Forum Zukunft des VDIV

Verwalten ohne Eigentümerversammlung


VDIV-Kongress: Verwalten ohne Eigentümerversammlung

Etwa 350 Teilnehmer kamen zum elften Forum Zukunft des VDIV – 100 mehr als 2025. Das liegt sicher am Thema Verwaltervergütung. Es gab interessante Konzepte: In einem Basistarif können Verwalter die Umsetzung einer Versammlung auf die Eigentümer übertragen. Aber ist das sinnvoll?

Am zweiten Tag begrüßte uns VDIV-Geschäftsführer Martin Kaßler mit der Frage, wer denn vereinbarte Stundensätze konsequent abrechne. Es schienen nicht viele zu sein. Kaßler mutmaßte in seinem Vortrag, das liege vielleicht an auch ERP-Systemen, die diese Funktion nicht unterstützen.

ERP-System muss Hauptbuchhaltung leisten

"Verwalter würden sich freuen, wenn in näherer Zukunft ERP-Systeme die gesamte Wertschöpfungskette abbilden könnten. Ein ERP-System muss auch Hauptbuchhaltung leisten", so Kaßler. Stephanie Kreuzpaintner, Vorständin der Domus AG, hielt dagegen: ERP-Systeme seien dafür nicht konzipiert. Doch die Mehrheit der Teilnehmenden schienen Kaßlers Forderung zu unterstützen. "Und das sind die Kunden!"

Er stellte ein Basis-Komfort-Premiummodell vor, das manche Verwaltungsbetriebe schon eingeführt hätten. Im Basismodell sei etwa das Abhalten einer Eigentümerversammlung nicht mehr inkludiert. Aber: Haften Verwalter für Beschlüsse, die ohne ihre Teilnahme gefasst werden? Ja, meinte dazu Jost Emmerich, Richter am OLG München: Verwalter könnten sich dieser Haftung nicht entziehen.

KI-Systeme müssen ineinandergreifen             

Laut einer VDIV-Umfrage verwenden bereits 22 Prozent der Verwalter Künstliche Intelligenz, 45 Prozent planten die Nutzung. Noch Fragen? Verwalter Sebastian Niesen beantwortete die in seinem Vortrag ziemlich erschöpfend. Eine wichtige Botschaft in diesem Zusammenhang: KI-Systeme taugten nur dann, wenn sie ineinandergriffen.

Die Telefonassistenz müsse sich etwa der Stammdaten aus dem ERP-System bedienen können. Dieses Ineinandergreifen der KI-Systeme sei bei noch kaum jemand Realität. 

Amerikanische Datenkrake

Nachdem Martin Schellhorn vom Versicherungsmakler Incon stolz sein neues – mit Microsoft entwickeltes – KI-Tool KIM präsentiert hatte, wies Jan Keuntje von der Hausbank München in einem bemerkenswerten Vortrag darauf hin, dass Microsoft-Daten, auch wenn sie in europäischen Rechenzentren liegen, von US-Behörden eingesehen werden könnten.

Der US-Cloud-Act mache das möglich. Deshalb setze die Hausbank verstärkt auf lokale Large Language-Models und, wo das möglich ist, generell auf europäische Lösungen.

Verwalten ist die Welt

Michael Voigtländer vom IW Köln sprach übers größere Ganze und bettete Verwalterthemen in die Immobilienwirtschaft – als Teil der Gesamtwirtschaft. Und Immobilienverwaltung gehört natürlich auch dazu, das darf ruhig betont werden. Passt zum neuen Selbstverständnis. Wenngleich ein Großteil des neuen Ansehens nicht etwa von der Güte der Dienstleistung kommt, sondern schlicht vom Verwaltermangel.

Allerdings sind sich viele Verwalter ihrer gestiegenen Bedeutung gar nicht bewusst, weil sie nicht über den Tellerrand des eigenen Unternehmens schauen. Schlimmer noch: Laut einer VDIV-Umfrage machen 45 Prozent noch nicht mal Controlling des eigenen Unternehmens! 

Ich nehme von dieser Veranstaltung sogar Lebenspraktisches mit. Voigtländer wies auf die 2010er Jahre hin. Die seien eigentlich gut gewesen, obwohl sich große Teile der Immobilienbranche in dieser Zeit stark über Politik und Rahmenbedingungen beschwert hätten. Vielleicht sollten wir weniger maulen über herausfordernde Zeiten. Möglicherweise gilt das sogar für jetzt.


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Schlagworte zum Thema:  Verwaltung , Immobilienwirtschaft
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