Rhein-Main: Resolution fordert mehr Bauland für Wohnungen

Eine Wirtschaftsinitiative, darunter auch Vertreter der Immobilienbranche, hat in Frankfurt am Main eine Resolution unterzeichnet: Kommunen im Rhein-Main-Gebiet werden aufgefordert, schnell zu handeln und mehr Bauland für bezahlbare Wohnungen auszuweisen – notfalls auch gegen Proteste von Anwohnern.

Grund für die Resolution ist der wachsende Mangel an vor allem bezahlbaren Wohnungen im Rhein-Main-Gebiet. Unterzeichnet haben das Papier am 13. März in Frankfurt 22 Organisationen, Institutionen und Verbände, darunter der BFW Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Hessen / Rheinland-Pfalz / Saarland, der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest), der Immobilienverband IVD Mitte und der Verband der Immobilienverwalter Hessen.

Sie fordern alle gemeinsam Kommunalpolitiker auf, mehr Bauland auszuweisen. "Damit es in der Region auch in Zukunft Wohnungen zu fairen Mieten gibt, müssen Kommunen verstärkt Bauland ausweisen und dieses nach bestem Konzept statt nach Höchstpreis vergeben", sagte Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand des VdW Südwest.Landkreise, Gemeinden und Städte sollten "sich ihrer Verantwortung für die ansässigen sowie die hinzuziehenden Unternehmen und Fachkräfte der Region" stellen, heißt es in einer Mitteilung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt, die zu dem Treffen eingeladen hatte.

Der breite Konsens zeige, dass ein dringend zu lösendes Problem vorliege, sagte Ulrich Caspar, Präsident der IHK Frankfurt. Es fehle Wohnraum für dringend benötigte Fachkräfte und es fehlten auch Gewerbeflächen. Ein Grund, dass zu wenig Bauland ausgewiesen werde, seien Proteste von Anwohnern vor Ort. Er rief die Politik auf, dennoch entsprechende Entscheidungen zu treffen. Die Unterzeichner der Resolution erklärten sich auch bereit, mit auf die öffentliche Meinung vor Ort einzuwirken und ihre Expertise bei Bürgerversammlungen einzubringen.

"Wir wollen nicht länger zusehen, dass gelegentliche lokale Hemmnisse die Weiterentwicklung einer ganzen Region erschweren und damit die Zukunft dieses wachstumsstarken Lebens- und Wirtschaftsstandorts insgesamt beeinträchtigen", so Caspar.

Bürgerproteste bremsen "Neuen Stadtteil der Quartiere" in Frankfurts Nordwesten

In Frankfurt am Main liegen nach Protesten aus den Nachbargemeinden Pläne für den sogenannten "Neuen Stadtteil der Quartiere" im Nordwesten beiderseits der Autobahn 5 vorerst auf Eis. Das Vorhaben, mit dem in sieben Quartieren bis zu 12.000 Wohnungen entstehen sollen, hatte Ende 2019 in der Regionalversammlung Südhessen keine Mehrheit gefunden.

Frankfurt kann das Vorhaben nicht allein beschließen. Deshalb soll es weitere Gespräche mit den Nachbarkommunen geben. "Wir wünschen uns, dass die Kommunen sagen, wie sie sich die Quartiersentwicklung vorstellen", sagte Mike Josef (SPD), Frankfurter Planungsdezernent. Städte- und Landschaftsplaner sollen nun Entwürfe für die neuen Quartiere entwickeln. Bis November 2020 sollen die Ergebnisse vorliegen.

Der für Wohnungsbau zuständige Landesminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hatte im Oktober 2019 außerdem sein Konzept des "Großen Frankfurter Bogens" vorgestellt, um den Mangel an bezahlbarem Wohnraum anzugehen. Kommunen sollen finanziell unterstützt werden, etwa bei der Ermittlung geeigneter Bauflächen. Dialogveranstaltungen fördert das Land zu 85 Prozent. Zuschüsse gibt es auch für den Bau von Sozialwohnungen: Das Land will den kommunalen Eigenanteil von bis zu 10.000 Euro je Wohnung übernehmen.

"Wir stehen mit sehr vielen Kommunen in Kontakt und führen viele Gespräche. Insgesamt wird das Angebot gut angenommen, die ersten Beschlüsse vor Ort sind gefasst", erklärte Al-Wazir. Im Fokus stehen 54 Städte und Gemeinden, die per Bahn in weniger als 30 Minuten vom Frankfurter Hauptbahnhof aus zu erreichen sind.

Großer Frankfurter Bogen Netzplan
54 Kommunen im Umkreis von 30 Zug-Minuten um den Frankfurter Hauptbahnhof sollen Partner der Initiative "Großer Frankfurter Bogen" werden

"Großer Frankfurter Bogen": Potenzial von bis zu 200.000 Wohnungen

"Die Rhein-Main-Region boomt. Das heißt auch: sie wächst allein Frankfurt um 10.000 bis 15.000 Menschen pro Jahr", sagte Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir bei Vorstellung des Neubauprojekts "Großer Frankfurter Bogen". Der Minister sieht Potenzial für zirka 200.000 Wohnungen im Umland von Frankfurt.

Das Areal entlang der Regionalbahn- und S-Bahn-Schienen könnte bei Erschließung übermäßigen neuen Autoverkehr verhindern, meint Al-Wazir. Etwa die Hälfte der prognostizierten 200.000 Wohnungen ließe sich auf bereits bestehenden Flächen im Innenbereich, also im Ein-Kilometer-Umkreis der Haltestellen des regionalen Schienenverkehrs realisieren.

Bei den Forderungen der Kommunen wiederum scheint es fraglich, ob die von Al-Wazir insgesamt in Aussicht gestellten 35 Millionen Euro für das Programm ausreichen werden, oder ob das Vorteilspaket noch einmal nachgebessert werden muss. Der Direktor des hessischen Städtetags, Stephan Gieseler, schlug Ende 2019 einen finanziellen Anreiz vor, um die Kommunen zu belohnen, die sich "planungswillig" zeigten.

Thomas Horn, Direktor des Regionalverbands Frankfurt / Rhein-Main sagte, von den im aktuellen regionalen Flächennutzungsplan vorgesehenen Arealen seien in den vergangenen acht Jahren nur etwas mehr als 20 Prozent abgerufen worden. Bisher seien nur innerstädtische Bereiche entwickelt worden, zudem standen Konversionsflächen nach Abzug der US-Truppen zur Verfügung. Diese Möglichkeiten seien nun ausgeschöpft.


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Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau, Stadtentwicklung