Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / b) Arbeitnehmer mit mehreren ersten Tätigkeitsstätten
 

Rz. 55

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Ein ArbN kann in Erfüllung mehrerer Dienstverhältnisse an verschiedenen Orten tätig sein und folglich mehrere erste Tätigkeitsstätten haben (zum Begriff > Rz 25), zB ein Buchhalter, der für 3 kleine Betriebe tätig ist (BFH 114, 92 = BStBl 1975 II, 177). Im Rahmen desselben Dienstverhältnisses kann der ArbN höchstens eine erste Tätigkeitsstätte haben (§ 9 Abs 4 Satz 5 EStG). ArbN, die an wechselnden Tätigkeitsstätten arbeiten, haben aber an den jeweiligen auswärtigen Tätigkeitsstätten – zB wechselnde Baustellen – keine erste Tätigkeitsstätte, wenn sich dort nicht eine ortsfeste Einrichtung des ArbG befindet, der sie zugeordnet sind. Das gilt auch, wenn sie dort bis zu 48 Monate lang hintereinander tätig sind (BMF vom 24.10.2014 Rz 24, > Anh 2 Reisekosten ab 2014 ).

Je nachdem, ob der ArbN in zeitlicher Folge mehrere erste Tätigkeitsstätten innerhalb mehrerer Dienstverhältnisse oder mehrere Tätigkeitsstätten innerhalb eines Dienstverhältnisses aufsucht, ergeben sich unterschiedliche Rechtsfolgen:

 

Rz. 56

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Hat ein ArbN im Rahmen desselben Dienstverhältnisses mehrere Tätigkeitsstätten, so gilt für die Wege zwischen der Wohnung und der zunächst erreichten ersten Tätigkeitsstätte die Entfernungspauschale des § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 EStG. Anders ist es aber, wenn der ArbN nach Erreichen der ersten Tätigkeitsstätte unmittelbar – also ohne zur Wohnung zurückzukehren – eine weitere Tätigkeitsstätte aufsucht. Dann gilt für die Strecke von der ersten zur weiteren Tätigkeitsstätte nicht die Entfernungspauschale. Die Aufwendungen für die Wege zwischen zwei Tätigkeitsstätten sind vielmehr in tatsächlicher Höhe abziehbar (vgl BFH 155, 362 = BStBl 1989 II, 296; BFH 199, 329 = BStBl 2002 II, 878); bei Benutzung eines Kraftfahrzeugs können die für Reisekosten geltenden Km-Sätze (> Kilometer-Pauschalen Rz 5) angesetzt werden.
 

Beispiel 1:

B sucht im Rahmen seines Dienstverhältnisses an jedem Morgen zuerst die 10 km entfernte Hauptniederlassung C auf, wo er bis mittags arbeitet. Anschließend begibt er sich zur Zweigstelle D (Entfernung zwischen C und D beträgt 7 km), von wo aus er abends nach Hause zurückkehrt. Die Entfernung zwischen D und der Wohnung beträgt 15 km. Der ArbG bestimmt die Hauptniederlassung C zur ersten Tätigkeitsstätte.

Die Aufwendungen für die Wege zur ersten Tätigkeitsstätte C werden mit dem halben Betrag der Entfernungspauschale für 10 Entfernungs-km berücksichtigt (vgl BFH 125, 561 = BStBl 1978 II, 661; BFH 155, 362 = BStBl 1989 II, 296). Die Fahrten zwischen den Tätigkeitsstätten C und D, sowie die 15 km weite Heimfahrt von D nach B werden mit den tatsächlichen Aufwendungen oder stattdessen bei Benutzung eines eigenen Kfz mit den Km-Sätzen für Dienstreisen (> Kilometer-Pauschalen Rz 5) angesetzt.

Wird von der Wohnung aus nicht direkt die erste Tätigkeitsstätte angefahren, sondern eine weitere Tätigkeitsstätte, liegen keine Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte vor, so dass hier ein WK-Abzug nach Reisekostengrundsätzen in Betracht kommt.

 

Beispiel 2:

Filialleiter F soll im Rahmen seines Dienstverhältnisses täglich in 3 Filialen (A, B, C) tätig werden. Als erste Tätigkeitsstätte ordnet der ArbG die Filiale in B zu. F fährt täglich mit seinem eigenen Pkw von seinem Wohnsitz in D 10 km zu der Filiale in A, von dort fährt er 5 km zur ersten Tätigkeitsstätte B, von dieser fährt er 7 km nach C und tritt von dort den 16 km weiten Heimweg nach D an.

Die Aufwendungen für die Fahrten werden mit den Km-Sätzen für Dienstreisen (> Kilometer-Pauschalen Rz 5) angesetzt. Erste Tätigkeitsstätte ist die Filiale in B, wohingegen die Tätigkeiten in A und C beruflich veranlasste Auswärtstätigkeiten sind. Da F von seiner Wohnung in D zu einer auswärtigen Tätigkeitsstätte (A), erst von dort zu seiner ersten Tätigkeitsstätte (B) und dann wieder zu einer auswärtigen Tätigkeitsstätte (C) fährt, ist keine dieser Wegstrecken eine Fahrt zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte (§ 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 Satz 1 EStG). Anzusetzen sind somit 10 km + 5 km + 7 km + 16 km = 38 km.

 

Rz. 57

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Hat ein ArbN mehrere Dienstverhältnisse und deshalb mehrere erste Tätigkeitsstätten, so gilt auch hier für die Wege zwischen der Wohnung und den jeweiligen ersten Tätigkeitsstätten die Entfernungspauschale iSd § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 Satz 2 EStG. Kehrt der ArbN zwischenzeitlich in seine Wohnung zurück, ist jede Fahrt für sich zu berücksichtigen (BMF vom 31.10.2013 Tz 1.8, BStBl 2013 I, 1376H 9.10 LStH). Der Höchstbetrag (> Rz 66) gilt für jedes Dienstverhältnis.
 

Beispiel 3:

X begibt sich morgens von seiner Wohnung A zur 10 km entfernten ersten Tätigkeitsstätte B und zurück, nachmittags zu seiner 12 km entfernten ersten Tätigkeitsstätte C und kommt abends nach A zurück.

Es werden die Aufwendungen für die Wege zur Tätigkeitsstätte B mit der Entfernungspauschale für 10 km und zur Tätigkeitsstätte C für 12 km angesetzt. Je Arbeitstag werden hier für jedes Dienstverhä...

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