Wärmepumpe schlägt Heizkessel

Heizungstausch und Klimapolitik: Trendwende mit Fragezeichen

Wärmepumpen auf Rekordhoch, fossile Heizkessel auf dem Rückzug – doch zwischen Klimazielen und Sparzwängen verschieben sich die Spielregeln. Was Eigentümer aus der aktuellen IW-Analyse mitnehmen können.

Haus Einfamilienhaus Neubau Garten Wärmepumpe

Die Wärmepumpe war im vergangenen Jahr erstmals die meisteingebaute Heiztechnik im selbstgenutzten Wohneigentum. Mit einer Einbaurate von 1,9 Prozent erreichte sie einen Höchststand seit Erhebungsbeginn 2021 – getrieben vor allem durch eine Halbierung der Einbauraten fossiler Heizkessel gegenüber 2024. Das zeigt eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Ob sich diese Dynamik fortsetzt, ist offen: Die geplante Abschaffung der 65-Prozent-Regel, veränderte Förderstrukturen und geopolitische Entwicklungen könnten den Trend beschleunigen oder bremsen. Bei der energetischen Sanierung bleibt die Entwicklung weiter hinter den Klimazielen zurück.

Wärmepumpe spart Heizkosten – aber die Last verteilt sich ungleich

Laut dem Fokusreport "Wärme und Wohnen: Zentrale Ergebnisse aus dem Ariadne Wärme- & Wohnen-Panel 2025", an dem das IW beteiligt ist, tauschten im vergangenen Jahr 3,4 Prozent der selbstnutzenden Eigentümerhaushalte die Heizung aus. 1,9 Prozent ließen eine Wärmepumpe einbauen. Bei Kesselheizungen sank die Einbaurate hingegen von drei Prozent auf 1,4 Prozent. Der Anteil neuer Fernwärmeanschlüsse blieb mit 0,1 Prozent gering.

Für die Entwicklung sieht IW-Experte Ralph Henger mehrere Gründe. Wer mit einer Wärmepumpe heize, zahle derzeit die niedrigsten Heizkosten. Die meisten Geräte könnten im Sommer auch kühlen und machten damit eine separate Klimaanlage überflüssig. Für 2026 erwartet er, dass die Wärmepumpe beim Heizungstausch die Nummer eins bleibt und ihren Vorsprung ausbaut.

Die mittleren Heizkosten sind laut dem Gutachten 2025 auf 1.600 Euro pro Jahr gesunken und liegen damit wieder auf dem Niveau von 2023. Allerdings sei die Last ungleich verteilt: Einkommensschwache Haushalte in älteren, energetisch ineffizienten Gebäuden wenden 8,5 Prozent des Einkommens für das Heizen auf. Besonders dringlich: Unsanierte Altbauten mit Baujahr vor 1978. Hier konzentrieren sich hohe Heizkosten und hoher Energieverbrauch.

Eigentümer mit Wärmepumpen zahlen hingegen nur 12,20 Euro pro Quadratmeter – deutlich weniger als der Median von 17 Euro. Sie sind zudem weniger anfällig für Preissteigerungen am Gas- und Ölmarkt. Auch im Mietbereich stellt sich die Frage der gerechten Kostenteilung zwischen Mietern und Vermietern –  gezielte Fördermaßnahmen könnten den Ökonomen zufolge Kosten und Energieverbrauch senken.

CO2-Abgabe: Klimaschutz ja – aber das Instrument spaltet

Wie in dem Gutachten weiter ausgeführt wird, halten 77 Prozent der Haushalte Klimaschutz für wichtig – doch die CO2-Abgabe polarisiert: 35 Prozent befürworten sie, ebenfalls zirka ein Drittel lehnt sie ab. Die Akzeptanz hängt von der individuellen Heizkostenbelastung ab.

Knapp die Hälfte (44 Prozent) bevorzugt den bisherigen Mix aus CO2-Preis und Ordnungsrecht, 34 Prozent wollen sogar mehr Vorgaben bei geringerer Abgabe. Nur 23 Prozent sprechen sich für eine stärkere CO2-Bepreisung aus. Die durch das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) und die EU-ETS-2 angestrebte Verschiebung hin zu mehr Marktpreissignalen treffen auf wenig gesellschaftliche Rückendeckung, schreiben die Studienautoren.

Für den Einbau von Wärmepumpen und anderen klimafreundlichen Heizungen gibt es künftig weniger Zuschuss vom Staat. Bisher ist beim Umstieg eine Förderung von bis zu 70 Prozent möglich. Bis 2030 soll der Betrag schrittweise um mehrere Tausend Euro sinken. Die Bundesregierung begründet das unter anderem mit Sparzwängen.

Ariadne-Report "Wärme und Wohnen: Zentrale Ergebnisse aus dem Ariadne Wärme- & Wohnen-Panel 2025"

Statistisches Bundesamt: Wärmepumpen in Neubau und Bestand

Auch in Neubauten gewinnen Wärmepumpen weiter an Bedeutung. Knapp drei Viertel (73,6 Prozent) der rund 58.900 Wohngebäude, die im Jahr 2025 fertiggestellt wurden, werden hauptsächlich mit Wärmepumpen beheizt, teilte das Statistische Bundesamt im Juni 2026 mit. Innerhalb von zehn Jahren (Anteil 2025: 31 Prozent) hat sich der Anteil damit mehr als verdoppelt.

