Im ERP, ums ERP und ums ERP-System herum
Neue Technologien tauchen auf und verschieben die Gewichtungen innerhalb der Softwarebranche. Startups im Bereich der PropTechs schießen wie Pilze aus den Boden. Mehr als 1.000 gibt es bereits allein im deutschsprachigen Raum. Und wenn es auch bloß zehn davon bis zur Marktreife schaffen, so haben sie doch merklichen Einfluß auf die Firmenstrategien der etablierten Anbieter.
Denn diese reagieren auf die neuen Ansätze im althergebrachten Softwaregeschäft. So scheint sich die angestammte Rolle des ERP-Systems als Gatekeeper für alles, was softwareseits im Immobilienunternehmen geschieht, nun doch zu ändern. Beim ERP-Talk der Haufe Group auf Real Estate Arena in Hannover sagte dann auch Oliver Luttmann, CEO der Aareon Deutschland, dass ihm die Bezeichnung Gatekeeper nicht gefalle. Er sehe das ERP-System eher als Enabler – quasi als Ermöglicher – für die vielfältigen Aufgaben in einem Wirtschaftsunternehmen.
Künstliche Intelligenz: Gamechanger für ERP-Systeme
Und doch gilt für den Status Quo, was Stephanie Kreuzpaintner, CEO der Domus AG, im Talk unterstrich: "ERP ist weiterhin ganz klar das führende System innerhalb eines Unternehmens. Doch die Künstliche Intelligenz wird dieses System stark verändern. Dafür allerdings brauchen wir Daten über die Unternehmen und ihre Geschäftsprozesse in ganz neuem Umfang und in besserer Qualität."
Auch Dr. Christian Westphal, CEO von Crem Solutions, sieht die Notwendigkeit, ganz "verstärkt Daten zu sammeln und diese ins IT-System auswertbar anzubinden." Die größte Herausforderung liege derzeit in der Priorisierung der damit verbundenen Integrationsaufgaben. Björn Jüngerkes, CEO der Dr. Klein Wowi Digital AG, sieht ERP als Kern-IT im Unternehmen. "Um ERP herum positionieren sich die anderen Softwareprodukte."
Für die Branche steckt laut Jüngerkes die KI allerdings noch in den Kinderschuhen. Bei den Unternehmen gehe es derzeit noch zuerst um die Automatisierung der bestehenden Prozesse. Und es würde daran gearbeitet, die bestehenden Systeme noch intuitiver bedienbar zu machen, um auch die Akzeptanz und Einsetzbarkeit von Software für die Mitarbeitenden von Wohnungsunternehmen zu erhöhen. Denn das wäre angesichts des allgegenwärtigen Fachkräftemangels unabdingbar. "Die Wohnungsunternehmen arbeiten am Mindset ihrer Mitarbeitenden. Und wir stellen ihnen automatisierte und intuitiv bedienbare Systeme zu Verfügung", so Jüngerkes weiter.
"KI ist erst richtig sexy, wenn sie ins System integriert werden kann"
Domus-Chefin Kreuzpaintner sieht ihr Unternehmen bereits sehr weit in der Automatisierung immer schlankerer Prozesse und auch der zunehmenden Konnektivität der Systeme. Sie bescheinigte der Künstlichen Intelligenz – im Gegensatz zu Jüngerkes –, längst aus den Kinderschuhen heraus zu sein. Sie prophezeit zwei Entwicklungen: zum einen "die um KI ergänzten Altsysteme", diese stünden dann zum anderen neben einer ganz neuen Generation von KI-Agent-basierten Produkten. Und insbesondere für letztere seien derzeit sehr hohe Investitionsanstrengungen nötig.
Westphal arbeitet laut eigener Bekundung auf dem ERP-Panel an seinen Systemen "erstmal unter der Oberfläche an den neuen Technologien, um diese seinen Kunden zum Ausprobieren zur Verfügung zu stellen, damit sie sich selbst ein Bild von den Neuentwicklungen machen können."
Was die zunehmende Rolle von KI in der Wohnungswirtschaft betrifft, so erklärte sich Luttmann bereits in der Lage, Mietspiegel komplett ins ERP-System einzulesen und Mieterhöhungspotenziale für einzelne Mieteinheiten darzustellen. Auch der Postdurchlauf sei vollständig KI-gestützt automatisiert darstellbar. Und durch die Private-Equity-Strukturen bei Aareon seien nun neue Zugänge zu Hyperscalern wie Amazon gegeben.
"KI ist erst richtig sexy, wenn sie über Konnektivität ins System integriert werden kann", hob Kreuzpaintner hervor. Und noch interessanter werde es, wenn dann "KI-Agents miteinander kommunizieren und ein ganz andere Art der Abarbeitung vornehmen können". Letztere könnten allerdings nicht mehr in den Altsystemen abgebildet werden, von daher werde es eine neue Generation von Produkten geben.
IT-Ökosystem meint nicht bloß mein eigenes
Jüngerkes störte sich am KI-Hype in der aktuellen Diskussion. "KI basiert auf Wahrscheinlichkeiten – und solange das so ist, darf es etwa bei Buchungen nicht passieren, dass zwei Prozent eventuell falsch laufen können“, so der CEO von Dr. Klein Wowi Digital. "Wir experimentieren auch mit KI – vor allem aber wollen wir, dass für unsere Kunden alles automatisiert, einfacher und dabei verlässslich ist."
"KI ist die Zukunft, birgt allerdings auch Risiken, siehe das Thema Wahrscheinlichkeiten. Deswegen sind wir auch noch vorsichtig in deren Einsatz", gab sich Westphal ebenfalls etwas zurückhaltend. "Es wird eher übermorgen als morgen." Luttmann hingegen sieht übermorgen als zu spät an. Ein Kunde habe bereits im vergangenen Jahr 65.000 Anrufe KI-gestützt verarbeitet. "Wir sind schon mittendrin, statt nur dabei. KI-Agent-basiert wollen wir – auch um dem Fachkräftemangel zu begegnen – in einem Jahr dem Markt 20 solcher typischen Anwendungsfälle anbieten können."
Letztlich – so eine Schlussfolgerung aus dem anregenden und gut besuchten Haufe-Live-Panel bei der Real Estate Arena – geht es derzeit in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft definitiv noch nicht ohne ein zentrales ERP-System. Doch seine Rolle als Gatekeeper löst sich, so mehren sich die Anzeichen, allmählich auf.
Wie disruptiv die PropTechs mit neuen prozessualen Teillösungen auf die Etablierten einwirken werden, ist noch nicht final ausgemacht. Doch wenn erst einmal die Prozesse neu gedacht und eingeführt werden, wird sich das ERP-System weiter öffnen müssen. Durch KI zu Konnektoren aufgewertete Schnittstellen werden die ERP-Systeme auch in puncto Updates flexibler machen.
Und richtig spannend wird es, wenn jeder Anbieter, der heute vom IT-Ökosystem spricht, dabei nicht nur sein eigenes meint. Denn was innerhalb eines ERP-Systems funktioniert, kann – zumindest als technische Möglichkeit – auch das eigene IT-Ökosystem mit dem großen Ganzen verbinden.
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