EUDR – Welche Tools die Reportingpflicht erleichtern
Die EUDR verfolgt ein klares Ziel: Unternehmen sollen verhindern, dass Produkte aus entwaldeten oder degradierten Flächen auf den EU-Markt gelangen. Damit adressiert die Verordnung zentrale Treiber des Klimawandels und des Biodiversitätsverlusts. Konkret betrifft sie Rohstoffe und daraus hergestellte Produkte wie Holz, Soja, Rindfleisch, Palmöl, Kakao, Kaffee und Kautschuk. Unternehmen müssen nachweisen, dass diese Produkte nicht von Flächen stammen, die nach dem 31. Dezember 2020 entwaldet wurden.
Gleichzeitig hat die EU die Anforderungen zuletzt deutlich angepasst: Die Anwendungsfristen der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) wurden um ein Jahr auf dem 30. Dezember 2026 verschoben, was Unternehmen mehr Zeit zur Vorbereitung gibt. Kleine Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten und einem Jahresumsatz unter 10 Millionen Euro müssen sogar erst am dem 30. Juni 2027 EUDR-konform handeln. Zudem folgt die Verordnung stärker einem „Once-only“-Prinzip – die Sorgfaltserklärung erstellt primär der erste Inverkehrbringer, während nachgelagerte Akteure vor allem Referenzen weitergeben. Für Unternehmen reduziert das den administrativen Aufwand – gleichwohl bleibt die EUDR für betroffene Unternehmen eine komplexe Herausforderung, die sich händisch in der Regel nur schwer stemmen lässt. Hier kommt Software ins Spiel, welche die Umsetzung der EUDR erheblich vereinfachen kann.
Die individuelle Situation analysieren
„Allerdings sollte die Frage nicht nur lauten, wie man eine Regulierung formal erfüllt, sondern was diese Regulierung für das Produkt bedeutet“, sagt Heiko Rittweger, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Rittweger + Team. Wenn beispielsweise ein Rohstoff aus einem Risikogebiet kommt, kann es Rittweger zufolge mitunter sinnvoller sein, das Material oder die Produktgestaltung zu ändern, statt sich dauerhaft mit aufwendigen Nachweispflichten zu beschäftigen. „Erst wenn diese beiden Ebenen zusammengebracht werden, entsteht eine tragfähige Grundlage.“
Erst wenn diese beiden Ebenen zusammengebracht werden, entsteht eine tragfähige Grundlage.
Aber spätestens, wenn ein Unternehmen zigtausende Produkte verwaltet, wird es ohne leistungsfähige Software nicht auskommen. Solche Größenordnungen sind im Handel oder bei großen Zulieferern nicht ungewöhnlich. „Man muss sehr genau die individuelle Situation analysieren. Jedes Unternehmen hat andere Anforderungen und benötigt andere Lösungen“, sagt Rittweger.
EUDR: Vielfältiger Tool-Markt
Hat die Analyse ergeben, dass eine EUDR-Software hilfreich wäre, hat man bei der Auswahl des passenden Tools die Qual der Wahl – Schätzungen zufolge kann man aus 30 bis 40 Lösungen allein im deutschen Markt wählen. Generell lässt sich zwischen speziellen EUDR-Lösungen und ESG-Compliance-Lösungen mit integrierten EUDR-Modulen unterscheiden.
Einige der expliziten EUDR-Tools wie Sourcemap, BanQu oder Osapiens fokussieren darauf, Transparenz in die Lieferkette zu bringen. Der Osapiens HUB ist beispielsweise eine cloudbasierte Technologieplattform, die verschiedene Komponenten bereitstellt, mit der alle Beteiligten der Wertschöpfungskette unterstützt werden. Vom Supplier Onboarding bis zu den Sorgfaltserklärungen wird der komplette EUDR-Workflow abgedeckt. Unter anderem können Lieferanten benötigte Daten über eine mobile App und Standardschnittstellen erfassen.
Andere Tools setzen eher am Satelliten-Monitoring an. EasyTrace, LiveEO, Nadar oder Satelligence helfen beispielsweise dabei, nachzuweisen, dass auf einer Fläche nach dem Stichtag (31.12.2020) keine Entwaldung stattgefunden hat. Dabei werden die gewünschten Geokoordinaten mit historischen Waldverlust-Daten abgeglichen, was eine automatisierte Risikobewertung des Herkunftsgebietes ermöglicht. Trotz der unterschiedlichen Schwerpunkte ist allen EUDR-Lösungen gemein, dass sie insgesamt alle wesentlichen Anforderungen des EUDR-Prozesses abdecken.
Explizite EUDR-Lösungen unterstützen den kompletten Prozess
Generell unterstützen EUDR-Lösungen Unternehmen in vielen Belangen: besonders hilfreich sind sie, wenn dadurch manuelle Tätigkeiten entfallen – beispielsweise, indem sie die Informationserfassung von Lieferanten automatisieren und die Lieferkette rückverfolgbar automatisiert dokumentieren. Mithilfe von Satelliten-Daten kann mit den Tools nachgewiesen werden, ob eine Produktionsfläche nach dem Stichtag entwaldet wurde oder nicht, außerdem werden die Risiken automatisiert ermittelt.
Viele Lösungen helfen außerdem dabei, die höchst umfangreichen ESG-relevanten Daten zu managen. Über passende Schnittstellen können beispielsweise Daten aus dem ERP-Systems eines Unternehmens importiert oder für die weitere Nutzung in ESG-Reportings exportiert werden. Viele dieser Tools können sogar automatisiert Due Diligence Berichte (DDS) bereitstellen, welche die dazu verpflichteten Unternehmen über Traces, dem zentralen digitalen Informationssystem der EU, einreichen müssen. Diese Einreichung wird von den Tools in der Regel über eine entsprechende Schnittstelle zum EU-Portal unterstützt.
