Digitaler Produktpass

Batteriepass ab 2027: Neue Testumgebung für Unternehmen ist online


Frau mit roten Handy am tippen

Seit dem 24. Juni 2026 ist die Testumgebung für den Digitalen Batteriepass online. Mit elf Testszenarien und einer Datenvalidierung können Hersteller, Importeure und Softwareanbieter jetzt prüfen, ob ihre Systeme für den ab Februar 2027 verpflichtenden EU-Batteriepass parat sind. Unterstützt haben das Projekt mehr als 100 Partner aus der Batteriebranche. Der Batteriepass gilt als Pilot für den künftigen Digitalen Produktpass für fast alle Waren in der EU.

Warum der Batteriepass mehr ist als Bürokratie

Hinter dem Batteriepass steht eine Infrastruktur, die den gesamten Lebenszyklus einer Batterie transparent machen soll – von der Rohstoffherkunft über den CO₂-Fußabdruck bis hin zum Zustand des Akkus kurz vor dem Recycling. Für Elektrofahrzeugbatterien, Industriespeicher mit mehr als 2 kWh und Leichtfahrzeugbatterien wie E-Bikes wird der Pass ab Februar 2027 verpflichtend.

Wer eine Batterie in der EU in Verkehr bringt, egal ob als Hersteller oder Importeur, trägt die Verantwortung für den Pass. Für EV-Batterien allein listet Artikel 77 der Verordnung rund 80 Pflichtdatenpunkte auf, von der Materialzusammensetzung bis zur Leistungshistorie. Die Daten lassen sich in sieben inhaltliche Cluster gliedern: allgemeine Hersteller- und Produktangaben, Konformitätsnachweise, CO₂-Fußabdruck, Lieferketten-Sorgfaltspflicht, Materialzusammensetzung, Kreislaufwirtschaft sowie Leistung und Haltbarkeit. Nicht alle Informationen sind für jeden zugänglich: Sensible Daten wie die genaue Zellchemie sind nur berechtigten Akteuren einsehbar.

Der Batteriepass als Pilot für den Digitalen Produktpass

Die Tragweite des Projekts geht weit über Batterien hinaus. Der Batteriepass ist das erste digitale Produktpasssystem in der EU und gilt ausdrücklich als Pionierprojekt für alle folgenden Produktpässe. Unter die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR), die im Juli 2024 in Kraft trat, fallen künftig Textilien, Stahl, Bauprodukte und viele weitere Warengruppen.

Der digitale Produktpass läuft über einen Datenträger wie zum Beispiel einen QR-Code, der auf eine standardisierte Datenschnittstelle verweist. Der wirtschaftliche Akteur, der das Produkt in Verkehr bringt, ist verpflichtet, diesen Pass bei einer zentralen EU-Registrierungsstelle anzumelden und aktuell zu halten.

Was die Testumgebung konkret bietet

Das Konsortium hinter BatteryPass-Ready – Fraunhofer IPK als Führungspartner, acatech für Stakeholder-Einbindung und Datenanforderungen, TU Berlin für Testszenarien und GEFEG für die Systementwicklung – hat eine Plattform geschaffen, die zwei Kernfunktionen vereint: Datenvalidierung und Interoperabilitätsprüfung.

Bei der Datenvalidierung prüft das System, ob die eigenen Datensätze vollständig und EU-konform sind, differenziert nach Batteriekategorie, da EV-Batterien, Industriespeicher und Leichtfahrzeugbatterien unterschiedliche Datenanforderungen haben. Die elf Testszenarien bilden darüber hinaus das Zusammenspiel im Batterie-Ökosystem ab: Wie reagiert das eigene System auf Datenabfragen externer Partner? Werden Passdaten im richtigen Format und gemäß den Zugriffsrechten übertragen? Die Prüfergebnisse erscheinen direkt in der Oberfläche, sodass Entwicklerinnen und Entwickler iterativ nachsteuern können.

„Eine der größten Herausforderungen für Anbieter und Hersteller ist das sehr dynamische Umfeld: Regulierung, Standardisierung und Umsetzung des Batteriepasses laufen parallel. In der Testumgebung finden die Akteure ab sofort eine feste Anlaufstelle, die heute bereits die wichtigsten Testszenarien bereitstellt und kontinuierlich um neue Testszenarien erweitert wird. Das erlaubt es Unternehmen, ihre Lösungen rechtzeitig auf Vollständigkeit und Interoperabilität zu testen und anzupassen, ohne wertvolle Zeit zu verlieren“, erklärt Thomas Knothe, Abteilungsleitung Geschäftsprozess- und Fabrikmanagement, Fraunhofer IPK.

