Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / III. Übernachtungskosten
 

Rz. 110

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Zu den als WK abziehbaren Reisekosten zählen auch die tatsächlich entstandenen notwendigen Mehraufwendungen für eine Unterbringung zur Übernachtung außerhalb der eigenen Wohnung während einer (idR mehrtägigen) Auswärtstätigkeit (vgl § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 5a EStG). Hierher gehören auch Aufwendungen für eine Übernachtung eines ArbN mit typischerweise ständig wechselnder Tätigkeitsstätte oder anderer ArbN ohne erste Tätigkeitsstätte (kein Fall der doppelten Haushaltsführung; > Rz 23). Die mit einer solchen Auswärtstätigkeit verbundenen Übernachtungskosten sind ohne zeitliche Begrenzung als WK abziehbar (BFH 209, 502 = BStBl 2005 II, 782). Nach Ablauf von 48 Monaten einer längerfristigen beruflichen Tätigkeit an derselben inländischen Tätigkeitsstätte ist jedoch eine Begrenzung der Höhe nach zu beachten (> Rz 121). Bei einer Entsendung des ArbN ins Ausland ist deren Dauer dem Entsendungsvertrag zu entnehmen; ergänzende Vereinbarungen mit dem aufnehmenden Betrieb bleiben insoweit unberücksichtigt (vgl BMF vom 24.10.2014 Rz 21, BStBl 2014 I, 1412; Golenia/Petrika, DB 2014, 2365).

 

Rz. 111

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Für die Dauer der Benutzung eines Beförderungsmittels darf eine Übernachtungspauschale nicht angesetzt werden, zB während eines Interkontinentalflugs; das gilt auch für die Übernachtung im Schlafabteil eines Kfz/LKW/Bus; selbst ein Berufskraftfahrer darf keine Pauschale ansetzen, sondern nur – ggf geschätzte – tatsächliche Kosten (BFH 237, 82 = BStBl 2012 II, 926; BMF-Schreiben vom 04.12.2012, BStBl 2012 I, 1249). Abziehbar sind aber zusätzliche Aufwendungen für den Schlafwagen der Bahn oder für eine Schiffskabine, soweit sie nicht in den Fahrtkosten enthalten sind. Auch wenn der ArbN die ihm vom ArbG angebotene Übernachtungsmöglichkeit ausschlägt und auf eigene Kosten eine andere Unterkunft anmietet, kann er die ihm entstandenen Übernachtungskosten als WK geltend machen (EFG 1994, 238). Bei Übernachtung im arbeitnehmereigenen oder vom ArbG gestellten (vgl EFG 2004, 1256) Wohnmobil werden Aufwendungen uE aber nicht abgezogen; hier entstehen keine besonderen Aufwendungen, sondern sie werden nur erspart; das gilt selbst dann, wenn dafür tarifvertraglich Auslösungen vorgesehen sind (vgl LArbG HE vom 09.02.2001, DB 2001, 2406).

 

Rz. 112

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Abziehbare Aufwendungen entstehen dem ArbN wegen § 3c Abs 1 EStG (> Rz 41) nur, soweit sie der ArbG nicht nach § 3 Nr 13 oder Nr 16 EStG steuerfrei erstattet hat (> R 9.7 Abs 2 LStR). Bei kostenloser Unterbringung durch den ArbG entstehen dem ArbN gar keine Aufwendungen (vgl BFH 230, 542 = BStBl 2011 II, 288). Ebenso ist es uE, wenn anstelle des ArbG ein Dritter, zB der Auftraggeber, für den ArbG und für dessen Rechnung die Unterkunft kostenlos oder verbilligt zur Verfügung stellt oder dem ArbN seine Aufwendungen ganz oder teilweise ersetzt. Dann darf der ArbG eine Übernachtungspauschale nicht steuerfrei zahlen (> R 9.7 Abs 3 Satz 6 LStR). Ersetzt der Dritte aber dem ArbN dessen Hotelkosten auf eigene Rechnung, so ist dieser Aufwendungsersatz nicht steuerfrei, sondern gehört zum > Arbeitslohn Rz 155 f; denn § 3 Nr 16 EStG gilt nur für den ArbG selbst. Der ArbN kann die Übernachtungskosten deshalb hier als WK geltend machen; die Aufwendungen hängen nicht mit steuerfreien Einnahmen zusammen; § 3c Abs 1 EStG ist nicht anwendbar.

 

Rz. 113

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Bei einer Übernachtung im Inland oder im Ausland sind WK die tatsächlichen beruflich bedingten Aufwendungen, die dem ArbN für die persönliche Inanspruchnahme einer Unterkunft zur Übernachtung entstehen (> § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 5a Satz 2 EStG; > R 9.7 Abs 1 Satz 1 LStR; > Rz 115). Hierzu gehören die Kosten für ein Hotelzimmer, Mietaufwendungen für ein Zimmer oder eine Wohnung sowie zugehörige Nebenleistungen (zB Kultur- und Tourismusförderabgabe, Kur- oder Fremdenverkehrsabgabe, bei Auslandsübernachtungen die besondere Kreditkartengebühr bei Zahlungen in Fremdwährungen), bei Anschaffung einer Wohnung am Tätigkeitsort die Abschreibung der Anschaffungskosten sowie die laufenden Kosten. Garagen-/Stellplatzkosten sind hingegen Reisenebenkosten (> Rz 125).

 

Rz. 113/1

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Auf den Ansatz der Pauschalen für Übernachtungskosten (> R 9.7 Abs 3 LStR) hat der ArbN keinen Anspruch. Sie dienen nur einem vereinfachten Nachweis der Aufwendungen für den LSt-Abzug durch den ArbG. Diese Übernachtungspauschalen kann der ArbG aus Vereinfachungsgründen statt der tatsächlich angefallenen Kosten steuerfrei erstatten. Für Übernachtungen im Inland beträgt die Übernachtungspauschale 20 EUR; für Übernachtungen im Ausland gelten die jeweils durch BMF-Schreiben bekannt gegebenen Pauschalen (> Anh 2 Reisekosten (Ausland) ). Als WK werden hingegen für Übernachtungen im In- und Ausland nur tatsächlich entstandene Übernachtungskosten, aber keine Pauschalen angesetzt. Das FA erkennt auch einen Differenzbetrag zwischen den vom ArbG vollständig erstatteten tatsächlichen Kosten und d...

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