Mehr als Beleuchtung

Warum intelligente Lichtsteuerung zum Schlüssel nachhaltiger Nichtwohngebäude wird


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Die Anforderungen an Nichtwohngebäude verändern sich grundlegend. Mit der europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD) rückt die Gebäudeautomation stärker in den Fokus der Gebäudetechnik, nicht nur für Planer und Betreiber, sondern auch für Nachhaltigkeitsverantwortliche, die Energieeffizienz und ESG-Ziele zusammendenken müssen. 

Ausgerechnet ein Gewerk, das bislang vor allem unter dem Aspekt der Beleuchtungsqualität betrachtet wurde, gewinnt dabei an Bedeutung: die Lichtsteuerung. Nachdem sich LED-Technik in Nichtwohngebäuden weitgehend etabliert hat, verlagert sich der Fokus auf die intelligente Steuerung des Lichts. Sie macht Beleuchtung zu einem aktiven Bestandteil nachhaltiger Gebäude: ökologisch, wirtschaftlich und sozial.

Was Artikel 13 der EPBD konkret bedeutet

Mit Artikel 13 der EPBD werden die Anforderungen an Gebäudeautomations- und Steuerungssysteme deutlich ausgeweitet. Für viele Nichtwohngebäude bedeutet dies, dass künftig auch die Beleuchtung stärker in intelligente Automatisierungskonzepte eingebunden werden muss. Für Planer, Betreiber und Eigentümer stellt sich damit nicht mehr die Frage, ob, sondern wie Licht intelligent integriert wird. Zugleich gewinnen neue Bewertungsmaßstäbe wie der Smart Readiness Indicator (SRI) und die Indoor Environmental Quality (IEQ) an Bedeutung, da vernetzte Lichtsteuerung mit automatisierten, bedarfsgerechten Funktionen unmittelbar in deren Bewertung einfließt.

Die größte Herausforderung liegt dabei weniger in der Installation einzelner Sensoren oder Leuchten als in der Integration bestehender Gewerke. Besonders in Bestandsgebäuden fehlen oft durchgängige Kommunikationsstrukturen oder dokumentierte Anlagenkonzepte, sodass die Nachrüstung vor allem dort anspruchsvoll wird, wo Beleuchtung, Beschattung und HLK-Anlagen bislang unabhängig voneinander betrieben werden.

Nutzungsoptimierte Regelung im täglichen Betrieb

Mit der EPBD gewinnen außerdem neue Bewertungsmaßstäbe wie der Smart Readiness Indicator (SRI) und die Indoor Environmental Quality (IEQ) an Bedeutung. Während der SRI beschreibt, wie intelligent ein Gebäude auf wechselnde Anforderungen reagieren kann, bewertet die IEQ unter anderem die Qualität der Innenraumumgebung. Die Beleuchtung wird damit nicht mehr ausschließlich unter energetischen Gesichtspunkten betrachtet, sondern zugleich als wesentlicher Faktor für Komfort und Aufenthaltsqualität. Genau hierin liegt der entscheidende Unterschied zwischen energieeffizienter Beleuchtung und intelligenter Lichtsteuerung: Nicht die installierte Technik allein bestimmt den Energieverbrauch, sondern ihre nutzungsoptimierte Regelung im täglichen Betrieb.

Gebäudeautomation als Effizienzhebel

Entscheidend ist künftig nicht mehr allein die Effizienz einzelner Komponenten, sondern deren intelligentes Zusammenwirken über die Gebäudeautomation als zentrale Plattform. Für die Beleuchtung bedeutet das einen Perspektivwechsel: Das eigentliche Einsparpotenzial liegt nicht mehr in der LED-Lichtquelle selbst, sondern darin, Licht nur dann und in dem Umfang bereitzustellen, wie es tatsächlich benötigt wird. Ein Besprechungsraum ist beispielsweise für 9 Uhr reserviert: Die Gebäudeautomation aktiviert die Beleuchtung passend zum Tageslichteinfall und schaltet sie danach selbstständig wieder aus 

Aus Sicht der Gebäudeautomation beginnt intelligente Lichtsteuerung deshalb nicht bei der Auswahl einer Leuchte, sondern bei der Frage, welche Informationen für eine bedarfsgerechte Steuerung zur Verfügung stehen. Erst wenn Belegungsinformationen, Tageslicht, Uhrzeit oder Nutzungsszenarien sinnvoll miteinander verknüpft werden, entsteht aus einer Beleuchtungsanlage ein System, das sich dynamisch an seine Umgebung anpasst. Die eigentliche Intelligenz entsteht dabei nicht in einzelnen Sensoren oder Leuchten, sondern in der Steuerungslogik des Gebäudes. 

