Transparenz und Steuerung

Product Carbon Footprint: Schlüssel zur Klimaneutralität von Produkten


Product Carbon Footprint: Schlüssel zur Klimaneutralität

Der Product Carbon Footprint (PCF) umfasst sämtliche Treibhausgasemissionen im Zusammenhang eines Produktes. Er dient als Instrument, um die Klimawirkung von Produkten zu bewerten. Der Artikel zeigt, wie der PCF gemessen wird, welche Bedeutung er für den Klimaschutz hat und wie Unternehmen Emissionen auf Produktebene senken können.

Eine zentrale Folge wirtschaftlichen Handelns ist der Ausstoß von Treibhausgasen. Der Product Carbon Footprint beschreibt die Summe der Emissionen, die durch die Herstellung, Nutzung, Verwertung und Entsorgung eines Produktes entstehen. Damit wird der PCF zu einer verlässlichen Kennzahl für die Klimawirkung und Bewertung der Klimaneutralität einzelner Produkte oder Dienstleistungen. Übersetzt als „CO₂-Fußabdruck eines Produkts“ berücksichtigt der Product Carbon Footprint neben dem Kohlendioxid (CO2) auch andere klimaschädliche Gase, wie Methan, Lachgas, Schwefelhexafluorid, Fluorkohlenwasserstoffe und Perfluorcarbone. Sie werden in CO₂-Äquivalenten (CO2e) umgerechnet und angegeben. Der PCF ist damit ein wichtiges Instrument im Nachhaltigkeitsmanagement, um Transparenz zu schaffen und informierte Kauf- und Investitionsentscheidungen zu ermöglichen. 

Product Carbon Footprint versus Corporate Carbon Footprint 

Der PCF ist klar vom Corporate Carbon Footprint (CCF) zu unterscheiden. Während der PCF die Klimabilanz auf Produktebene darstellt, misst der CCF sämtliche Treibhausgasemissionen, die durch die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens entstehen. Dazu gehören direkte Emissionen aus der Produktion, aber auch indirekte aus vor- und nachgelagerten Prozessen oder aus eingekaufter Energie. 

Für Unternehmen ergibt sich ein Mehrwert aus beiden Perspektiven: Der CCF unterstützt beim Setzen von Reduktionszielen auf Unternehmensebene, während der PCF hilft, konkrete Produktstrategien zu entwickeln und nachhaltige Innovationen gezielt zu fördern.  

Der PCF als Instrument für den Klimaschutz  

Treibhausgase wie Kohlendioxid, Methan und Lachgas tragen wesentlich zur globalen Erwärmung bei. Bereits ein Anstieg von nur zwei Grad Celsius hätte gravierende Folgen für Ökosysteme, Wirtschaft und Gesellschaft. Das Pariser Klimaabkommen verpflichtet die Mitgliedsstaaten deshalb, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Unternehmen stehen damit unter wachsendem Druck, ihre Emissionen systematisch zu reduzieren. Die Berechnung des Product Carbon Footprint liefert dafür eine wissenschaftlich fundierte Grundlage. Indem Unternehmen ihre Treibhausgasemissionen messen, können sie Reduktionsmaßnahmen ableiten und die Transformation zu klimafreundlichen Produkten aktiv vorantreiben. 

Wie wird der Product Carbon Footprint berechnet?  

Als CO2-Bilanz auf Produktebene ist der PCF eine Anwendung der Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment, LCA). Betrachtet wird ebenfalls der komplette Produktlebenszyklus:  

  • Rohstoffgewinnung – wie Anbau, Ernte oder Bergbau 
  • Herstellung – Bearbeitung, Montage, Lagerung und Transporte 
  • Distribution – Lagerung, Umschlag und Logistik 
  • Nutzung – inklusive Wartung, Transport zum Endverbraucher oder Reparaturen 
  • Entsorgung – Recycling, Abfalltransport oder thermische Verwertung 

Je nach Bedarf wird der gesamte Lebenszyklus „von der Wiege bis zur Bahre“ (Cradle-to-Grave) oder ein Teil „von der Wiege bis zum Werkstor“ (Cradle-to-Gate) analysiert. Im Gegensatz zu einer vollständigen Ökobilanz legt der PCF den Fokus auf die Treibhausgasemissionen und gibt diese in CO2-Äquivalenten an. 

Standards und Tools für die Berechnung und Bewertung 

Anerkannte Standards gewährleisten Vergleichbarkeit und Glaubwürdigkeit bei der Bewertung der Treibhausgasemissionen. Um den PCF zu berechnen, wird aktuell die DIN-Norm ISO 14067 verwendet. Sie basiert auf der international einheitlichen Quantifizierung der CO2-Bilanz von Produkten und Dienstleistungen PAS 2050 und auf dem Greenhouse Gas Protocol (GHG) als einer standardisierten Methode, um Treibhausgasemissionen zu messen und darüber zu berichten. 

