29.05.2012 | Top-Thema Betriebsprüfung – die häufigsten Fallen

Fehler beim Arbeitsentgelt

Kapitel
Welche Zahlungen des Arbeitgebers zählen zum Arbeitsentgelt?
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Was zählt zum Arbeitsentgelt? Welche Zahlungen des Arbeitgebers sind steuer- und sozialversicherungsfrei?

Unfallversicherung spezial

Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeitszuschäge (SFN-Zuschläge) sind steuer- und sozialversicherungspflichtig, wenn das Arbeitsentgelt, auf dessen Basis sie berechnet werden (Grundlohn), mehr als 25 EUR je Stunde beträgt. Der steuerrechtliche Grundlohn ist das laufende Arbeitsentgelt, das dem Arbeitnehmer für seine regelmäßige Arbeitszeit im jeweiligen Entgeltabrechnungszeitraum zusteht. Wird der Grundlohn von 25 EUR überschritten, sind die SFN-Zuschläge beitragspflichtig, soweit sie auf den überschreitenden Teil des Grundlohns entfallen.

Übersehen wird dabei häufig, dass SFN-Zuschläge zur gesetzlichen Unfallversicherung in vollem Umfang beitragspflichtig sind. Die Höhe des Grundlohns ist für diesen Versicherungszweig unerheblich. Die Beitragspflicht zur Unfallversicherung besteht auch, wenn die Zuschläge lohnsteuerfrei sind.

Fallen beim Freibetrag für Warengutscheine

Den Arbeitnehmern überlassene Sachgutscheine zum kostenlosen oder verbilligten Einkauf bei einem Dritten können als Sachbezug steuer- und beitragsfrei sein. Dies gilt aber nur dann, wenn der Wert des Gutscheins nicht den Betrag von 44 EUR pro Kalendermonat übersteigt und es sich tatsächlich um einen Sachbezug handelt (kleiner Rabattfreibetrag). Entscheidend ist der arbeitsrechtliche Anspruch des Arbeitnehmers. Ist der Zufluss  arbeitsvertraglich geregelt und erfolgt ausschließlich in Form eines Warengutscheins zum Einkauf bei einem Dritten, liegt ein Sachbezug vor. Gilt die Zuwendung dagegen als Barlohn, ist sie immer lohnsteuer- und beitragspflichtig. Häufig wird die 44-EUR-Grenze fehlerhaft als Freibetrag gewertet und bei Überschreiten nur der Differenzbetrag mit den gesetzlichen Abgaben belegt. Dies ist jedoch falsch! Denn übersteigt der Wert des Gutscheins die Grenze, ist der volle Betrag abgabenpflichtig zur Steuer und zur Sozialversicherung.

Lohnsteuerhaftungsbescheid auf Beitragsforderungen checken

Die Betriebsprüfer müssen sich den jeweils letzten Lohnsteuerhaftungsbescheid des Finanzamtes ansehen. Da die Beitragspflicht zur Sozialversicherung in der Regel den steuerlichen Vorgaben folgt, sind etwaige nachgeforderte Steuern ein deutlicher Hinweis auf  beitragsrechtliche Potentiale. Die Prüfer müssen den Arbeitgebern unterstellen, diesen Zusammenhang zu kennen.

Vorsätzliches Vorenthalten von SV-Beiträgen?

Und folglich berechnen sie grundsätzlich von der Zustellung des Lohnsteuerhaftungsbescheides an Säumniszuschläge auf nachzuberechnende Gesamtsozialversicherungsbeiträge. Damit nicht genug: Die Beiträge gelten als vorsätzlich vorenthalten und verjähren deshalb erst nach 30 Jahren.

Diese Folgen sind vollständig vermeidbar, wenn in der Entgeltabrechnung jeder Lohnsteuerhaftungsbescheid direkt nach Eingang unter die Lupe genommen und auf etwaige beitragsrechtliche Konsequenzen abgeklopft wird. Bei Unsicherheiten in der beitragsrechtlichen Auswirkung stehen die Einzugsstellen unterstützend zur Seite. Zwar sind dann schon zu einem früheren Zeitpunkt Beiträge nachzuzahlen als bei einer späteren Betriebsprüfung. Doch dürfte sich das gegenüber 1% Säumniszuschlag pro Monat in jedem Fall rechnen!

Schlagworte zum Thema:  Arbeitsentgelt, Vorsatz, Bedingter Vorsatz, Zuschlag, Betriebsprüfung

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