Ganz anders sieht es im Bestand aus: Hier dominieren Erdgas und Heizöl, erneuerbare Energien spielten mit einem Anteil von etwa zehn Prozent im vergangenen Jahr eine untergeordnete Rolle.

Wo mehr Wärmepumpen zum Einsatz kommen

Wärmepumpen kommen nach Angaben der Bundesbehörde vor allem in Ein- und Zweifamilienhäusern zum Einsatz, weniger in Gebäuden mit vielen Wohnungen. In rund 78 Prozent aller 2025 fertiggestellten Ein- und Zweifamilienhäuser wurde hauptsächlich eine Wärmepumpe für Heizenergie genutzt.

Knapp vier von fünf (78,2 Prozent) neu gebauten Wohngebäuden werden inzwischen überwiegend mit erneuerbarer Energie beheizt. 2015 waren es erst 38 Prozent. Dazu zählen neben Erd- oder Luftwärmepumpen auch Holz, etwa in Pelletheizungen oder Kaminöfen, Solarthermie, Biogas und Biomethan.

Erdgas wurde laut Statistik in neuen Wohngebäuden im Jahr 2025 nur noch in rund zehn Prozent als Hauptenergiequelle eingesetzt. Zehn Jahre zuvor lag der Anteil noch bei mehr als 50 Prozent. Fernwärme folgt als drittwichtigste Quelle mit einem Anteil von acht Prozent im vergangenen Jahr.

Ölheizungen wurden im vergangenen Jahr nur noch in einem Bruchteil der Neubauten eingebaut (0,3 Prozent).

Wo weiterhin Öl und Gas dominieren

In bestehenden Wohngebäuden dominiert Erdgas als primärer Energieträger: Mehr als die Hälfte (53,9 Prozent) der Wohngebäude werden damit beheizt, schreibt das Statistische Bundesamt auf Basis des Zensus 2022. Bei knapp einem Viertel (24,7 Prozent) kam außerdem Heizöl zum Einsatz. Erneuerbare Energien spielten im Bestand mit einem Anteil von zehn Prozent eine untergeordnete Rolle.

Der Gebäudesektor ist zentral, um das Ziel der Klimaneutralität in Deutschland bis 2045 zu erreichen, er verursacht rund ein Drittel der CO2-Emissionen. Die Ampel-Koalition wollte mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG), auch Heizungsgesetz genannt, die Abkehr von fossilen Brennstoffen durchsetzen.

Die schwarz-rote Bundesregierung hat die scharfen Regeln im GModG modifiziert. Kern ist die Abschaffung der 65-Prozent-Regel.

Wärmepumpen: Wirtschaftlichkeit und Förderung

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) rechneten in einer Analyse im Rahmen des Energiewende-Projekts Ariadne vor, dass Wärmepumpenheizungen langfristig kostengünstiger als Gasheizungen sind – vorausgesetzt, es werden nicht nur die Investitionen in den Kauf herangezogen. Vielmehr sollten "sämtliche zu erwartende Kosten, insbesondere die Energieträgerpreise inklusive eventueller CO2-Kosten, über den Lebenszyklus berücksichtigt werden", sagt ISE-Forscher und Studienautor Robert Meyer. Entscheidend sei vor allem das Verhältnis von Strom, Gas und gegebenenfalls Fernwärme bei der Wahl des kostengünstigsten Heizsystems.

Am umweltfreundlichsten und wirtschaftlichsten schneiden in der Studie Wärmepumpen in Einfamilienhäusern ab. Die Gesamtkosten lassen sich demnach durch Photovoltaik für den Eigenverbrauch noch weiter senken. Auch in Mehrfamilienhäusern seien Wärmepumpen kostengünstiger als eine neue Gasheizung, heißt es in der Analyse. Die positive Kostenbilanz treffe ebenso bei unsanierten oder teilsanierten Altbauten zu – trotz höherer Verbrauchs- und Investitionskosten im Vergleich zu energetisch sanierten Altbauten.

Der Fokus der Studie liegt nach ISE-Angaben auf Bestandswohngebäuden unter Berücksichtigung des am 1.1.2024 in Kraft getretenen Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und der Bundesförderung für effiziente Gebäude-Einzelmaßnahmen (BEG-EM).

Betrachtet wurden die Kosten für den Austausch von Heizungssystemen – also die anfallenden Kosten für Kauf und Installation sowie die zukünftigen Betriebskosten für Gas-Brennwertkessel unter Nutzung von fossilem Gas, Biogas oder Wasserstoff, für Luft-Wärmepumpe mit und ohne Nutzung einer Photovoltaikanlage, für Erdwärmepumpe, Pelletheizung und Fernwärme an den Fallbeispielen Einfamilienhaus und Mehrfamilienhaus unter Berücksichtigung verschiedener Gebäude-Effizienzstandards.

Ariadne-Analyse "Heizkosten und Treibhausgasemissionen in Bestandswohngebäuden Aktualisierung auf Basis der GEG-Novelle 2024"

 

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