Olympia in der Stadt: Was das mit Mieten und Preisen macht
Eine Studie des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags kommt zu dem Schluss, dass Olympische Spiele in den Gastgeberstädten zu steigenden Mieten und Kaufpreisen führen könnten. Die Gefahr bestehe vor allem dann, wenn Investitionen in Infrastruktur und Stadtentwicklung die Attraktivität einzelner Viertel steigern, heißt es darin.
Berlin, München und die Region Rhein-Ruhr mit Köln als Metropole sind bereits im Rennen um eine Kandidatur, über Hamburgs Olympia-Bewerbung wird am 31. Mai abgestimmt. Die Entscheidung soll im September fallen. Es geht um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044.
Olympia und Mieten: kein zwingender Zusammenhang
Die Wissenschaftler wiesen aber auch darauf hin, dass diese Effekte nicht einheitlich auftreten, sondern zwischen Städten und sogar innerhalb einzelner Stadtteile variierten.
Außerdem betonten sie, "dass es keinen zwingenden Zusammenhang zwischen Olympischen Spielen und steigenden Immobilien- oder Mietpreisen gibt". Als Beispiele nannten sie Atlanta (1996) oder Los Angeles (1984), wo die Preise stabil geblieben oder sogar gesunken sind.
Die tatsächlichen Auswirkungen hingen insbesondere von Faktoren wie Stadtplanung, Nachnutzung der Anlagen, allgemeinen Markttrends sowie politischen Steuerungsmaßnahmen – wie etwa dem sozialen Wohnungsbau – ab. Ohne geeignete Maßnahmen bestehe jedoch ein erhöhtes Risiko von Gentrifizierung und Verdrängung einkommensschwächerer Haushalte, warnten die Forscher.
Steigende Hauspreise bei olympischen Spielen
Der Untersuchung zufolge zeigen die fünf Sommerspiele zwischen 2000 und 2016 (Sydney, Athen, Peking, London und Rio de Janeiro), dass die Immobilienpreise und Mieten von der Vergabe bis zu den Spielen selbst teils deutlich gestiegen seien.
In Hamburg drohe Ähnliches, sind die Linken überzeugt. Sie widersprachen damit dem rot-grünen Senat. Dieser hatte auf eine Kleine Anfrage der Linken-Bürgerschaftsfraktion im April 2026 erklärt, dass Olympia keinen Einfluss auf die Mietpreisentwicklung in Hamburg haben werde.
In München, Austragungsort im Jahr 1972, wurde der Studie zufolge im Rahmen der Olympischen Spiele kein Wirkungsreport erstellt, der ursächliche Zusammenhang sei nicht ermittelt worden. Die besonders starken Preissteigerungen im Vergleich zu anderen Regionen traten jedoch vor allem zwischen 1968 und 1973 auf, was darauf hindeutee, dass die Spiele einen zusätzlichen Einfluss auf die Preisentwicklung hatten.
Airbnb und olympische Touristen: ein Problem?
Heike Sudmann, Co-Fraktionsvorsitzende der Linken, betonte, dass die Senatsbehauptung auf den Werbeplakaten "Olympia bringt stabile Mieten" genauso falsch sei wie der Satz von Norbert Blüm: "Die Rente ist sicher." Allein die zusätzlichen Touristen würden die Wohnungsnot durch Angebote wie Airbnb verschärfen.
Paris hatte sich als Olympia-Stadt 2024 gegen eine Kooperation von Airbnb und dem Internationalen Olympische Komitee (IOC) gewehrt und vor "Risiken und Konsequenzen" des Deals gewarnt – zum Erfolg führte es nicht. In den fünf olympischen Austragungsorten bis 2028 – Paris, Tokio, Peking, Mailand und Los Angeles – sollen etwa 200.000 Airbnb-Gastgeber gelistet sein.
Die Studie im Auftrag der Hamburger Bundestagsabgeordneten Cansu Özdemir (Linke) basiert auf bestehenden Studien, die sich mit den Auswirkungen auf die Mietentwicklung in austragenden Städten bei vergangenen Olympischen Spielen beschäftigten.
Wohnungswirtschaft: Nachnutzung des Olympischen Dorfes steuern
Sollte Hamburg den Zuschlag bekommen, ist sich zumindest die sozial orientierte Wohnungswirtschaft sicher, dass der rot-grüne Senat alle Instrumente nutzen wird, um Mieterhöhungen in der Stadt zu verhindern.
"Die Wissenschaftler sind in ihrer Aussage klar: Es gibt keinen zwingenden Zusammenhang zwischen Olympischen Spielen und einem flächendeckenden Anstieg der Mieten. Das bedeutet jedoch nicht, dass Hamburg die Hände in den Schoß legen kann", reagierte Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), auf die Bundestagsstudie.
Die Stadtplanung und die Nachnutzung des Olympischen Dorfes müsse so gesteuert werden, dass das bezahlbare Wohnen im Mittelpunkt stehe. Diese Herausforderung habe der Senat bei der Bewerbung um die Austragung der Sommerspiele im Blick. Es sei richtig, das geplante olympische Dorf so zu konzipieren, dass es nach den Spielen als bezahlbarer Wohnraum in einem modernen Stadtteil genutzt werden könne.
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