REACH-Verordnung: EU-Kommission aktualisiert Restrictions Roadmap
Was ist die Restrictions Roadmap?
Seit April 2022 gibt die Restrictions Roadmap der EU-Kommission einen Fahrplan vor, welche Stoffe unter der REACH-Verordnung auf eine Beschränkung zusteuern. Das Dokument ersetzt keine förmliche Beschränkung und ist rechtlich nicht bindend, es liefert aber Planungssicherheit für Unternehmen, Behörden und Verbände. Die Kommission betont in ihrem aktuellen Entwurf ausdrücklich, dass die Aufnahme eines Stoffs in die Liste noch keine Garantie für eine spätere Beschränkung ist. Assessments können auch dazu führen, dass ein Stoff über einen anderen Rechtsrahmen reguliert wird oder ganz von der Liste verschwindet.
Am 1. und 2. Juli 2026 wurde der überarbeitete Entwurf im Rahmen der 58. Sitzung der zuständigen Behörden für REACH und CLP vorgestellt. Neu ist vor allem die Struktur: Statt der bisherigen, oft als unübersichtlich kritisierten Einteilung in „Pools“ gliedert sich die Liste jetzt chronologisch nach dem Stand des jeweiligen Verfahrens.
Elf Beschränkungen seit 2022 verabschiedet
Seit der ersten Roadmap sind nach Angaben der Kommission bereits elf REACH-Beschränkungen final in Kraft getreten. Dazu zählen unter anderem PFAS in Feuerlöschschäumen, Mikroplastik, Formaldehyd sowie Blei in PVC. Zwei weitere Stoffe wurden stattdessen über die POPs-Verordnung reguliert, darunter Dechlorane Plus. Auch zwei Aktualisierungen der Beschränkung für krebserzeugende, erbgutverändernde und fortpflanzungsgefährdende Stoffe (CMR) für Verbraucherprodukte sind bereits umgesetzt und decken zusammen 48 neu eingestufte Stoffe ab.
Diese Stoffe stehen kurz vor dem Ziel
Sechs weitere Beschränkungen befinden sich in der finalen Entscheidungsphase und könnten noch in diesem Jahr verabschiedet werden. Dazu gehören Blei in Angelgeräten sowie Blei in Munition, eine weitere CMR-Beschränkung für 26 neu eingestufte Stoffe, Kreosot und kreosotbehandeltes Holz, das Flammschutzmittel Terphenyl (hydriert) sowie CMR-Stoffe in Kinderbetreuungsartikeln. Für Blei in Angelgeräten und die CMR-Beschränkung liegt bereits eine positive Abstimmung im REACH-Ausschuss vom 29. April 2026 vor, beide Verfahren durchlaufen aktuell die parlamentarische Kontrollfrist.
ECHA prüft drei besonders gewichtige Vorhaben
Parallel dazu laufen bei der Europäischen Chemikalienagentur ECHA noch drei Bewertungsverfahren, deren Ausgang für viele Branchen erhebliche Auswirkungen haben dürfte. Im Rahmen der sogenannten Universal-PFAS-Beschränkung soll die gesamte Stoffgruppe der per- und polyfluorierten Alkylverbindungen reguliert werden. Hinzu kommen eine geplante Beschränkung für sechswertige Chromverbindungen sowie für Octocrylen in Kosmetikprodukten. Für alle drei Verfahren erwartet die Kommission die ECHA-Gutachten noch im laufenden Jahr.
Neue Kandidaten: Bisphenole, Phthalate und Reifenchemikalien
Besonders spannend für vorausschauende Nachhaltigkeitsarbeit ist der Blick in die Anhänge der Roadmap. Dort listet die Kommission Stoffgruppen, für die eine Beschränkung zwar noch nicht beschlossen, aber bereits konkret in Vorbereitung ist. Dazu zählen Bisphenole mit hormonell wirksamen Eigenschaften, etwa in der Lederherstellung, bei Textilveredelungsmitteln, in Thermopapier und PVC-Erzeugnissen. Auch bestimmte Ortho-Phthalate, aromatische bromierte Flammschutzmittel sowie Organophosphor-Flammschutzmittel stehen auf der Beobachtungsliste.
Bemerkenswert ist zudem die geplante Beschränkung für 6PPD und verwandte para-substituierte Phenylendiamine, die vor allem in Autoreifen zum Einsatz kommen und im Verdacht stehen, Gewässerorganismen zu schädigen. Die Niederlande und Österreich arbeiten hier bereits am Beschränkungsdossier, das voraussichtlich im März 2027 eingereicht wird. Weitere Kandidaten mit langfristigem Beobachtungsstatus sind Hydrocarbylphenole, bestimmte Siloxane, Nickel in hautkontaktintensiven Artikeln sowie CMR-Stoffe in Textilien.
Was das für Nachhaltigkeitsverantwortliche bedeutet
Für Unternehmen lohnt sich ein regelmäßiger Blick in die Roadmap gleich doppelt. Zum einen liefert sie frühzeitige Signale, welche Rohstoffe und Zusatzstoffe mittelfristig ausgetauscht werden müssen, was Lieferketten und Produktentwicklung betrifft. Zum anderen zeigt sie, mit welcher Priorität die Kommission einzelne Stoffgruppen verfolgt, was wiederum Rückschlüsse auf realistische Übergangsfristen zulässt.
Das könnte Sie auch interessieren:
PFAS-Alternativen: „Nachhaltige“ Chemikalien im Fokus
„Das neue Asbest“: PFAS werden zum Milliarden-Risiko für Unternehmen
PFAS-Beschränkungen: Hintergründe, Folgen, Lösungsansätze (€)
-
Tschüss, Greenwashing-Siegel: Was ab September 2026 nicht mehr auf die Verpackung darf
83
-
REACH-Verordnung: EU-Kommission aktualisiert Restrictions Roadmap
19
-
Marginal Abatement Cost Curve (MACC): Vorteile und Anwendung
17
-
PPWR – wenn Nachhaltigkeit Kosten senkt
11
-
Schweiz reformiert Verpackungs- und Abfallrecht – Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft
9
-
Batteriepass ab 2027: Neue Testumgebung für Unternehmen ist online
8
-
Informationen zum Klimaschutz: China (CSDS) versus EU (ESRS)
8
-
Die strategische Bedeutung und Umsetzung von Transitionsplänen
7
-
EUDR – Welche Tools die Reportingpflicht erleichtern
6
-
Wasserstoff im Ofen: Der Feind bringt Hoffnung
6
-
VerpackDG: Was sich ab 12. August für Unternehmen ändert
10.08.2026
-
Ökologisches Konto überzogen: Der Erdüberlastungstag 2026
29.07.2026
-
EU-ETS vor dem Umbau: Was die Reform für Unternehmen bedeutet
21.07.2026
-
REACH-Verordnung: EU-Kommission aktualisiert Restrictions Roadmap
21.07.2026
-
Microsofts CO₂-Fußabdruck steigt um deutliche 25 Prozent
17.07.2026
-
Warum intelligente Lichtsteuerung zum Schlüssel nachhaltiger Nichtwohngebäude wird
16.07.2026
-
Kultur und Organisation: Erfolgsfaktoren für die Anpassung an den Klimawandel
16.07.2026
-
Risikomanagement und Klimawandelanpassung
16.07.2026
-
Klimawandelanpassung: Risiken für die Wertschöpfungskette und innovative Lösungsansätze
16.07.2026
-
Return on Resilience Investment (RORI): Wie sich Investitionen in Klimawandelanpassung lohnen
16.07.2026