Wohnungsmarkt: Angebotene Mieten in den Großstädten ziehen an

Wer im Corona-Jahr 2020 eine Wohnung suchte, musste vielerorts tiefer in die Tasche greifen als im Jahr zuvor. In und um die Metropolen herum haben die Neuvertragsmieten um bis zu zwölf Prozent angezogen, wie eine Studie von Immowelt zeigt. Berlin macht da trotz Mietendeckel keine Ausnahme.

Die Angebotsmieten für Wohnungen sind im vergangenen Jahr trotz Corona-Krise in den meisten deutschen Großstädten weiter gestiegen, wie der Vorjahresvergleich des Maklerportals Immowelt zeigt. Berücksichtigt wurden 80 Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Spitzenreiter waren Reutlingen (plus zwölf Prozent) und Pforzheim (plus neun Prozent), zwei Städte im Stuttgarter Umland. Auch in den Millionenstädten verteuerten sich die Mieten weiter.

Sonderfall Berlin: Mieten im unregulierten Neubau steigen mit Mietendeckel umso stärker

In rund vier Fünftel (67 von 80) der untersuchten Großstädte haben die Quadratmeterpreise von Wohnungen mit 40 bis 120 Quadratmetern weiter angezogen. Auch in München, nach wie vor das teuerste Pflaster zum Wohnen in Deutschland, kletterte das Mietniveau noch einmal weiter: Der Quadratmeterpreis erhöhte sich hier um zwei Prozent auf 18,60 Euro im Durchschnitt.

In anderen bereits hochpreisigen Top-7-Metropolen sieht es nicht deutlich anders aus: In Köln stieg das Preisniveau bei Neuvermietung um sechs Prozent auf 11,50 Euro, ebenso um sechs Prozent in Düsseldorf (elf Euro), in Hamburg um drei Prozent auf 12,10 Euro. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart stieg der Quadratmeterpreis auf 13,60 Euro (plus drei Prozent), in Frankfurt am Main um fünf Prozent auf 14,60 Euro.

In Berlin werden die Mietwohnungen für 12,50 Euro pro Quadratmeter angeboten. Der im Februar 2020 eingeführte Mietendeckel machte zwar Bestandswohnungen günstiger, wie Immowelt beobachtet, aber das Angebot schrumpfte und wer im vergangenen Jahr noch eine Wohnung in unregulierten Neubauten (Baujahr ab 2014) anmieten wollte, musste nun umso tiefer in die Tasche greifen. Über das gesamte Angebot in der Hauptstadt hinweg sind Mieten der Analyse zufolge auch in Berlin um fünf Prozent gestiegen.

Wirtschaftlich prosperierendes Umland: Auch für Pendler attraktiv und damit teurer

Reutlingen und Pforzheim im Umland des Wirtschaftsstandortes Stuttgart waren schon immer auch für Pendler attraktiv. In den Städten mit den höchsten Anstiegen 2020 liegen die Mieten pro Quadratmeter mittlerweile bei 10,30 Euro beziehungsweise 8,50 Euro. Beide sind nur knapp über der Marke von 100.000 Einwohnern, aber selbst wirtschaftlich prosperierend und unweit der Landeshauptstadt.

Die Attraktivität der Umlandstädte dürfte laut Immowelt noch steigen, da Wohnungssuchende mit der Option auf Homeoffice auch weitere Wege nicht scheuen, wenn sie nicht mehr täglich pendeln müssen. Der Einzugsbereich von Ballungsräumen in Deutschland könnte so noch größer werden.

Hochpreisig ist es vor allem dort, wo große Zentren von überregionaler Bedeutung in der Nähe sind: So stieg etwa in Mainz das Mietniveau auf 12,10 Euro (plus fünf Prozent) und in Offenbach auf 11,10 Euro (ebenfalls plus fünf Prozent) – beide sind nicht weit von Frankfurt am Main. Das Phänomen machte sich auch im bayerischen Augsburg mit seiner Nähe zu München bemerkbar: Hier sind die Neuvertragsmieten um sieben Prozent auf 10,70 Euro gestiegen.

Auch in Ostdeutschland steigen die Mieten – aber das Wohnen bleibt relativ günstig

Höhere Preise bei Neuvermietungen müssen laut Immowelt auch Wohnungssuchende in Großstädten in Ostdeutschland bezahlen. Im bundesweiten Vergleich sind die Mieten aber immer noch niedrig.

Beliebte Städte sind Leipzig und Dresden. Doch auch hier können Mieter noch Wohnungen finden, die weniger als acht Euro pro Quadratmeter kosten. In Dresden werden im Schnitt 7,70 Euro verlangt – das sind drei Prozent mehr als 2019. In Leipzig kostet der Quadratmeter im Mittel sieben Euro (ebenfalls plus drei Prozent). In Jena ist das Preisniveau auf 9,30 Euro gestiegen und ist damit zwei Prozent höher als 2019. In der thüringischen Stadt sorgten zuletzt vor allem Studierenden für eine große Nachfrage nach Wohnraum und höhere Mieten.

Wohnungsmarkt in kleineren Universitätsstädten

Eine verhaltene Entlastung auf dem Wohnungsmarkt beobachtet Immowelt in den kleineren Universitätsstädten und führt das darauf zurück, dass im vergangenen Jahr weniger Studenten auf der Suche nach einer neuen Bleibe waren, weil es weniger Präsenzveranstaltungen aufgrund der Corona-Einschränkungen gab.

So gingen etwa die Angebotsmieten in der sonst beliebten baden-württembergischen Studentenstadt Heidelberg leicht um drei Prozent auf 11,60 Euro zurück, ebenso waren es drei Prozent in Erlangen (10,60 Euro). In Münster sank das Mietniveau im Vergleich zu 2019 um vier Prozent auf zehn Euro. In Potsdam pendelten sich die Mieten nach zuletzt starken Anstiegen, auch wegen der Nähe zu Berlin, mit einem Rückgang von fünf Prozent bei 9,90 Euro ein – ein Grund dürfte laut Immowelt das Ausbleiben von Studienanfängern auf Wohnungssuche sein.


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