Dena-Gebäudereport: Ist die Immobilienbranche auf Klima-Kurs?

Fördermittel fürs Sanieren werden gut abgerufen, doch immer noch werden drei Viertel der (Wohn)Häuser im Bestand mit Öl und Gas beheizt, heißt es im Dena-Gebäudereport 2022 zum Klima-Fußabdruck des Sektors. Dass viele alte Heizungen vor dem Austausch stehen, sei eine Chance – neben effizientem Bauen.

Der Marktanteil beim Absatz von Verbrennungsheizungen (Öl- und Gaskessel) ist im Jahr 2020 erstmals unter 80 Prozent gesunken, wie der Dena-Gebäudereport 2022 zeigt. Der Absatz von Wärmepumpen stieg demnach um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, der Verkauf von Biomasseanlagen sogar um satte 140 Prozent. Gleichzeitig werden aber weiterhin drei Viertel (75 Prozent) der Bestandsgebäude (Wohn- und Nichtwohnhäuser) mit den fossilen Energieträgern Öl und Gas beheizt.

Dass rund 40 Prozent der Heizungen älter als 20 Jahre sind und damit in den kommenden Jahren ausgetauscht werden müssen, stimmt die Studienautoren zuversichtlich. Der Abruf von Förderprogrammen für klimafreundliches Sanieren (und Bauen) hat 2020 im Vergleich zum Vorjahr stark zugelegt, trotzdem verfehlte der Gebäudesektor die Einsparziele aus dem Klimaschutzgesetz knapp. Was tun?

Der jährlich erscheinende Gebäudereport der Deutschen Energie-Agentur (Dena) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bietet Basiszahlen zum energetischen Zustand der Gebäude, zu Eigentümer- und Mieterstrukturen, zu Wärmeerzeugern und Energieträgern und zur CO2-Bilanz des Sektors und zeigt Perspektiven in drei ausgewählten Fokusthemen auf: Im aktuellen Report sind das die Bereiche "Graue Emissionen im Bauwesen", "Förderlandschaft energieeffizienter Gebäude" und "Steuern, Abgaben und Umlagen auf Energieträger im Gebäudesektor".

"Graue Emissionen" im Bauwesen: Von Substitution bis Suffizienz

Nicht nur die Nutzung von Gebäuden (Wärme und Strom), auch das Bauen und Sanieren selbst verursacht hohe CO2-Emissionen, schreiben die Studienautoren. Sie führen aus, welchen Einfluss solche "graue Emissionen" auf das Klima haben, die bei der Herstellung und Nutzung von Baustoffen verursacht werden.

Eine Möglichkeit, um Emissionen zu verringern, ist das Substituieren von CO2-intensiven Baustoffen durch weniger CO2-intensive, etwa nachwachsende Materialien. Durch die Nutzung von Holz könnte dem Report zufolge sogar eine CO2-Senke entstehen. Auch Substitution durch nicht nachwachsende Materialien kommt in Frage, wenn Bauteile durchn Ökobilanzierungen überprüft werden.

Eine weitere Option sind das Recycling und das Rückführen (stoffliche Verwertung) von Baustoffen in die ursprüngliche Produktion. Das Problem: Der maximale Einsatz der rückgeführten Materialien ist derzeit aufgrund der Qualitätsanforderungen eher gering und nur in begrenztem Maße möglich. Um konventionelle Baumaterialien künftig mit gutem Klima-Gewissen nutzen zu können, müssen die Produktionsverfahren klimaneutral werden. Das geht etwa mit elektrifizierten industriellen Prozessen.

Auch das suffiziente Bauen und Wohnen, als Maßstab dient etwa der Wohnflächenverbrauch pro Einwohner und die Anpassungsfähigkeit eines Wohngebäudes, ist ein Aspekt, ebenso wie die bevorzugte Nutzung von Bestandsgebäuden gegenüber Neubauten, so die Autoren.

Energieeffiziente Gebäude: Dynamik bei den Förderanträgen wächst

"Um hier in die richtige Richtung zu steuern, braucht es Impulse wie verlässliche Förderprogramme, Steuerungsinstrumente wie eine effektive und fair gestaltete CO2-Bepreisung sowie die Entlastung des Stroms von Steuern, Abgaben und Entgelten und nicht zuletzt ein innovationsfreundliches Umfeld", sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Energieagentur Dena.

Die Förderung energieeffizienter Gebäude ist ein zentraler Punkt im Energiekonzept der Bundesregierung. Im Rahmen der Beschlüsse des Klimakabinetts 2019 und des Klimaschutzgesetzes wurden die Konditionen attraktiver gestaltet und die Förderungen erhöht. Das hat dem Dena-Report zufolge eine starke Dynamik bei den Anträgen der Förderung ausgelöst. Speziell die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) soll einen Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen im Gebäudebereich auf 70 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr 2030 leisten. Für dieses Jahr sind zirka 5,8 Milliarden Euro eingeplant (Soll 2021).

Auch bei der "Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude" sind die Antragszahlen in den vergangenen Jahren gestiegen. Bei dem Programm haben Eigentümer, Mieter oder Pächter eines Gebäudes die Möglichkeit, eine Vor-Ort-Beratung durch eine Energieberaterin oder einen Energieberater in Anspruch zu nehmen, um den Einstieg in eine Sanierung zu erleichtern.

Steuern, Abgaben und Umlagen: Von CO2-Preis bis EEG-Umlage

Mit dem Beschluss des Klimaschutzprogramms 2030 kam ein Kostenblock zu den fossilen Energieträgern hinzu: Kernstück ist die Bepreisung von CO2 unter anderem im Sektor Wärme. Die Dena-Autoren sehen das als wichtigen Schritt in Richtung "klimaneutrales Deutschland bis 2045" und Anreiz zur Umstellung der Energieträger im Gebäudesektor. Gleichzeitig mit dem Einstieg in die CO2-Bepreisung sollen die Verbraucher beim Strompreis entlastet werden. Hierbei soll vor allem die EEG-Umlage schrittweise gesenkt und künftig vollständig aus den CO2-Preis-Einnahmen finanziert werden.

Die Entwicklung der Mehrkosten für den Strom- und Fernwärmeverbrauch durch die CO2-Bepreisung lässt sich laut Dena-Report aufgrund der sich verändernden Variablen schwer voraussagen. Die Entwicklung der Mehrkosten im Wärmesektor schon: Für 2021 werden für eine 70 Quadratmeter große Wohnung Mehrkosten in Höhe von rund 86 Euro für Heizöl und 46 Euro für Erdgas fällig. Bis zum Jahr 2025 steigen diese Mehrkosten auf 190 Euro für Heizöl und 100 Euro für Erdgas.

Dena-Gebäudereport 2022 (PDF)

Dena-Gebäudereport 2021: "Wärme- und Kältewende", "Green Finance" und "Ressourcen im Bauwesen"

Im Dena-Gebäudereport 2021 ging es um die Fokusthemen "Wärme- und Kältewende", "Green Finance" und "Ressourcen im Bauwesen". Der Report zeigt Potenziale auf und soll helfen, Planungsentscheidungen zu treffen.

Projekt "Dena-Gebäudereport 2021: Fokusthemen zum Klimaschutz im Gebäudebereich" (pdf)


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