Klimastrategien - von regulatorischer Pflichtübung zum wichtigen Werttreiber

Kulturwandel und Kompetenzaufbau im Unternehmen fördern


Luftaufnahame strasse durch wald

Klimastrategie ist mehr als CO₂-Bilanz: Wie Unternehmen Kulturwandel anstoßen, Kommunikationsfallen umgehen und aus Klimarisiken echte Wettbewerbsvorteile machen – mit konkreten Handlungsempfehlungen für die Praxis.

Die erfolgreiche Umsetzung einer Klimastrategie erfordert nicht nur technische Veränderungen, sondern auch einen kulturellen Wandel innerhalb der Organisation. Ein wichtiger Baustein dafür ist der Aufbau von Wissen und Kompetenzen. Viele Mitarbeitende haben bisher nur begrenzte Berührungspunkte mit Klimathemen. Gezielte Schulungsprogramme können dabei helfen, ein grundlegendes Verständnis zu schaffen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Einführungsworkshops zu Klimarisiken und Klimaschutz,
  • spezifische Trainings für einzelne Unternehmensbereiche oder
  • Schulungen zu nachhaltigen Beschaffungspraktiken

Ein weiteres wirkungsvolles Instrument sind sogenannte Green Teams. Dabei handelt es sich um freiwillige Initiativen aus der Belegschaft, die Ideen für nachhaltige Maßnahmen im Unternehmen entwickeln. Diese Initiativen können dazu beitragen, Klimathemen stärker im Unternehmensalltag zu verankern. Darüber hinaus sollten Unternehmen klare Anreizsysteme schaffen. Mitarbeitende müssen erkennen, dass ihr Engagement für Klimaziele auch organisatorisch wertgeschätzt wird.

Nachhaltigkeitsgremien bei Gira: Emissionstreiber gemeinsam adressieren:

In unseren Nachhaltigkeitsgremien überprüfen und priorisieren wir die Reduktionsziele regelmäßig. Zur Identifikation konkreter Hebel setzen wir auf Hot-Spot-Analysen, die aufzeigen, wo die größten Emissionstreiber entlang unserer Wertschöpfungskette liegen. Ergänzend fließen Ideen unserer Mitarbeitenden ein – ein bewusster Ansatz, um das operative Know-how unserer Belegschaft zu nutzen und gleichzeitig die Akzeptanz für Veränderungen zu stärken. Die so identifizierten Maßnahmen – ob groß oder klein – prüfen wir auf ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit. Lassen sie sich als Business Cases realisieren, setzen wir sie projektorientiert um. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Bau unseres eigenen Solarparks im Jahr 2025, der einen direkten Beitrag zur Reduktion unserer Scope-1- und Scope-2-Emissionen leisten soll.

(Dario Hudr, Referent Unternehmenskommunikation, Gira Giersiepen GmbH & Co)

Herausforderung 6: Kommunikationsbarrieren

(Klima-)Kommunikation stellt Unternehmen vor besondere Herausforderungen. Einerseits erwarten Stakeholder zunehmend transparente Informationen über Klimaziele und Fortschritte. Andererseits wächst die Sensibilität gegenüber möglichen Greenwashing-Vorwürfen. Viele Unternehmen befinden sich daher in einem Spannungsfeld zwischen Transparenz und Vorsicht. Kommunikationsabteilungen fragen sich daher oft:

  • Welche Aussagen zu Klimazielen sind rechtlich zulässig?
  • Wie detailliert müssen Fortschritte berichtet werden?
  • Wie gehen wir mit Unsicherheiten oder Zielabweichungen um?

