Wohnkostenanteil: Wo werden die höchsten Mieten bezahlt?

Wer eine neue Wohnung sucht, kalkuliert mittlerweile in den meisten deutschen Großstädten mehr als ein Drittel des Einkommens für die Miete ein. ImmoScout24 hat analysiert, wo die Zahlungsbereitschaft der Mietinteressenten am größten ist – oder sein muss.

Als Grundregel gilt: Die Ausgabe für die Wohnungsmiete soll 30 Prozent der finanziellen Mittel eines Haushalts nicht übersteigen. In München kalkulieren Mietinteressenten allerdings mehr als ein Drittel (knapp 35 Prozent) des Nettoeinkommen für die monatliche Miete ein. Damit nimmt die bayerische Hauptstadt in Deutschland wie gehabt den Spitzenplatz bei den Wohnkosten ein – obwohl die um 0,3 Prozentpunkte gesunken sind.

ImmoScout24 hat analysiert, welchen Anteil des Nettoeinkommens suchende Mieter bereit sind, in den 80 größten deutschen Städten (mehr als 100.000 Einwohner) zu zahlen. Mit weniger als 30 Prozent Wohnkosten rechnen Mietsuchende demnach nur noch in einem Drittel der untersuchten Städte.

Zahlungsbereitschaft steigt am stärksten in Cottbus und Bremerhaven

Auch in Heilbronn (Baden-Württemberg) planen Mietinteressenten mehr als ein Drittel (34,3 Prozent) ihres Hauhaltsnettoeinkommens für eine Wohnung ein. Ebenso liegt in Oldenburg (Niedersachsen) und Ludwigshafen am Rhein (Rheinland-Pfalz) der Wohnkostenanteil mit jeweils knapp 34 Prozent auf einem Spitzenplatz-Niveau – bei allerdings noch relativ günstigen Quadratmeterpreisen von durchschnittlich 8,44 Euro und 9,03 Euro. Die Nachfrage übersteige hier deutlich das Angebot, schreibt ImmoScout24.

Den niedrigsten Anteil des Einkommens ziehen Mietsuchende im niedersächsischen Salzgitter (25,9 Prozent), in Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) mit 26,1 Prozent und Jena (Thüringen) mit 26,5 Prozent in Betracht. Am stärksten zugelegt haben die Wohnkosten in Cottbus (Brandenburg) und Bremerhaven (Bremen): Jeweils 32 Prozent des Einkommens würden Mieter für die neue Wohnung ausgeben. Das ist ein Plus von 6,2 Prozent beziehungsweise 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

München bleibt die teuerste Mieterstadt Deutschlands

Allerdings zählen die Mieten mit durchschnittlich 6,24 Euro pro Quadratmeter in Cottbus und 6,38 Euro in Bremerhaven aktuell noch zu den erschwinglicheren. Zum Vergleich: In München lagen die im zweiten Quartal 2021 bei ImmoScout24 inserierten Mieten im Schnitt bei 17,63 Euro pro Quadratmeter (ohne Unterscheidung zwischen Neu- und Altbau). Damit bleibt die bayerische Hauptstadt das teuerste Pflaster für Mieter. Innerhalb von fünf Jahren sind die Angebotsmieten laut ImmoScout24 in München um 25 Prozent gestiegen.

Am stärksten zogen in diesem Zeitraum die Angebotsmieten in Potsdam (Brandenburg) an: Suchende kalkulieren derzeit mit 29,7 Prozent des Einkommens. Im zweiten Quartal 2021 lagen die inserierten Mieten bei 10,70 Euro pro Quadratmeter im Schnitt; das sind 30 Prozent mehr als vor fünf Jahren.

Metropolenvergleich: Berlin knackt die 30-Prozent-Grenze noch nicht

In Berlin kletterten die durchschnittlichen Angebotsmieten bei den auf ImmoScout24 inserierten Wohnungen um 27 Prozent und rangierten im zweiten Quartal 2021 bei durchschnittlich 10,71 Euro pro Quadratmeter. In der Bundeshauptstadt sind Mieter damit bereit, 28,4 Prozent des Einkommens für das Wohnen auszugeben – der Wert liegt im Mittelfeld des gesamtdeutschen Städtevergleichs.

Auch im Metropolenvergleich führt München das Ranking um die Wohnkosten an, gefolgt von der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart, wo Mietsuchende aktuell 33,2 Prozent des Einkommens für das Wohnen einplanen. Die Angebotsmieten stiegen in Stuttgart im Schnitt um 20,5 Prozent innerhalb von fünf Jahren auf 13,62 Euro pro Quadratmeter.

In Hamburg veranschlagen Suchende 32,4 Prozent und in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) 30,6 Prozent des Haushaltseinkommens für die nächste Mietwohnung: Hier sanken die von
den Suchenden kalkulierten Kosten um 0,7 Prozentpunkte. Das Mietniveau liegt mit 11,74 Euro in Hamburg und 11,36 Euro in Düsseldorf pro angebotenem Quadratmeter im unteren Segment innerhalb des Metropolenvergleichs. Berlin bietet im Metropolenvergleich nach wie vor das günstigste Mietniveau.

Top 10 nach Wohnkostenanteil

Stadt

Angebotsmiete (Ø) Q2 2021; Euro/qm

Entwicklung Angebotsmieten Q2 2016/Q2 2021

Wohnkostenanteil

München

17,63 €

+24,6%

34,8%

Heilbronn

10,61 €

+23,9%

34,3%

Oldenburg

8,44 €

+17,7%

33,9%

Ludwigshafen/Rhein

9,03 €

+22,4%

33,6%

Freiburg/Breisgau

12,88 €

+21,9%

33,5%

Stuttgart

13,62 €

+20,5%

33,2%

Wiesbaden

11,12 €

+14,5%

33,2%

Offenbach/Main

10,61 €

+21,1%

33,1%

Köln

11,36 €

+22,4%

32,9%

Münster

10,01 €

+19,0%

32,7%

Quelle: ImmoScout24

Das durchschnittliche Nettohaushaltskommen ermittelte ImmoScout24 auf Basis der Angaben von Suchenden. Die durchschnittliche Miete ergibt sich auf Basis aller Inserate des ersten Halbjahres 2021, die von den Suchenden in diesem Zeitraum kontaktiert wurden. Analysiert wurden 80 deutsche kreisfreie Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern.


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Schlagworte zum Thema:  Miete, Einkommen