PFAS-Alternativen: „Nachhaltige“ Chemikalien im Fokus
Chemikalien sind aus unserem Alltag kaum wegzudenken – sie sorgen für Haltbarkeit, Widerstandsfähigkeit und Funktionalität in Produkten wie Kleidung, Verpackungen und Haushaltsgegenständen. Doch viele dieser Stoffe, insbesondere die Gruppe der PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen), gelten als problematisch. PFAS sind extrem langlebig, bauen sich in der Umwelt kaum ab und können erhebliche Gesundheits- und Umweltschäden verursachen. Die europäische Chemikaliengesetzgebung nimmt diese sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ zunehmend ins Visier, wie Prof. Dr. Dirk Bunke in der aktuellen Folge des Podcasts „Wenden bitte!“ des Öko-Instituts erläutert.
Regulierung von Stoffgruppen: Ein Paradigmenwechsel
Früher wurden einzelne Chemikalien verboten, was häufig dazu führte, dass sie durch ähnliche Stoffe mit vergleichbaren Risiken ersetzt wurden. Heute liegt der Fokus auf der Regulierung ganzer Stoffgruppen. Ein Beispiel ist der aktuelle Beschränkungsvorschlag für PFAS unter der europäischen Chemikalienverordnung REACH, der seit 2023 diskutiert wird. Sollte die Regelung verabschiedet werden, könnten verwandte PFAS-Stoffe EU-weit eingeschränkt werden – auch in importierten Produkten. Übergangsfristen von bis zu zwölf Jahren und Ausnahmen für unverzichtbare Anwendungen sollen Unternehmen Zeit geben, Alternativen zu entwickeln.
Nachhaltigere Alternativen: Fortschritte und Herausforderungen
Für viele Anwendungen gibt es bereits PFAS-freie Alternativen. So wird Backpapier inzwischen vollständig ohne PFAS hergestellt, und Regenjacken können durch Wachse oder Silikon wasserabweisend gemacht werden. Dennoch gibt es technische Bereiche, wie Dichtungen in der Chemieindustrie, bei denen PFAS vorerst unverzichtbar bleiben. Prof. Dr. Bunke ist optimistisch: „Bei hundert Anwendungen wird man für 99 eine Alternative finden.“
Verbraucher und Politik als Treiber des Wandels
Die Nachfrage nach PFAS-freien Produkten kann den Wandel beschleunigen. Verbraucherinnen und Verbraucher können durch bewusste Kaufentscheidungen nachhaltige Alternativen fördern, unterstützt durch Umweltsiegel. Doch auch politische Maßnahmen sind entscheidend: „Neue Chemikalien haben es schwer, sich wirtschaftlich gegen etablierte Stoffe durchzusetzen“, erklärt Prof. Dr. Bunke. Förderprogramme könnten helfen, Ersatzstoffe schneller zu etablieren. Das vom Umweltbundesamt herausgegebene Online-Tool „ChemSelect“ bietet Unternehmen Unterstützung bei der Auswahl möglichst nachhaltiger Chemikalien.
Der Ersatz von PFAS durch nachhaltigere Alternativen ist also machbar– wenn Unternehmen, Verbraucher und Politik gemeinsam handeln. Die Regulierung ganzer Stoffgruppen und die Förderung innovativer Ersatzstoffe sind zentrale Hebel, um die Chemikalienindustrie zukunftsfähig zu gestalten.
Das könnte Sie auch interessieren:
-
Tschüss, Greenwashing-Siegel: Was ab September 2026 nicht mehr auf die Verpackung darf
85
-
EUDR-Update: Kommission legt Vereinfachungspaket vor
28
-
Wasserstoff im Ofen: Der Feind bringt Hoffnung
18
-
Marginal Abatement Cost Curve (MACC): Vorteile und Anwendung
17
-
Die strategische Bedeutung und Umsetzung von Transitionsplänen
14
-
In vier Schritten zur Klimarisikoanalyse
10
-
Kreislaufwirtschaft - die "7 R"
10
-
PPWR in der Praxis – Handlungsempfehlungen für Verpackungshersteller und Produktverkäufer
10
-
Biotope statt Beton: Umweltminister Schneider kündigt Gesetz zur „Natürlichen Infrastruktur“ an
10
-
Auswirkungen der PPWR auf die Industrie
9
-
Batteriepass ab 2027: Neue Testumgebung für Unternehmen ist online
24.06.2026
-
Quo Vadis Carbon Accounting?
16.06.2026
-
Wasserstoff im Ofen: Der Feind bringt Hoffnung
12.06.2026
-
Unternehmen ohne Hitzeschutz: Ertrag und Wirtschaftlichkeit drohen dahinzuschmelzen
11.06.2026
-
Schutz vor Hitze am Arbeitsplatz ist eine Führungsaufgabe
11.06.2026
-
„Beschwerdeverfahren sind das wichtigste Instrument für Risiken bei indirekten Lieferanten“
02.06.2026
-
PIK-Studie errechnet möglichen Dominoeffekt des Klimazolls
01.06.2026
-
Klimaanpassung: vom Kostenposten zur Investition
28.05.2026
-
Product Carbon Footprint: Schlüssel zur Klimaneutralität von Produkten
26.05.2026
-
Tag der biologischen Vielfalt: Was Unternehmen zum Schutz der Artenvielfalt tun können
22.05.2026