Regulatorische Entwicklungen wie die Green Claims Directive/EmpCo oder neue Anforderungen im Wettbewerbsrecht erhöhen die Anforderungen an klimabezogene Kommunikation zusätzlich. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Aussagen wissenschaftlich fundiert und nachvollziehbar belegt sind. Auch intern entsteht Kommunikationbedarf. Komplexe Klimathemen müssen so erklärt werden, dass Mitarbeitende sie verstehen und in ihrem Arbeitsalltag berücksichtigen können. Im Unternehmensalltag zeigt sich daher häufig, dass erfolgreiche Klimastrategien nicht nur technische oder organisatorische Veränderungen erfordern, sondern auch eine gezielte Kommunikationsstrategie.

Transparente und dialogorientierte Kommunikation etablieren

Eine glaubwürdige Klimastrategie erfordert eine transparente Kommunikation gegenüber internen und externen Stakeholdern. Intern sollten Unternehmen regelmäßig über Ziele, Fortschritte und Herausforderungen informieren. Formate wie Townhall-Meetings oder interne Kampagnen können dabei helfen, Mitarbeitende aktiv einzubinden und Commitment zu schaffen. Extern erwarten Investoren, Kunden oder Shareholder zunehmend transparente Informationen über Klimastrategien. Nachhaltigkeitsberichte nach anerkannten Standards – etwa ESRS oder TCFD – können dabei eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig sollten Unternehmen darauf achten, komplexe Informationen verständlich aufzubereiten. Infografiken, kurze Videos oder interaktive Formate können helfen, Klimathemen zugänglicher zu machen. Eine offene Kommunikation über Herausforderungen und Zielabweichungen kann zudem Vertrauen schaffen und Greenwashing-Vorwürfen vorbeugen.

Fazit: Klimastrategien sind ein Erfolgsfaktor

Der Klimawandel stellt Unternehmen vor enorme Herausforderungen – eröffnet zugleich aber auch neue Chancen für Innovation, Transformation und nachhaltiges Wachstum. Eine integrierte Klimastrategie kann gezielt dazu beitragen, Risiken frühzeitig zu erkennen, neue Marktpotenziale zu erschließen und Resilienz zu stärken. Unternehmen, wie Gira, die Klimaaspekte frühzeitig und konsequent in ihre Geschäftsstrategie integrieren, sichern sich damit nicht nur regulatorische Konformität, sondern auch langfristige Wettbewerbsvorteile.

Handlungsempfehlungen für die Unternehmensführung

Für das Management und Führungskräfte lassen sich darüber hinaus ganz konkrete Handlungsempfehlungen ableiten:

  1. Integrierte Strategieentwicklung: Klimathemen strategisch verankern und mit der Unternehmensstrategie und entsprechenden Zielsetzungen verzahnen
  2. Klare Governance-Strukturen etablieren: Eindeutige Verantwortlichkeiten und Entscheidungsstrukturen definieren
  3. Datengrundlagen kontinuierlich verbessern: Hochwertige Klimabilanzen inkl. Scope 3-Wesentlichkeitsanalysen erstellen sowie Klimaszenario- und Resilienzanalysen durchführen (anschließendes Monitoring).
  4. Stakeholder aus Liefer- und Wertschöpfungsketten aktiv einbinden und Partnerschaften zur Emissions- und Risikoreduktion entwickeln
  5. Mitarbeitende einbeziehen und Kompetenzen im Unternehmen systematisch aufbauen
  6. Transparente Kommunikation sicherstellen und Fortschritte offen darstellen

Wer diese Schritte konsequent verfolgt, schafft die Grundlage für eine Klimastrategie, die nicht nur regulatorischen Anforderungen entspricht, sondern langfristig auch wirtschaftlichen Mehrwert für das Unternehmen schafft.

Schlagworte zum Thema:  Klimawandel , Klimaschutz
0 Kommentare
Das Eingabefeld enthält noch keinen Text oder nicht erlaubte Sonderzeichen. Bitte überprüfen Sie Ihre Eingabe, um den Kommentar veröffentlichen zu können.
Noch keine Kommentare - teilen Sie Ihre Sicht und starten Sie die Diskussion