Offene Standards wie KNX und DALI ermöglichen diese Vernetzung: Während DALI die Kommunikation mit den Leuchten übernimmt, verknüpft KNX die Informationen gewerkeübergreifend, etwa mit Beschattung oder Raumklima, sodass Beleuchtung situationsgerecht mitgesteuert wird.

Wirtschaftlichkeit für Nachhaltigkeitsverantwortliche

Genau hier zeigt sich die besondere Rolle moderner Lichtsteuerungen: Sie reduzieren nicht nur den Energieverbrauch durch eine bedarfsgerechte Regelung, sondern verbessern gleichzeitig die Qualität der Arbeitsumgebung. Je nach Nutzung des Gebäudes und dem Umfang der vorhandenen Automatisierung lassen sich durch Präsenzsteuerung, Tageslichtnutzung und bedarfsgerechte Regelung deutliche Energieeinsparungen erzielen. Die tatsächliche Größenordnung hängt jedoch stark von den jeweiligen Randbedingungen ab, etwa Nutzungsprofil, Tageslichtanteil, bisheriger Beleuchtung, Betriebszeiten und Gebäudeart, sodass pauschale Prozentangaben wenig aussagekräftig sind.     

Human Centric Lighting: Der soziale Faktor

Energieeffizienz ist nur eine Seite der Medaille. Moderne Nichtwohngebäude müssen zugleich Arbeitsumgebungen schaffen, in denen sich Menschen wohlfühlen und leistungsfähig arbeiten können. Beleuchtung ist dabei das einzige technische Gebäudesystem mit unmittelbarem Einfluss auf Energieverbrauch und Menschen zugleich: Sie bestimmt, wie aufmerksam und konzentriert ein Arbeitsplatz wahrgenommen wird.

Human Centric Lighting (HCL) bildet den natürlichen Tageslichtverlauf hinsichtlich Beleuchtungsstärke und Farbtemperatur nach, kühleres Licht am Morgen für mehr Aufmerksamkeit, wärmere Lichtfarben im Tagesverlauf, basierend auf Erkenntnissen der Chronobiologie zum circadianen Rhythmus. Die technische Umsetzung erfolgt entweder dezentral in der Lichtsteuerung selbst oder über eine übergeordnete Gebäudeautomation. Damit verbindet HCL ökologische, wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit in einem System, ohne dass es dafür einer separaten Infrastruktur bedarf. 

Diese drei Ebenen sind es letztlich, die intelligente Lichtsteuerung für Nachhaltigkeitsverantwortliche interessant machen: 

  • Ökologisch: weniger Energieverbrauch durch nutzungsorientierte Beleuchtung und geringere CO₂-Emissionen.

  • Wirtschaftlich: niedrigere Betriebs- und Wartungskosten sowie zukunftssichere Erweiterbarkeit durch offene Standards. 

  • Sozial: höherer Nutzerkomfort und Unterstützung von Wohlbefinden und Konzentration durch Human Centric Lighting.

Jetzt die Weichen für 2028 stellen

Mit der EPBD verändert sich die Rolle der Lichtsteuerung grundlegend. Beleuchtung wird künftig nicht mehr ausschließlich als technisches Einzelgewerk betrachtet, sondern als integraler Bestandteil smarter Gebäudeautomationskonzepte. Damit rückt weniger die einzelne Leuchte als vielmehr ihre Fähigkeit in den Mittelpunkt, Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und mit anderen Gewerken zu teilen. 

Für Planer, Betreiber und das Elektrohandwerk eröffnet sich damit die Chance, Lichtsteuerung frühzeitig als Bestandteil ganzheitlicher Gebäudekonzepte zu verstehen. Gerade im Bestand entstehen dadurch neue Möglichkeiten, Energieeffizienz, Nutzerkomfort und Nachhaltigkeit gleichermaßen zu verbessern. Die EPBD verändert damit nicht die Bedeutung der Beleuchtung, sie verändert ihre Rolle: Die Frage lautet künftig nicht mehr, ob Beleuchtung intelligent gesteuert werden sollte, sondern wie sich ihre Potenziale durch den intelligenten  Umgang mit Informationen bestmöglich erschließen lassen.

Über den Autor

Marcel Sebastian Heinz ist Applikationsingenieur für Gebäudeautomation bei der Insta GmbH in Lüdenscheid. Sein fachlicher Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung intelligenter KNX Lösungen sowie der Integration von Lichtsteuerungen in gewerkeübergreifende Gebäudeautomationskonzepte. Er beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Energieeffizienz, Nutzerkomfort und Nachhaltigkeit durch offene Automatisierungsstandards intelligent miteinander verbinden lassen.

 

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Schlagworte zum Thema:  Nachhaltigkeit , Strom , Gebäudetechnik
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