Modellrechnung

Wie sich der Heizungstausch auszahlt


Wärmepumpe, Gas, Öl: Wie sich der Heizungstausch auszahlt

Die Modernisierung der alten Gas- oder Ölheizung ist teuer – langfristig rechnet sich der Austausch, wie neue Berechnungen zeigen. Sechs typische Szenarien mit Blick auf Laufzeit, Finanzierungskosten, Förderung, Energiekosten und Wertzuwachs der Immobilie. 

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) wird noch in diesem Jahr durch ein Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) ersetzt. Das hat der Koalitionsausschuss der Bundesregierung beschlossen. Wie die Änderungen genau aussehen, ist allerdings noch unklar. Für Immobilieneigentümer ist es besonders interessant, ob sich die Anforderungen beim Einbau einer neuen Heizung ändern werden oder nicht. Derzeit müssen in diesem Fall 65 Prozent erneuerbare Energien für die Wärmeversorgung eingesetzt werden.

Auch aus der Europäischen Union gibt es Druck: Bis Ende Mai 2026 müssen die Mitgliedstaaten die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) in nationales Recht umsetzen. Dann müssen gezielt die energetisch schlechtesten Gebäude zuerst saniert werden. Für Neubauten soll stufenweise der Nullemissionsstandard kommen, ab 2030 auch für private Gebäude. Daran erinnert das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm Zukunft Altbau.

Die Heizung austauschen und das Haus sanieren ist teuer, wenn man die reinen Anschaffungskosten betrachtet. Die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online hat Modellrechnungen für sechs typische Szenarien erstellt. Mit Blick auf Laufzeit, Finanzierungskosten, Förderungen, Energiekosten und Wertzuwachs der Immobilie kann sich der Austausch lohnen. Demnach sind bis zu 90.000 Euro Vorteil möglich.

Heizung modernisieren: Energiekosten einbeziehen

Das Beispielhaus für die co2online-Rechnung: Ein unsaniertes Einfamilienhaus, Baujahr 1983, 130 Quadratmeter Wohnfläche. Das Gebäude wird nach 20 Jahren ohne energetische Maßnahmen einer kompletten Modernisierung unterzogen, also inklusive Gebäudehülle, Heizsystem und Photovoltaik.

Die Experten haben anhand von Durchschnittswerten und Energieprognosen sechs Szenarien berechnet. Sie kommen zu dem Schluss, dass sich über 20 Jahre betrachtet deutliche Unterschiede zeigen. So liegen die Energiekosten laut co2online nach einer kompletten Gebäudesanierung im Schnitt:

  • für eine Ölheizung bei rund 41.000 Euro (rund 67.000 unsaniert)
  • für eine Gasheizung bei rund 28.000 Euro (rund 55.500 unsaniert)
  • für eine Luft-Wärmepumpe bei rund 17.000 Euro (rund 31.300 unsaniert)
  • für eine Erd-Wärmepumpe bei rund 13.000 Euro (rund 23.500 unsaniert)
  • für Fernwärme bei rund 21.000 Euro (rund 49.000 unsaniert)
  • für Holzpellets bei rund 16.000 Euro (rund 32.000 unsaniert)

Investitionskosten für Sanierung ohne Förderung

Zählt man zu den nach Sanierung niedrigeren Energiekosten die vermuteten Investitionskosten für eine komplette Sanierung inklusive Zinsen, abzüglich der Förderung, ergeben sich der Beratungsgesellschaft zufolge diese Werte:

  • Ölheizung: 40.720 Euro + 144.000 Euro = 184.720 Euro
  • Gasheizung: 28.465 Euro + 141.600 Euro = 170.065 Euro
  • Luft-Wärmepumpe: 17.415 Euro + 141.600 Euro = 159.015 Euro
  • Erd-Wärmepumpe: 13.060 Euro + 144.000 Euro = 157.060 Euro
  • Fernwärme: 20.825 Euro + 136.800 Euro = 157.625 Euro
  • Holzpellets: 16.010 Euro + 144.000 Euro = 160.010 Euro

Parameter Wertzuwachs und staatliche Förderung

Werden bei den einzelnen Modellfällen dann zusätzlich die vermuteten Instandhaltungskosten und die angenommene durchschnittliche Wertsteigerung des Gebäudes berücksichtigt, ergibt sich laut co2online in der Gesamtrechnung ein ökonomischer Vorteil in Höhe von:

  • für Luft-Wasser-Wärmepumpen rund 39.000 Euro
  • für Erd-Wärmepumpen von rund 48.000 Euro

Die anderen Energieträger führen hingegen in der Beispielrechnung zu Mehrkosten – auch bedingt dadurch, dass die Experten hier einen geringeren Wertzuwachs voraussetzen. Bleiben:

  • bei Gasheizungen Mehrkosten von rund 31.000 Euro
  • bei Ölheizungen rund 43.000 Euro
  • bei Fernwärme rund 16.000 Euro
  • bei Holzpellets von 13.610 Euro

Die Erkenntnis: Die Investitionskosten für Heizsysteme auf Basis erneuerbarer Energien sind zwar höher, durch staatliche Förderung und geringere laufende Kosten liegen die Gesamtkosten aus Investition und Energie jedoch niedriger als bei Gas- oder Ölheizungen.