Für die praktische Umsetzung stehen verschiedene Tools und Softwarelösungen zur Verfügung. Ausschlaggebend sind vor allem die Branche, die Größe und die spezifischen Anforderungen des Unternehmens. Während beispielsweise Ecochain Mobius, Arbor oder OpenLCA detaillierte Analysen für größere Unternehmen ermöglichen, empfiehlt sich der 2030 Calculator kleineren Betrieben für einen unkomplizierteren Einstieg. Entscheidend ist, dass die gewählte Lösung die relevanten Standards unterstützt und branchenspezifische Anforderungen abbilden kann. 

Warum ist es wichtig, den PCF zu messen? 

In einer Wirtschaft mit wachsendem Bewusstsein für den Klimawandel und nachhaltige Produkte, bringt der Product Carbon Footprint Unternehmen klare Vorteile:  

  • Transparenz: Er legt Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette offen. Das fördert Vertrauen bei umweltbewussten Kunden, Investoren und Partnern. Markenimage und Kundenbindung werden gestärkt.  
  • Wettbewerbsvorteil: Mit einem Product Carbon Footprint demonstrieren Unternehmen, dass sie sich für den Klimaschutz engagieren und heben sich so vom Wettbewerb ab. Nachhaltigkeitsleistungen stärken generell das Markenimage und die Kundenbindung. So kann auch die klimafreundliche Gestaltung von Produkten Unternehmen Wettbewerbsvorteile verschaffen. 
  • Kostensenkung: Indem Emissionsquellen identifiziert werden, lassen sich Ressourcen optimieren und Kosten einsparen.   
  • Regulatorische Sicherheit: Vorgaben wie die EU-CSRD verpflichten Unternehmen, ihre Klimabilanz zu dokumentieren. 

Mit steigendem Interesse an klimafreundlichen Produkten, sowohl von Konsumenten als auch von Investoren, wird der PCF damit zu einem strategischen Steuerungsinstrument, das ökonomische und ökologische Vorteile verbindet. 

Wie können Unternehmen ihren Product Carbon Footprint reduzieren? 

Indem Unternehmen den PCF auf Produktebene erfassen, werden Bereiche deutlich, in denen sich Emissionen senken lassen: 

  • Materialwahl: Einsatz von emissionsarmen Rohstoffen, Recyclingmaterialien oder biobasierten Alternativen 
  • Produktionsprozesse: Steigerung der Energieeffizienz, etwa durch energieeffiziente Technologien und Verfahren, zum Beispiel durch LED-Technik 
  • Energiequellen: Umstellung auf erneuerbare Energien wie Wind- oder Solarstrom, auch in der Lieferkette 

Zertifizierung und Kommunikation: Vertrauen stärken, Wettbewerbsvorteile sichern 

Nachhaltigkeit gewinnt an Wirkung, wenn sie nachvollziehbar kommuniziert wird. Indem Unternehmen ihren Product Carbon Footprint offenlegen, schaffen sie eine Basis für mehr Vertrauen bei Kunden, Investoren und Partnern. Zudem lassen sich damit Wettbewerbsvorteile realisieren. Labels und Zertifizierungen können diesen Prozess unterstützen. Dafür hat die EU klare Vorgaben gegen Greenwashing geschaffen: Für Umweltaussagen wie „klimaneutral“, „CO₂-neutral“ oder „Climate Neutral Certified“ müssen klare, überprüfbare und wissenschaftlich fundierte Belege existieren. Gleichzeitig muss der gesamte Produktlebenszyklus berücksichtigt sein und angegeben werden, worin genau die Umweltfreundlichkeit besteht. Unternehmen, die mit der Klimaneutralität von Produkten werben, müssen ganz klar sagen, wie sie diese erreichen – sei es durch Vermeidung, Reduktion oder durch den Einsatz von Kompensationsmaßnahmen. Zugleich werden nur Zertifikate anerkannt, die auf unabhängigen Prüfungen und internationalen Standards wie ISO 14024 basieren. 

Product Carbon Footprint – vom Messwert zum Managementinstrument 

Der Product Carbon Footprint ist eine zentrale Kennzahl moderner Nachhaltigkeitsstrategien. Er macht die Klimawirkung eines Produkts messbar, schafft Transparenz und eröffnet Unternehmen konkrete Handlungsoptionen. Auf Basis der Lebenszyklusanalyse lassen sich Treibhausgasemissionen systematisch erfassen und Reduktionsmaßnahmen umsetzen. Für Unternehmen bringt das auch klare Wettbewerbsvorteile. Wer den PCF konsequent berechnet, Emissionen reduziert und die Ergebnisse glaubwürdig kommuniziert, leistet einen Beitrag zum Klimaschutz. Außerdem positionieren sich solche Unternehmen zugleich als Vorreiter in einem Markt, der zunehmend Wert auf Nachhaltigkeit legt. 


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