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Deutsche Bauunternehmen setzen in der Krise auf Diversifikation

Zu den Trends der Baubranche gehört die Bewegung weg von den heimischen Regionen
Bild: schubalu ⁄

Laut dem "European M&A Construction Monitor" von Deloitte setzen deutsche Bauunternehmen in der europäischen Krise auf Diversifikation in neue Regionen oder Produktsegmente. Vor allem die größeren Konzerne setzen dazu Übernahmen und Akquisitionen (M&A) ein.

Auch die Bedeutung von alternativen Finanzierungsquellen (zum Beispiel Private Equity) nimmt zu. Andere Unternehmen der Baubranche forcieren auf den krisenbedingten Druck hin ihre Maßnahmen zum Schuldenabbau, was oft mit dem Verkauf von Geschäftsfeldern einhergeht.

Mit insgesamt 104 Deals lag die Zahl der M&A im Jahr 2011 deutlich niedriger als 2010 (144), im ersten Halbjahr 2012 konnten 72 Deals realisiert werden. Für das Gesamtjahr 2012 rechnen Branchenkenner mit einem leichten Transaktionsanstieg gegenüber dem Vorjahr. Allerdings dürfte das durchschnittliche Deal-Volumen gegenüber 2010 beziehungsweise 2011 rückläufig sein.

"Die aktuelle Entwicklung begünstigt eher breit aufgestellte und finanzkräftige Konzerne. Kleinere und mittelständische Betriebe geraten in der Krise eher weiter unter Druck, da sie vielfach nicht die notwendige finanziellen Möglichkeiten haben, um zu diversifizieren", so Michael Müller, Partner und Leiter Real Estate bei Deloitte. Zu den Trends der europäischen Baubranche gehört auch die Bewegung vieler Baukonzerne weg von den heimischen Regionen hin zu den BRIC-Staaten sowie dem Nahen Osten und den pazifischen Wirtschaftsraum: In diesen Märkten wird mittelfristig mehr als die Hälfte der weltweiten Bauinvestitionen erwartet. Andererseits haben Unternehmen außerhalb Europas immer ein Auge auf europäische Anbieter als potenzielle Übernahmekandidaten, auch in Deutschland.

Frisches Geld durch Private Equity

Der europäische Bausektor hatte im Jahr 2011 mehr Insolvenzen als die meisten anderen Branchen hervorgebracht – und der Trend hält unvermindert an. Um nicht in diese Situation zu geraten, nehmen viele Unternehmen erhebliche Anstrengungen zum Schuldenabbau auf sich. Der Verkauf von Randaktivitäten spielt dabei eine große Rolle. Die europäischen Bauunternehmen konnten in 2011 insgesamt ihren Schuldenstand im Schnitt um 3 Prozent verringern; das Jahr 2012 soll ähnliche Resultate bringen.

Eine mögliche Alternative zum Schuldenabbau kann der Einsatz von Private Equity sein. Zwar ist der Zufluss frischer Mittel von Private-Equity-Investoren meist nur um den Preis eines gewissen Kontrollverlustes zu haben. Gleichwohl waren in der europäischen Bauwirtschaft jüngst größere Transaktionen zu beobachten, und das Interesse der Private-Equity-Investoren an der Bauwirtschaft ist spürbar gestiegen.

Mehr Wertschöpfung durch Diversifikation

Der Flaute im europäischen Baugeschäft versuchen die einzelnen Player auch durch grenz- und branchenübergreifende Diversifikation zu entgehen. Letztere birgt den Vorteil einer größeren Unabhängigkeit von der Baukonjunktur sowie der Chance, Branchen mit höherer Wertschöpfung zu erschließen. Typisch ist die Erweiterung der Angebotspalette in branchennahe Segmente wie Bau- und Gebäudedienstleistungen. Auch sogenannte Design-Build-Finance-Maintain (DBFM)-Projekte wie Private Public Partnerships (PPPs) bieten den Unternehmen die Möglichkeit höherer Wertschöpfung bei verminderten Risiken.

Die Aussichten in der Baubranche sind in Europa uneinheitlich. Am wenigsten angespannt scheint die Lage in Nordeuropa – mit Ausnahme von Finnland. Westeuropäische Anbieter trotzen der Krise mehr oder weniger erfolgreich durch Engagements in Wachstumsregionen und durch geographische sowie branchenübergreifende Diversifikation.

Schlagworte zum Thema:  Immobiliendienstleister, Bauunternehmen

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