Hessen hat einen Bedarf von 367.000 Wohnungen bis 2040

367.000 Wohnungen werden in Hessen bis 2040 benötigt – das ist das Ergebnis der aktuellen Wohnungsbedarfsprognose. Ein wichtiger Baustein ist das Programm "Großer Frankfurter Bogen", dem sich immer mehr Kommunen anschließen.

Im Vergleich zur Prognose aus dem Jahr 2016, so erklärte Hessens Wirtschafts- und Wohnungsbauminister Tarek Al-Wazir, lägen die größten Veränderungen darin, dass die Bevölkerung nicht wie 2016 angenommen in einem kurzen Zeitraum stark ansteigen, sondern gleichmäßiger wachsen werde. Daher verteile sich der Neubaubedarf entsprechend auf einen längeren Zeitraum. Hinzu komme, dass mehr gebaut wurde als 2016 prognostiziert. Auch der Trend zu kleinen Haushalten setze sich fort, allerdings schwäche er sich im Vergleich zur letzten Prognose ab.

Neubautätigkeit regional unterschiedlich verteilt

Nicht überraschend sei, so Al-Wazir weiter, dass vor allem im Ballungsraum Rhein-Main – in den Städten Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Offenbach, aber auch in Kassel – am meisten neue Wohnungen fehlten.

Um den errechneten Bedarf bis 2040 zu decken, müssten jährlich im Durchschnitt 16.000 Wohnungen in Hessen zusätzlich geschaffen werden. Bleibt die durchschnittliche Wohnungsbautätigkeit der Jahre 2012 bis 2017 künftig auf demselben Niveau, kämen jährlich unter dem Strich 16.500 neue Wohnungen hinzu. „Auf ganz Hessen gerechnet könnte man daher sagen: Wir sind im Soll“, sagte Minister Al-Wazir. „Allerdings sind Wohnungsbestand und -neubau und Bedarf regional unterschiedlich verteilt. Während es vor allem in Mittel- und Nordhessen zum Teil mehr Wohnraum gibt als gebraucht wird, gibt es in Südhessen weiterhin eine Lücke.“

Al-Wazir: Rekordmittel für den geförderten Wohnungsbau

Bis 2024 will Hessen insgesamt 2,2 Milliarden Euro für den geförderten Wohnungsbau zur Verfügung stellen. "Das sind Rekordmittel“, so Al-Wazir. Mit dem Großen Frankfurter Bogen habe das Land außerdem ein Programm aufgelegt, das den gesamten Ballungsraum in Sachen Wohnungsbau in den Blick nehme.

Insgesamt 55 Städte und Gemeinden, die innerhalb von maximal 30 Minuten mit S- oder Regionalbahn vom Frankfurter Hauptbahnhof aus erreichbar sind, wurden im Oktober 2019 eingeladen, Teil des sogenannten Großen Frankfurter Bogens zu werden. Kommunen sollen finanziell unterstützt werden, etwa bei der Ermittlung geeigneter Bauflächen. Dialogveranstaltungen fördert das Land zu 85 Prozent. „Insgesamt 30 Städte und Gemeinde rund um Frankfurt haben sich schon dafür entschieden, Teil des Großen Frankfurter Bogens zu sein“, berichtete Al-Wazir.

"Großer Frankfurter Bogen": Potenzial von bis zu 200.000 Wohnungen

Der Minister sieht Potenzial für zirka 200.000 Wohnungen im Umland von Frankfurt. Das Areal entlang der Regionalbahn- und S-Bahn-Schienen könnte bei Erschließung übermäßigen neuen Autoverkehr verhindern, meinte Al-Wazir bei der Vorstellung des Programms im Herbst 2019. Etwa die Hälfte der prognostizierten 200.000 Wohnungen ließe sich auf bereits bestehenden Flächen im Innenbereich, also im Ein-Kilometer-Umkreis der Haltestellen des regionalen Schienenverkehrs realisieren.

Bei den Forderungen der Kommunen wiederum scheint es fraglich, ob die von Al-Wazir insgesamt in Aussicht gestellten 35 Millionen Euro für das Programm ausreichen werden, oder ob das Vorteilspaket noch einmal nachgebessert werden muss. Der Direktor des hessischen Städtetags, Stephan Gieseler, schlug Ende 2019 einen finanziellen Anreiz vor, um die Kommunen zu belohnen, die sich "planungswillig" zeigten.

Thomas Horn, Direktor des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main sagte, von den im aktuellen regionalen Flächennutzungsplan vorgesehenen Arealen seien in den vergangenen acht Jahren nur etwas mehr als 20 Prozent abgerufen worden. Bisher seien nur innerstädtische Bereiche entwickelt worden, zudem standen Konversionsflächen nach Abzug der US-Truppen zur Verfügung. Diese Möglichkeiten seien nun ausgeschöpft.

Resolution von Wirtschaftsinitiative

Im Frühjahr 2020 hat eine Wirtschaftsinitiative, darunter waren auch Vertreter der Immobilienbranche, in Frankfurt am Main eine Resolution unterzeichnet: Kommunen im Rhein-Main-Gebiet werden darin aufgefordert, schnell zu handeln und mehr Bauland für bezahlbare Wohnungen auszuweisen – notfalls auch gegen Proteste von Anwohnern.

Grund für die Resolution ist der wachsende Mangel an vor allem bezahlbaren Wohnungen im Rhein-Main-Gebiet. Unterzeichnet haben das Papier am 13. März in Frankfurt 22 Organisationen, Institutionen und Verbände, darunter der BFW Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Hessen / Rheinland-Pfalz / Saarland, der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest), der Immobilienverband IVD Mitte und der Verband der Immobilienverwalter Hessen.

Sie fordern alle gemeinsam Kommunalpolitiker auf, mehr Bauland auszuweisen. "Damit es in der Region auch in Zukunft Wohnungen zu fairen Mieten gibt, müssen Kommunen verstärkt Bauland ausweisen und dieses nach bestem Konzept statt nach Höchstpreis vergeben", sagte Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand des VdW Südwest. Landkreise, Gemeinden und Städte sollten "sich ihrer Verantwortung für die ansässigen sowie die hinzuziehenden Unternehmen und Fachkräfte der Region" stellen, heißt es in einer Mitteilung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt, die zu dem Treffen eingeladen hatte.

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Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau, Stadtentwicklung