Entgeltzahlung dem Vorjahr zugeordnet, gilt die zeitliche Zuordnung zum Vorjahr automatisch auch für die Renten- und Arbeitslosenversicherung. Für alle Versicherungszweige gilt: Die Einmalzahlung ist so zu behandeln, als wäre sie tatsächlich bereits im Vorjahr gezahlt worden. Das bedeutet, dass bei den Vergleichsberechnungen mit den anteiligen Jahres-BBG und bei der Beitragshöhe die Rechengrößen des Vorjahres gelten. Hier müssen besonders die jährlich angepassten BBGen sowie zwischenzeitlich geänderte Beitragssätze beachtet werden.

Die Gleitzonenfalle

Bei Beschäftigungen mit einem regelmäßigen monatlichen Arbeitsentgelt zwischen 400,01 EUR und 800 EUR (Gleitzone) haben Arbeitnehmer lediglich einen reduzierten Beitragsanteil zu zahlen. Der Arbeitgeberbeitrag bleibt dagegen unverändert. Zu diesem Zweck wird bei der Beitragsberechnung von einem fiktiv ermittelten Arbeitsentgelt ausgegangen.

Aber Achtung: Die Gleitzonenregelung darf ausdrücklich nicht auf alle Beschäftigungsverhältnisse angewandt werden. Sie gilt insbesondere nicht für Auszubildende. Ein solcher Fehler führt häufig zu Nachberechnungen bei Betriebsprüfungen! Auch bei vorgeschriebenen Praktika darf die Gleitzonenregelung nicht angewendet werden. Sie gilt ebenfalls nicht für Umschüler sowie Teilnehmer am freiwilligen sozialen oder freiwilligen ökologischen Jahr sowie am Bundesfreiwilligendienst.

Schlagworte zum Thema:  Beitragsberechnung, Beitragsbemessungsgrenze, Einmalzahlung, Gleitzone, Umlageverfahren, Märzklausel, Betriebsprüfung

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