So funktioniert die technische Prüfung

Wer die Testumgebung nutzt, konfiguriert zunächst seine Rolle, etwa als wirtschaftlicher Akteur, der Batterien in Verkehr bringt, und gibt den eigenen API-Endpunkt an, also die Schnittstelle, über die das System mit anderen Akteuren im DPP-Ökosystem kommuniziert. Dann werden die gewünschten Testszenarien ausgewählt und gestartet.

Das System prüft Schritt für Schritt, ob die eigene Lösung alle geforderten Aktionen korrekt ausführt: Wird die Batterie erfolgreich bei der EU-Registrierungsstelle angemeldet? Sind Backup-Anforderungen erfüllt? Stimmen Format und Zugriffsrechte? Neben der webbasierten Oberfläche gibt es auch eine API-Lösung für Entwicklerinnen und Entwickler, die die Testumgebung direkt in ihr eigenes System integrieren möchten. Langfristig ist eine Veröffentlichung als Open-Source-Lösung geplant.

Synergien zwischen Anwendung und Regulierung

Die Testumgebung hat einen Mehrwert, der über die reine Compliance-Prüfung hinausgeht: Die Erkenntnisse aus den Testdurchläufen fließen in die Weiterentwicklung der Regulierung ein. So lassen sich Regulierungslücken oder -ungenauigkeiten identifizieren und gezielt schließen. Das Ziel: Vorgaben, die sich eng an den tatsächlichen Anforderungen der Batterie- und Digitalwirtschaft ausrichten.

„Damit digitale Produktpässe ihr volles Potenzial als Enabler der Kreislaufwirtschaft entfalten können, ist der Erfolg des Batteriepasses als Pionierprojekt auf diesem Gebiet entscheidend. Die Testumgebung ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer anwendungszentrierten Einführung des Batteriepasses im Februar 2027. Sie liefert wertvolle Erkenntnisse für alle folgenden Produktpässe, die einen wichtigen Beitrag dazu leisten werden, Stoffkreisläufe sektorenübergreifend zu schließen“, so Thomas Knothe.

Offene Fragen: Dynamische Daten und CO₂-Fußabdruck

Nicht alle Anforderungen der Batterieverordnung sind heute schon eindeutig definiert. Zwei Punkte sorgen in der Industrie besonders für Diskussionsbedarf: die Aktualisierungsfrequenz dynamischer Daten und die Berechnung des CO₂-Fußabdrucks.

Dynamische Daten, allen voran der State of Health des Akkus, sollen regelmäßig aktualisiert werden. Wie häufig genau, ist regulatorisch nicht abschließend festgelegt. In der Praxis führt das dazu, dass manche Automobilhersteller die Daten bei jedem Ein- und Ausschalten aktualisieren – technisch weder sinnvoll noch skalierbar, aber aus Compliance-Vorsicht nachvollziehbar. Das Projektkonsortium arbeitet daran, hier praktikable Empfehlungen zu entwickeln.

Beim CO₂-Fußabdruck fehlen bislang einheitliche Berechnungsregeln. Im gestuften Ansatz der EU soll der Fußabdruck deshalb erst dann verpflichtend im Pass erscheinen, wenn die Methodik ausreichend harmonisiert ist.

Wer sollte jetzt aktiv werden?

Die Testumgebung steht allen relevanten Akteuren entlang der Batterie-Wertschöpfungskette offen: Herstellern, Importeuren, Recyclern, IT-Dienstleistern und Softwareanbietern. Der Zugang ist während der Projektphase kostenlos. Mehr als 100 assoziierte und Supporting-Partner haben das Projekt bereits mit ihren Anforderungsprofilen begleitet.

Für Nachhaltigkeitsverantwortliche ist die Botschaft klar: Die Testumgebung bietet die Möglichkeit, Systeme frühzeitig unter realistischen Bedingungen zu erproben – bevor der Regelbetrieb beginnt und Fehler teuer werden.

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