3 Fragen an Justus Freudenberg

Don't call it Restrukturierung!


Konsolidierung & Verwalter: 3 Fragen an Justus Freudenberg

Die Zeichen in der Verwalterbranche stehen auf Konsolidierung – und die Erste Hausverwaltung will Nutznießer dieser Entwicklung sein. Von klassischer Restrukturierung distanziert sich das Unternehmen jedoch bewusst. Was genau dahintersteckt? 3 Fragen an den Co-Gründer Justus Freudenberg.

Herr Freudenberg, was hat Sie dazu bewegt, ein Unternehmen in der Hausverwalterbranche zu gründen?

Justus Freudenberg: Bevor wir uns der Hausverwaltung zugewandt haben, waren mein Gründungspartner und ich in der Unternehmensberatung tätig. Ich selbst habe insbesondere Themen wie Kundenservice, Kundenbetreuung und Kundenloyalität strategisch begleitet. Durch diese Arbeit stand ich im intensiven Austausch mit Hausverwaltungen, habe Interviews geführt, Unternehmen besucht und dadurch umfassende Einblicke in die Branche gewonnen.

Relativ schnell fiel mir auf, wie veraltet viele Abläufe waren: Überall standen Aktenordner, die Software wirkte, als sei sie vor 20 Jahren erstmals programmiert worden, und Arbeitsprozesse erschienen häufig ineffizient. Ein Beispiel: Bei einer großen Eigentümerversammlung mit 160 Parteien saßen drei Mitarbeiter einen halben Tag im Meetingraum, um die Abrechnungen und alle Unterlagen einzutüten, zu frankieren und zu versenden.

Das hat uns einerseits erstaunt, andererseits aber auch gereizt, weil wir darin großes Potenzial gesehen haben. Eine Branche im Umbruch, mit dem Wunsch nach neuen Ideen und Impulsen – deshalb haben wir gesagt: Wir wollen auf der Seite der Lösung stehen und nicht nur zu denen gehören, die ständig kritisieren.

Die komplette L'Immo-Folge mit Host Dirk Labusch und Justus Freudenberg                                                                                   

Property Management und Hausverwaltung: Die Unterschiede

Sie bieten mittlerweile viele Dienstleistungen an, auch im Softwarebereich und im Property Management. Gibt es Unterschiede zur Hausverwaltung oder ist es dasselbe?

Wir sind opportunistisch gewachsen und orientieren uns stark an der Nachfrage unserer Kunden. Viele wollen nicht zehn oder 15 Ansprechpartner koordinieren, sondern alles aus einer Hand erhalten – vom Glühbirnenwechsel bis zur Dachsanierung. Deshalb erschließen wir neue Geschäftsfelder, wo es sinnvoll ist.

Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist die Softwareentwicklung: Seit Beginn haben wir mindestens 25 Programme getestet und festgestellt, dass viele davon modernen Ansprüchen an User Experience und User Interface nicht genügten. Um effizient arbeiten zu können und neue Talente auszubilden, mussten wir eigene Software entwickeln. Gleichzeitig setzen wir auf enge Partnerschaften mit Softwareanbietern, entwickeln gemeinsam Lösungen und verfolgen damit eine nachhaltige Strategie für unsere Kunden und unsere Teams.

Inhaltlich unterscheiden wir zwischen Property Management und Hausverwaltung kaum: Property Management klingt moderner, Hausverwaltung wirkt eher klassisch. Entscheidend ist für uns, dass das Fundament stimmt – und das ist die klassische Hausverwaltung. Darauf aufbauend können wir heute nahezu alle Themen rund um die Immobilie abdecken. Unser Kerngebiet bleibt jedoch weiterhin die Hausverwaltung.

Konsolidierung: Stabil wachsen statt aggressiv übernehmen

Sie verfolgen mit einem finanzstarken schwedischen Partner eine Wachstumsstrategie, inklusive der Übernahme anderer Unternehmen. Als Restrukturierer seht ihr euch aber ausdrücklich nicht. Was ist damit gemeint?

Für uns bedeutet das: Wir arbeiten mit Unternehmen, die bereits gut funktionieren. Wir steigen nicht in Firmen ein, bei denen zunächst "Feuer gelöscht" werden muss. Unser Fokus liegt darauf, ein starkes, funktionierendes Team vor Ort zu unterstützen und weiterzuentwickeln. In Unternehmen, die bereits in Schieflage sind, wird der Aufwand schnell zu groß, die Ressourcen sind schwer planbar, und es entsteht leicht eine Blackbox. Aufmerksamkeit ist eine wertvolle Ressource, die wir lieber im positiven Momentum einsetzen.

Unser Weg ist nicht, mit einer Blaupause alles vereinheitlichen zu wollen. Jede Hausverwaltung hat ihre eigene Kultur, eigene Prozesse und unterschiedliche Kundenanforderungen. Es gibt kein universelles Operating Model. Wir setzen auf Geduld, langfristige Entwicklung und standardisieren dort, wo es sinnvoll ist – zum Beispiel über unsere Software. Ein aggressives Zusammenführen oder ein kompletter Umbau, um ein vermeintlich besseres Unternehmen daraus zu machen, halte ich in dieser Branche für sehr riskant. Wir wollen dynamisch wachsen, aber auf der Basis stabiler Strukturen und funktionierender Teams.

Redaktionell bearbeiteter Auszug aus dem L'Immo-Podcast mit Justus Freudenberg.


Schlagworte zum Thema:  WEG-Verwalter , Hausverwalter