Frankfurter Bogen: Potenzial von bis zu 200.000 Wohnungen

Der Zuzug nach Frankfurt ist ungebremst. Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir sieht Potenzial für 200.000 Wohnungen im Umland. Den Kommunen im Gebiet, das er "Großer Frankfurter Bogen" nennt, hat er Geld und Unterstützung zugesagt, wenn sie bei der Erschließung helfen.

Was der Grünen-Politiker im Auge hat, sind 54 Kommunen, die im Umkreis von höchstens 30 Zug-Minuten um den Frankfurter Hauptbahnhof liegen und ein enormes Flächenpotenzial bieten. Den Bürgermeistern aus den in diesem Radius liegenden Städten und Gemeinden hat Al-Wazir jetzt die intensive Förderung für den Bau von Wohnungen und die Entwicklung von Baugebieten zugesagt.

Der Minister geht davon aus, dass alleine Frankfurt am Main pro Jahr um 10.000 bis 15.000 Menschen wachsen wird. Das Areal entlang der Regionalbahn- und S-Bahn-Schienen könnte bei Erschließung übermäßigen neuen Autoverkehr verhindern. Etwa die Hälfte der prognostizierten 200.000 Wohnungen ließe sich auf bereits bestehenden Flächen im Innenbereich, im Ein-Kilometer-Umkreis der Haltestellen des regionalen Schienenverkehrs, realisieren, so Al-Wazir.

Großer Frankfurter Bogen Netzplan
54 Kommunen im Umkreis von 30 Zug-Minuten um den Frankfurter Hauptbahnhof sollen Partner der Initiative "Großer Frankfurter Bogen" werden

Was bietet Hessen den Kommunen an?

Das Land Hessen hat eine Art Vorteilspaket für die Kommunen geschnürt, die sich als Partner für das Programm "Großer Frankfurter Bogen" anbieten. Zur Ermittlung geeigneter Flächen will das Land beispielsweise im Rahmen der Baulandoffensive Machbarkeitsstudien finanzieren und beim Bau von Sozialwohnungen den kommunalen Eigenanteil von bis zu 10.000 Euro je Wohnung übernehmen.

Im Programm "Nachhaltiges Wohnumfeld" für Investitionen in begleitende Infrastruktur wie Kindergärten, Bürgerhäuser und Grünflächen soll es Zuschüsse von 85 Prozent geben. Auch Dialogveranstaltungen sollen gefördert werden. Doch hier scheint bereits die erste Hürde ausgemacht.

Kommunen: Bürgerbegehren in Sachen Wohnungsbau auf Eis legen

Bei den Forderungen der Kommunen wiederum scheint es fraglich, ob die von Al-Wazir zunächst in Aussicht gestellten 35 Millionen Euro für das Programm, das er im Sommers erstmals vorgestellt hatte, ausreichen können, und ob das Vorteilspaket nicht noch einmal nachgebessert werden muss.

Interesse aus den Kommunen sei da, doch die Rahmenbedingungen müssten stimmen, sagte der Direktor des hessischen Städtetags, Stephan Gieseler. Er forderte das Land zum einen auf, Hemmnisse abzuschaffen, wie etwa Vorschriften zu Abständen von Wohnhäusern zu Strommasten.

"Wir brauchen weniger Auflagen, wo Wohnungsbau stattfinden darf." Stephan Gieseler, Direktor des hessischen Städtetags

Zum anderen sieht er das Land auch in der Pflicht, bei der Initiative "Großer Bogen Frankfurt" die nötige soziale Infrastruktur – wie etwa Kinderbetreuung – zu fördern, die für die Kommunen hohe Kosten bedeute. Auch Einkaufsmöglichkeiten und die Versorgung mit Internet gehörten zu neuen Wohngebieten dazu. Der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main schlägt außerdem einen finanziellen Anreiz vor, um die Kommunen zu belohnen, die sich "planungswillig" zeigten.

"Wir müssen eine Win-win-Situation schaffen." Thomas Horn, Direktor des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main

Horn plädiert auch dafür, die Möglichkeit von Bürgerbegehren in Sachen Wohnungsbau für einige Jahre einzuschränken. Zugleich müsse das Umweltrecht überarbeitet werden. Das Vorkommen von "Hamstern oder Eidechsen" dürfe nicht ganze Wohngebiete verhindern. Problematisch sei zudem, dass in kleinen Gemeinden die zuständigen Ämter personell überlastet seien. Das gelte insbesondere im Fall von Grundstücken mit komplizierten Eigentumsverhältnissen.

Frankfurt alleine kann das Problem nicht lösen

Für Wohnungsbauminister Al-Wazir sind die 54 Kommunen entlang der Regional- und S-Bahn-Achsen im engeren Rhein-Main-Gebiet perfekte Standorte, um neue Wohnungen zu bauen. Die Großstädten in Hessen und vor allem Frankfurt müssten entlastet werden.

Das sieht auch Horn so. Frankfurt alleine könne das Problem des großen Zuzugs in die Region nicht lösen. Von den im aktuellen regionalen Flächennutzungsplan vorgesehenen Arealen seien in den vergangenen acht Jahren nur etwas mehr als 20 Prozent abgerufen worden. Bisher seien innerstädtische Bereiche entwickelt worden, zudem standen Konversionsflächen nach Abzug der US-Truppen zur Verfügung. Diese Möglichkeiten seien nun ausgeschöpft.


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dpa
Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau, Stadtentwicklung