BBU-Unternehmen

Berlins sozialer Wohnungsbau trotzt dem Abwärtstrend

Die BBU-Mitgliedsunternehmen haben im Jahr 2025 in Berlin rund 6.000 Wohnungen gebaut. Das sind knapp 14 Prozent mehr als 2024. Damit stammt etwa jede zweite neue Wohnung von den sozial orientierten Vermietern, während der Wohnungsbau in der Stadt insgesamt zurückging.

Gleichgewicht Seil Häuser

Die Mitglieder im Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) haben im vergangenen Jahr rund 6.000 Wohnungen gebaut, das ist ein Plus von 14 Prozent gegenüber 2024 – insgesamt sind die Fertigstellungen in der Hauptstadt um mehr als 28 Prozent auf rund 11.000 gesunken. Die Investitionen erreichten mit zirka 3,2 Milliarden Euro einen neuen Höchststand, die Zahl der Baubeginne hat sich mehr als verdoppelt.

Für 2026 planen die Unternehmen Investitionen von 3,7 Milliarden Euro, 15,1 Prozent mehr als 2025. Der Schwerpunkt liegt auf der Bestandsmodernisierung. Das sind Ergebnisse der Jahrespressekonferenz 2026 des Verbandes am 1. September. 

Debatte um Vergesellschaftung belastet Investitionen

Wie der BBU mitteilt, lösen Klimaziele und der Umbau der Wärmeversorgung eine zweite große Modernisierungswelle aus, die mit dem Neubau um Fördermittel konkurriert.

Das Land Berlin halte jedoch trotz angespannter Haushaltslage an 1,5 Milliarden Euro Wohnungsbauförderung pro Jahr fest und habe mit dem Schneller-Bauen-Gesetz, der Verwaltungsreform und dem Gesetz für einfaches Bauen bundesweit eine Vorreiterrolle übernommen, heißt es weiter.

Belastet wird das Investitionsklima der sozialen Wohnungswirtschaft zufolge durch die Debatte um die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände: Banken ziehen sich aus der Finanzierung Berliner Bestände zurück, Projekte liegen auf Eis. Knapp 91 Prozent der BBU-Mitgliedsunternehmen halten eine Vergesellschaftung für falsch und fordern mehr Neubau, eine konsequente Durchsetzung des Mietrechts und bundeseinheitliche Transparenzregeln für Fernwärme als wirksameren Weg zu bezahlbarem Wohnen.

BBU-Jahrespressekonferenz Berlin 2026 – Überblick

"Dass unsere Unternehmen unter schwierigen Bedingungen mehr gebaut haben als im Vorjahr, ist eine eine starke Leistung. Wenn sie diesen Weg fortsetzen könnten, wäre das sehr gut für Berlin", sagte BBU-Vorständin Maren Kern bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen.

Investitionen: Neuer Rekord, neue Richtung

Während die Neubauinvestitionen um 5,9 Prozent und die Instandhaltungsausgaben um 8,3 Prozent zulegen sollen, ist der mit Abstand größte Wachstumstreiber die Modernisierung – mit einem geplanten Plus von 52,3 Prozent.

Der Kostendruck steigt. 90,8 Prozent der Unternehmen nennen gestiegene Finanzierungskosten als größte Herausforderung, 68,7 Prozent Preissteigerungen bei Bau- und Handwerksleistungen. Allein die Zinsen kosten auf dem aktuellem Niveau 12,55 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche pro Monat. Das ist ein Anstieg von 308 Prozent gegenüber Januar 2022 (3,08 Euro pro Quadratmeter).

Neubau: Soziale Wohnungswirtschaft als Anker

Während der Berliner Wohnungsbau 2025 insgesamt eingebrochen ist (um 28,6 Prozent auf rund 11.000 Wohneinheiten), haben die BBU-Mitglieder rund 6.000 Wohnungen fertiggestellt. Der Anteil der BBU am Berliner Neubau betrug im vergangenen Jahr mehr als 50 Prozent.

Die Neubauaktivitäten wurden mehr als verdoppelt (plus 102 Prozent). Und im Jahr 2026 sollen die Baubeginne den Angaben zufolge noch einmal um 16 Prozent gesteigert werden.

"Wer ein Wohnungsbauprojekt startet, trifft eine Entscheidung für Jahrzehnte. Dafür braucht es Verlässlichkeit", so Kern, "und die hat sich in Berlin verbessert: durch klarere Verfahren, kürzere Wege und mehr Miteinander." Dieser Kurs müsse gehalten werden, anstatt ihn durch Debatten über Enteignungen infrage zu stellen.

Mietenpolitik: Klares Votum gegen Vergesellschaftung

91 Prozent der BBU-Mitglieder sprechen sich gegen Vergesellschaftung aus. Und bis zu 71 Prozent der Unternehmen berichten bereits jetzt von negativen Finanzierungsauswirkungen durch die Debatte.

"Enteignung schafft keine einzige zusätzliche Wohnung, und keine bestehende wird dadurch günstiger", führt BBU-Vorständin Kern weiter aus.

BBU-Vorschläge für wirksamen Mieterschutz

Bauen erleichtern und beschleunigen:

  • Wohnungsbauförderung bei mindestens 1,5 Milliarden Euro pro Jahr halten – idealerweise an Baupreisentwicklung koppeln
  • Grundstücksvergabe an Genossenschaften auch per Verkauf (nicht nur Erbpacht)
  • Schneller-Bauen-Gesetz und Einfacher-Bauen-Gesetz konsequent in die Verwaltungspraxis bringen
  • Gebäudetyp E (Bund) zügig abschließen

Mietrecht durchsetzen:

  • § 5 Wirtschaftsstrafgesetz praxistauglich machen (Beweishürde für Mietpreisüberhöhung senken)
  • Mieterberatung verlässlich finanzieren, Kapazitäten für Ahndung ausbauen
  • Mietpreisprüfstelle stärken (Personal, IT, KI-Einsatz)
  • Mietenkataster praktikabel ausgestalten: Datenqualität, Vollständigkeit, Datenschutz, klare Schnittstellen

Energiekosten transparent machen:

Größter Kostentreiber der vergangenen Jahre sind laut BBU nicht die Nettokaltmiete, sondern die Betriebskosten. Der Verband fordert bundeseinheitliche Transparenz- und Aufsichtsregeln für leitungsgebundene Fernwärme und dass die Wärmewende sozial abgefedert werden soll, um weder Mieter noch Vermieter zu überfordern.

 

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