Was bleibt vom Deutschen Immobilienpreis?
Christian Lindner kam nicht. Das war schade, und seine Absage eine Stunde vor Beginn der Gala nicht gerade professionell. Aber die FDP hat im Moment andere Prioritäten. Und wer einen Spitzenpolitiker einlädt, muss immer damit rechnen, dass etwas dazwischenkommt.
Schnodderige Moderation trifft konventionelle Gala
500 Teilnehmer waren gekommen und unterwarfen sich einem Dresscode, der aber nicht penibel kontrolliert wurde. Das zeigte sich an der nicht unbeträchtlichen Anzahl an Nicht-Krawattenträgern.
Diesem konservativen Rahmen stand die äußerst schnodderige Moderation der viel geliebten Ikone Laura Wontorra gegenüber, die so richtig gut aufgelegt war und sich mit Erfolg darum bemühte, den Faktor Lebendigkeit hochzuhalten. Dies geschah jedoch an manchen Stellen auf Kosten einiger Zuhörer, die schon ein Glas Bier in der Hand hatten, und sich, durch die Moderation in den Senkel gestellt, fast schon als Säufer fühlen konnten.
Brancheneigene Superstars
Die weiblich dominierte Jury kürte ihre eigenen – branchenzugehörigen –"Superstars". Interessante Gewinner mit interessanten Projekten gab es in diversen Kategorien:
Neben dem "Makler des Jahres" gab es den "Verwalter des Jahres". Die Laudatio hielt VDIV-Geschäftsführer Martin Kaßler. Und das nur zwei Monate nach der Verleihung des "Verwalter des Jahres" auf dem deutschen Verwaltertag. Ich finde, das ist einer zu viel. Hier hätte der Kategorie eine andere Bezeichnung gut zu Gesicht gestanden.
Aber es gab auch Innovatives: Etwa die Kategorie "Newcomer des Jahres", in der ein aufstrebendes Unternehmen honoriert wird, das mit seinem Engagement in kürzester Zeit einen bleibenden Eindruck in der Branche hinterlassen hat. Das gleiche gilt für die Kategorie "Branchenpionier", die Unternehmen der Immobilienwirtschaft mit neuen Konzepten und Produkten honorieren will.
Besonders beeindruckt hat mich die Kategorie "Local Hero", die die Verbundenheit eines kleineren Unternehmens in seiner Region honoriert. Hier können sich Unternehmen bewerben, die lokale Aktivitäten unterstützen, etwa einen Fußball- oder Turnverein. Oder die sich durch soziales Engagement hervortun. Diese Rubrik zeigt, dass Immobilienunternehmen Teile der Gesellschaft sind, auch wenn das manchmal in Abrede gestellt wird.
Die Kategorie "Haus der Herzen" dagegen, in der per Online-Voting das beliebteste Einfamilienhaus honoriert wurde, erschloss sich mir nicht. Diese Kategorie sollte auf den Prüfstand.
Ist der Rahmen noch zeitgemäß?
Ein Ball ist der Versuch, der als konservativ bekannten Branche den Rahmen zu geben, von dem man glaubt, dass er zu ihr passt. Aber die Immobilienwelt ist gerade in einer großen Transformation: Sie wird jünger, und das sollten auch die Veranstalter stärker berücksichtigen. Es kommt dem Event nicht zugute, wenn Teilnehmende im Foyer intensiv darüber diskutieren, wie schwierig es für sie war, sich einen Smoking auszuleihen.
Innovative Inhalte treffen auf einen konventionellen Rahmen. Ob das zusammenpasst, darüber sollten die Entscheider noch einmal nachdenken.
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