Insbesondere große Unternehmen und Konzerne mit sehr vielen Lieferanten und mehrstufigen Lieferketten profitieren von der Leistungsfähigkeit von EUDR-Lösungen. So verfügt beispielsweise die EUDR-Lösung von IntegrityNext über ein sehr großes Lieferanten-Netzwerk: Mehr als 2,8 Millionen Lieferanten sind dort bereits registriert, entsprechend entfallen langwierige Onboarding-Zyklen. Das Entwaldungsrisiko wird hier mit einer KI-gestützte Satellitenüberwachung analysiert und diverse Schnittstellen sorgen dafür, dass die Lösung, die sich an große Importeure, Exporteure und Hersteller richtet, mit den vorhandenen Unternehmenssystemen integriert werden kann.
EUDR-Modul an Bord: All-In-One-Lösungen reduzieren Fragmentierung
Neben solchen EUDR-Tools bieten auch klassische ESG-All-In-One-Lösungen EUDR-Module an, die den kompletten EUDR-Prozess abdecken: Das EUDR-Modul von Verso beispielsweise richtet sich an Unternehmen aller Größen und deckt mit seinen Features ebenfalls das komplette Spektrum ab: von den Geodaten über Risikobewertung bis zur Sorgfaltspflicht. Dank einer Partnerschaft mit dem Geodaten-Spezialisten Geocledian ist auch hier eine automatisierte und prüfungssichere Geodaten-Validierung möglich. Auch der ESG-Softwareanbieter Leadity arbeitet mit Geocledian zusammen und kann so im Rahmen seiner EUDR-Lösung eine satellitengestützte Geodaten-Analyse anbieten. Besteht nach der Analyse Bedarf, Risiken zu minimieren, können Unternehmen alle Maßnahmen – zum Beispiel Selbstauskünfte, Fragebögen oder Zertifikate – direkt in der Plattform steuern und dokumentieren. Gegenüber EUDR-Speziallösungen haben ESG-All-in-One-Lösungen den Vorteil, dass sich dieselbe Software auch für ESG-Reporting, CO₂-Bilanzierung, Lieferkettenanalyse und ISO-Management nutzen lässt, was den Tool-Stack übersichtlicher macht.
EUDR-Lösung: Darauf sollten Sie achten
Doch egal, ob man sich für eine spezielle EUDR-Lösung oder eine ESG-Komplett-Lösung entscheidet – bei der Auswahl der Software sollte darauf geachtet werden, dass folgende Funktionen angeboten werden:
- Skalierbarkeit & Lieferanten-Onboarding: Da viele benötigte Informationen direkt von den Lieferanten stammen müssen, ist ein strukturiertes Onboarding die Grundlage für eine rechtssichere Lieferkette. Eine automatisierte Datenerfassung über Schnittstellen oder mehrsprachige Fragebögen können dabei helfen.
- Validierung der Geodaten: Das Tool sollte automatisch prüfen, ob ein Polygon, das eine bestimmte Fläche abbildet, „Sinn ergibt“ (z. B. liegt die Fläche im Meer oder in einer Stadt?).
- Abgleich mit Satelliten-Aufnahmen und Risiko-Analyse: Um nachzuweisen, dass auf einer Fläche nach dem Stichtag (31.12.2020) keine Entwaldung stattgefunden hat, sollte das Toll ein Satelliten-Monitoring und eine automatisierte Risiko-Analyse ermöglichen.
- Integration in die bestehende IT-Landschaft: Um Datensilos zu vermeiden und Prozesse zu automatisieren, sollten sich EUDR-Lösungen mit anderen Lösungen über entsprechende Schnittstellen gut vernetzen lassen. Insbesondere muss die gewählte Lösung optimal mit der vorhandenen ERP-Landschaft integrierbar sein.
- Traces-Anbindung: Das EUDR-Tool sollte in der Lage sein, Due-Diligence-Berichts-Daten direkt oder über kompatible Exporte an das obligatorische EU-Traces-System zu übermitteln. Ohne diese Schnittstelle bleibt die manuelle Arbeit für die von der Berichtspflicht betroffenen Unternehmen trotz Software hoch.
Die Offenheit und Integrationsfähigkeit einer Lösung ist oft wichtiger als eine vermeintlich allumfassende Einzellösung.
Doch nicht nur auf die EUDR-Funktionalitäten für die Berichtspflicht sollte geachtet werden. „Im Kern geht es für ein Unternehmen darum, zwei Datenstränge zusammenzuführen“, sagt Rittweger. Auf der einen Seite stehen die Produktdaten, also Materialien, Inhaltsstoffe und Herkunft. Auf der anderen Seite stehen die Lieferanten- und Unternehmensdaten, bei denen es um Compliance, Risiken und Nachweise geht. „Erst wenn diese beiden Ebenen zusammengebracht werden, entsteht eine tragfähige Grundlage“, sagt Rittweger. Die Anbindung an das ERP-System – in dem unter anderem die Produktdaten abgelegt werden – spielt daher eine wichtige Rolle. Die Schnittstellenfähigkeit der EUDR-Lösungen ist nach den Erfahrungen von Rittweger generell ein zentrale Punkt. Oft müssten unterschiedliche Systeme kombiniert werden, um die Anforderungen eines Unternehmens zu erfüllen. „Die Offenheit und Integrationsfähigkeit einer Lösung ist oft wichtiger als eine vermeintlich allumfassende Einzellösung“, so der Experte.
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