Geldwäsche: Mehr Verdachtsfälle in der Immobilienbranche

Geldwäsche ist auch in Deutschland ein großes Problem. Die Verdachtsfälle sind 2019 auf ein Rekordniveau gestiegen. Auch in der Immobilienbranche schnellen die Zahlen nach oben – wenngleich weiter auf niedrigem Niveau. Makler sind beim Thema aufmerksamer geworden.

Im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften wurden im vergangenen Jahr insgesamt 1.266 Verdachtsmeldungen gemacht. Das geht aus dem Jahresbericht der Financial Intelligence Unit (FIU), der Anti-Geldwäsche-Einheit des Bundes, hervor. Einen deutlichen Anstieg gab es bei der Zahl der Verdachtsmeldungen, die von Immobilienmaklern an die FIU übermittelt wurden. Diese stiegen auf 84 – zweieinhalb mal so viele wie 2018. Die FIU nimmt jedoch an, dass dies vor allem damit zusammenhängt, dass es bei Immobilienmaklern eine steigende Sensibilität für die Thematik gibt. Die Bundesregierung hatte für Makler – genauso wie für Notare – die Pflichten zum Melden von Verdachtsfällen konkretisiert und verschärft.

In absoluten Zahlen gesehen sind die Fälle in der Immobilienbranche nach wie vor nur ein sehr kleiner Teil des Problems – genau wie im gesamten Nicht-Finanzsektor. Letzterer machte 2019 lediglich 1,3 Prozent der gesamten Verdachtsfälle aus. Der weitaus größte Teil der Meldungen kam auch 2019 aus dem Finanzsektor. Insgesamt registrierte die zum Zoll gehörende FIU im vergangenen Jahr 114.914 Verdachtsfälle – ein neuer Rekord und 49 Prozent mehr als 2018. Seit 2009 hat sich das jährliche Meldeaufkommen in Deutschland fast verzwölffacht.

Beliebte Maschen: Kaufpreisfinanzierung über komplexe Firmengeflechte und Strohmanngeschäfte

Auch wenn die absoluten Zahlen im Immobiliensektor gering sind: "Immobilien tragen ein hohes Risiko für Geldwäsche in sich", heißt es in dem Bericht. Kriminelle gehen dabei unterschiedlich vor. Zum Beispiel werden bei der Abwicklung von (Luxus-)Immobiliengeschäften juristische Personen als Eigentümer für erworbene Immobilie eingesetzt, ohne dass eine dahinterstehende natürliche Person unmittelbar ersichtlich ist. Die FIU identifizierte im Rahmen der Fallbearbeitung im Jahr 2019 unter anderem Rechtsformen mit beschränkter Haftung und beschränkten Publizitätspflichten, zum Teil ohne erkennbare geschäftliche Aktivitäten.

Dies deute darauf hin, dass es sich um sogenannte Schein- oder Briefkastengesellschaften handelt, deren Gründung ausschließlich der Verwaltung von Finanzen dient, erklärt die FIU in ihrem Bericht. Bei der Abwicklung von Immobiliengeschäften sei es für Kriminelle attraktiv, die Finanzierung des Kaufpreises unter Einbindung solcher (meist ausländischer) Gesellschaftsformen durchzuführen, um die tatsächlichen Hintermänner der Transaktionen zu verschleiern.

Eine andere Betrugsvariante sind sogenannte Strohmanngeschäfte. In diesen Fällen treten laut FIO bei Immobiliengeschäften Drittpersonen gegenüber den Vertragsparteien auf, ohne dass für diese erkennbar wird, dass der Strohmann nicht im eigenen Namen handelt.

Gratis-Leitfaden unterstützt Unternehmen bei der GWG-Umsetzung

Weil es in Deutschland immer mehr Geldwäsche gibt, hat der Gesetzgeber reagiert und die Anforderungen verschärft. Standen bislang nur Investmenttransaktionen im Fokus des Geldwäschegesetzes (GWG), so ist dies seit Beginn des Jahres auch auf Anmietungen ausgeweitet, sobald die Monatsnettokaltmiete 10.000 Euro übersteigt.

Unternehmen in der Immobilienbranche müssen die neuen Regelungen des Geldwäschegesetzes umsetzen. Wie sie das am besten tun und was es zu beachten gibt, erklärt ein kostenloser Leitfaden des Arbeitskreises Compliance des Instituts für Corporate Governance (ICG).  Die  Übersicht zum Geldwäschegesetz enthält unter anderem auch eine Matrix, auf der auf einen Blick zu erkennen sein soll, ob nach dem GWG eine Verpflichtung vorliegt, die Transaktion und die deren beteiligten Parteien zu prüfen.


Der Jahresbericht der FIU (pdf) zum Download

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Schlagworte zum Thema:  Geldwäsche, Gesetz