Geothermie: Die Kraft, die aus der Erde kommt
Bereits 2022 haben sechs Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft gemeinsam eine Roadmap für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vorgelegt. Darin zeigen sie auf, wie es gelingen kann, einen großen Teil des Wärmebedarfs in Deutschland langfristig über geothermische Systeme abzudecken.
Neue gesetzliche Regelungen sollen nun den Ausbau der Geothermie weiter forcieren. Deutschlandweit werden immer mehr Projekte für die Nutzung der Tiefengeothermie und damit den Betrieb von großflächigen Wärmenetzen geplant, geprüft und auf den Weg gebracht.
Aktuell sind nach Angaben des Bundesverbandes Geothermie bundesweit neben sieben Forschungsanlagen bereits 41 Anlagen für die Lieferung von Strom und Wärme in Betrieb, zwölf werden derzeit gebaut und weitere 148 sind in Planung (Stand: Juni 2024). Bei der oberflächennahen Geothermie stammen die aktuellen Zahlen aus dem Jahr 2022. Danach wurden vor zwei Jahren über 470.000 Ein- oder Mehrfamilienhäuser, öffentliche Einrichtungen, Krankenhäuser, Schulen oder Gewerbebetriebe mit der Energie aus dem Boden versorgt. Jährlich kommen nach Schätzungen des Branchenverbandes etwa 31.000 Anlagen dieser Art hinzu.
Erdwärme: Hoher Nutzen, überschaubare Risiken
Die Argumente für die Nutzung der Erdwärme sind überzeugend: Sie ist klimafreundlich, kostenstabil und ganzjährig rund um die Uhr fast überall verfügbar – sei es durch die oberflächennahe Nutzung auf dem eigenen Grundstück und für die eigene Immobilie oder durch Tiefengeothermie für den Betrieb großer Wärmenetze. Zudem ist die Erdwärme sauber und lautlos und von der Menge her unerschöpflich. Sie kann für die Wärmeerzeugung mittels Wärmepumpe und die Kältegewinnung über freie Kühlung genutzt werden oder – das ist die zweite Option – im großen Stil zur Gewinnung von Strom eingesetzt werden. Keineswegs vollkommen auszublenden sind jedoch die Nachteile dieser Art der Energiegewinnung (Verfahren und Techniken, siehe Seite 87).
Kritiker bemängeln, dass ökologische Nebenwirkungen nicht vollständig auszuschließen sind, denn obwohl geothermische Energie in der Regel keine Treibhausgase freisetzt, können diese Gase bei der Nutzung der Erdwärme in die Atmosphäre freigesetzt werden. Diese Emissionen sind – so die Fachleute – jedoch immer noch weitaus geringer als die der fossilen Brennstoffe. Weitere negative Aspekte sind – bezogen auf die Tiefengeothermie – mögliche Risiken durch Verschiebungen in der Erdstruktur bei Großanlagen und im Verhältnis hohe Kosten für Bohrungen (Erkundungs-, Erschließungs-, Ausgleichs- und Infrastrukturmaßnahmen sowie Studien zur Machbarkeit), ohne zu wissen, ob aus dem Bohrloch die langfristige Energiegewinnung möglich ist.
Geothermie: Für Immobilien jeder Art einsetzbar
Zudem weisen Fachleute darauf hin, dass die geothermische Energie gut "verwaltet" werden muss, das heißt die Flüssigkeit zügiger in die unterirdischen Reservoirs zurückgepumpt werden muss, als sie an der Oberfläche genutzt wird. In der Summe wird die Energie aus der Erde im Vergleich zur Nutzung fossiler Brennstoffe als zukunftsweisender definiert. Der Bundesverband für Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (Hannover) ist überzeugt: Etwa ein Viertel der Wärme in Deutschland könnte mithilfe tiefengeothermischer Systeme erzeugt werden. Die Geothermie und besonders die Tiefengeothermie bietet für den bereits 1945 gegründeten Zusammenschluss somit das Potenzial zum "Gamechanger" für die Wärmewende und das Erreichen der Klimaziele in Deutschland bis 2045.
Neben dem Betrieb von Wärmenetzen mithilfe der Tiefengeothermie ist vor allem die oberflächennahe Geothermie – sie nutzt den Untergrund bis zu einer Tiefe von etwa 400 Metern – mit Temperaturen von bis zu 25 °C gut einsetzbar für das Beheizen und Kühlen von Gebäuden, technischen Anlagen oder Einrichtungen der Infrastruktur. Auch seitens des Gesetzgebers ist die Nutzung der Erdwärme als ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende definiert. Seit Jahresbeginn erhalten im Zuge des neuen Gebäudeenergiefördergesetzes (GEG) alle Heizsysteme, die auf erneuerbaren Energien basieren, einschließlich Erdwärmepumpen, eine Grundförderung von 30 Prozent der Investitionssumme. Für die Nutzung der Energie gibt es zusätzlich einen Bonus von fünf Prozent.
Weniger Regulierung, mehr Digitalisierung
Profitieren sollen von den Erleichterungen vor allem auch Privathaushalte. Bei kleinen Grundwasserwärmepumpen und bei Erdwärmekollektoren soll auf eine wasserrechtliche Genehmigung vollständig verzichtet werden. Stattdessen ist eine Anzeige an die Behörde vorgesehen. Noch unklar ist, ob diese Regelung auch für Grundstücke in oder in der Nähe von Wasserschutzgebieten, die der Grundwassergewinnung dienen, gelten wird. Ebenfalls forciert werden sollen durch eine Baurechtsnovelle Vorhaben im Außenbereich.
Das Gesetzespaket ist nun zur Beratung im Bundestag und im Bundesrat vorgelegt worden, trifft in den Verbänden aber bereits jetzt auf Zustimmung. So begrüßt beispielsweise der Verband der Kommunalen Unternehmen (VKU), der über 1.550 Unternehmen u. a. aus dem Bereich der Energie- und Wärmeversorgung vertritt, die neuen Regelungen mit weniger regulatorischen Hemmnissen, Vereinfachungen und mehr Digitalisierung. VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing: "Wir unterstützen die Gesetzesinitiative. Überall in Deutschland arbeiten unsere Mitglieder mit Hochdruck daran, die Wärmeversorgung auf klimaneutrale Quellen umzustellen."
Der Beitrag stammt aus Ausgabe 06/24 der "Immobilienwirtschaft".
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