Wärmepumpe: Vorteile von bis zu 90.000 Euro

Vergleicht man die Zahlen der Gas- und Ölheizungen einerseits mit den Werten der Wärmepumpen andererseits ergibt sich laut co2online über 20 Jahre dann insgesamt ein Vorteil von rund 70.000 Euro bis etwa 90.000 Euro zugunsten der Wärmepumpen.

Allerdings weisen die Experten darauf hin, dass die Zahlen durch tatsächliche Entwicklungen abweichen können, etwa durch regionale Unterschiede, individuelles Nutzerverhalten und veränderte politische Rahmenbedingungen. Bei den Berechnungen für die sechs Modellfälle handelt es sich um eine grobe Orientierung.

Eigentümer können auf der Internetseite von co2online mit dem Modernisierungscheck eigene Berechnungen anstellen.

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Finanztip: Wärmepumpe vs. Gasheizung

Eine Berechnung des Ratgebers Finanztip zeigt: Über einen Zeitraum von 20 Jahren summieren sich die tatsächlichen Kosten für Gasheizungen auf rund 25.500 Euro – Grund seien vor allem die steigenden CO2-Kosten, die fossiles Heizen langfristig verteuerten.

"Was auf dem Preisschild der Gasheizung fehlt, sind die CO2-Kosten der nächsten 20 Jahre – bis sie nach dem Gebäudeenergiegesetz 2045 außer Betrieb gehen muss", warnte Sandra Duy, Expertin für energetisches Sanieren bei Finanztip. "Diese belaufen sich laut unserer Berechnung auf rund 17.500 Euro zusätzlich." Nicht berücksichtigt sind auch mögliche Belastungen wie steigende Netzentgelte für Gas oder die seit 2024 geltende Pflicht zur Beimischung von Biogas für neue Gasheizungen.

Im Vergleich dazu kostet eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus laut Finanztip zwar oft rund 30.000 Euro brutto, doch für die meisten Eigentümer von selbstgenutzten Wohnungen und Häusern seien 50 Prozent Förderung realistisch. Haushalte mit niedrigem Einkommen erhalten bis zu 21.000 Euro Zuschuss. Nach Abzug der Förderung kostet die Wärmepumpe im Beispiel 15.000 Euro netto. "Mit Förderung ist die Wärmepumpe meist günstiger als gedacht – und vor allem zukunftssicher", so Duy

Grundlage sind reale Verbrauchswerte und CO2-Preisszenarien aus dem vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Ariadne-Projekt.

Info-Portal: Wahl der Heizung und Förderung

Welche Bedingungen für den Einbau einer neuen Heizungsanlage derzeit noch gemäß GEG im Detail gelten und welche Standardtechnologien in Frage kommen, stellt das Bundesinstitut für Bau, Stadt- und Raumforschung (BBSR) auf einem Informationsportal dar.

Die Praxishilfen können private Eigentümer von Wohnungen und Häusern bei Fachfragen und bei der Heizungswahl unterstützen. Auch Besonderheiten bei Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus oder Nichtwohngebäude sind dargestellt.

Eine Übersicht, die die verschiedenen Möglichkeiten auflistet und die individuellen Bedingungen abfragt, soll bei der Orientierung helfen. Die Inhalte stehen auch auf Infoblättern zum Download bereit.

BBSR-Informationsportal "Hilfestellung Heizungswahl"

Heizungstausch: Keine Energiewende ohne Planungssicherheit

Im vergangenen Jahr wurden 299.000 Wärmepumpen verkauft. Das sind 55 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Zum Vergleich: Der Verkauf von Gasheizungen sank um 33 Prozent auf 229.000 Einheiten, und der Absatz von Ölheizungen reduzierte sich um 74 Prozent auf 22.500 Stück. Das sind Ergebnisse aus der Jahresbilanz des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH).

Dreh- und Angelpunkt für die Energiewende sei dabei das Vertrauen in die politischen Rahmenbedingungen, heißt es in der Mitteilung: 89 Prozent der Verbraucher halten demnach Planungssicherheit bei der staatlichen Förderung zum Heizungstauch für wichtig bis sehr wichtig. Das hat die bevölkerungsrepräsentative Umfrage zum Energie-Trendmonitor 2026 ergeben – 1.000 Bundesbürger wurden dazu im Januar 2026 von einem Marktforschungsinstitut im Auftrag von Stiebel Eltron befragt. Die Marktentwicklung bei fossilen Heizungen ist dagegen für alle Systeme deutlich rückläufig: Die Zahl der Gasbrennwertkessel sank auf 229.000 verkaufte Einheiten (minus 36 Prozent), die Zahl der Öl-Brennwertkesseln auf 22.500 Einheiten (minus 74 Prozent).


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