Bauland: Warum werden freie Grundstücke nicht bebaut? Infografik

Bebaubare Grundstücke sind vorhanden. Die Herausforderung liegt eher in der Mobilisierung von Bauland. In einer Umfrage des IVD gaben 34,6 Prozent der befragten Immobilienunternehmen Grundstücksspekulationen als Bauhindernis an. Der Verband bewertet diese Zahl als "nicht wesentlich".

Mit rund 34 Prozent der vom IVD befragten 6.000 Immobilienunternehmen landete das Bauhindernis "Grundstücksspekulation" auf Rang vier der angegebenen Motive für die Nichtbebauung von Grundstücken.

"Wer nicht baut oder ein unbebautes Grundstück nicht verkauft, steht schnell im Verdacht der Grundstücksspekulation." Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes IVD

Dass die Ursachen für ein "Liegenlassen" der Flächen vielfältig seien, passe offenbar nicht in das Bild der Befürworter eines verschärften Baugebotes. Einer prominenter Befürworter eines strengeren Baugebotes ist der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, der Gundstückseigentümer zum bauen zwingen und notfalls Bußgelder verhängen will.

Der Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen (VBW) hält den Druck auf Grundstücksbesitzer für angemessen.

"Wir würden begrüßen, wenn die Politik im Sinne der Flächenbebauung Instrumente wie das Baugebot aktiver nutzen würde. Tübingen kann dafür ein Vorbild sein." VBW-Direktorin Iris Beuerle

Die im VBW organisierten Baugesellschaften und Genossenschaften bauen nach eigenen Angaben im Schnitt 3.700 bis 4.000 neue Wohnungen im Jahr. Wegen der hohen Baukosten waren die Investitionen auf 1,9 Milliarden Euro gestiegen.

VBW: "Kein Verständnis für das Aufbewahren von Grundstücken"

Laut Umfrage des IVD sind der Hauptgrund für das knappe Bauland im Familienbesitz befindliche Grundstücke zur Selbstnutzung, die quasi "auf Vorrat" gehalten werden. Das gaben zumindest 62,1 Prozent der Befragten an. Diese Grundstücke eigneten sich jedoch in erster Linie nur für Einfamilienhäuser, nicht für den großflächigen Geschossneubau, schreibt der IVD in einer Mitteilung.

"Wir haben kein Verständnis für das 'Aufbewahren' von Grundstücken, entweder als sogenannte 'Enkelgrundstücke' oder weil die Eigentümer damit rechnen, dass die Bodenpreise noch weiter steigen." Peter Bresinski, Vorsitzender des Verbands baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen

Als sonstige Bauhindernisse folgen laut IVD mit 40,3 Prozent Probleme bei der Baurechtsbeschaffung und mit 39,5 Prozent Erbstreitigkeiten.

Ein weiterer Grund dafür, dass zu wenig gebaut wird, selbst wenn Bauland verfügbar wäre, ist dem Immobilienverband zufolge eine zu geringe Kapitalausstattung: Nicht jeder Grundstückseigentümer könne bauen, so Schick, wenn ihm schlichtweg das Geld dazu fehle. So könne auch nicht jedes Dachgeschoss ausgebaut oder Flächen aufgestockt werden, wenn die finanziellen Mittel dazu nicht vorhanden seien.

Schick zu Baulückenkatastern: "Hilfreicher Schritt, um bebaubare Flächen zu identifizieren“

Des Weiteren nannte der IVD ungeklärte Eigentumsverhältnisse, Grundstückszuschnitte, Altlasten oder Nachbarschaftskonflikte als Gründe für brachliegendes Bauland.

"Die nun geforderten Baugebote, die Grundstücksbesitzer zum Bauen von Wohnungen zwingen sollen, werden daher nichts wesentlich an der Baulandknappheit ändern. Sie stellen nur unnötig Familien und Immobilienunternehmen an den Pranger." IVD-Präsident Jürgen Michael Schick

Abschließend wies Schick noch darauf hin, dass eine genaue empirische Grundlage fehle, wie viele Grundstücke überhaupt bebaubar seien. "Baulückenkataster sind ein hilfreicher Schritt, um bebaubare Flächen zu identifizieren“, ergänzte Schick. Als Beispiel nannte der IVD-Präsident digitale Übersichtskarten, wie es sie bereits am Markt gebe.

Mit dem Thema Baulandmobilisierung beschäftigt sich derzeit auch die Baulandkommission im Bundestag unter dem Vorsitz des Parlamentarischen Staatssekretärs Bau & Heimat, Marco Wanderwitz (CDU), in fünfter Sitzung. Schwerpunkte sind Datengrundlagen und steuerliche Rahmenbedingungen. "Anfang Juli wollen wir liefern", twitterte Wanderwitz. Die Baulandkommison wurde im Sommer 2018 eingesetzt.


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Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau, Grundstück