Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / 3. Nutzung durch mehrere Personen/Drittaufwand
 

Rz. 71

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Bei einer gemeinsamen Nutzung des Arbeitszimmers durch mehrere Personen/die Eheleute ist für jede Person getrennt zu prüfen, ob das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Betätigung bildet (BFH 227, 31 = BStBl 2010 II, 337; zu Einzelheiten > Rz 40 ff). Ist das Ergebnis positiv, kann die Person die von ihr getragenen Aufwendungen unbeschränkt abziehen. Ist das Ergebnis negativ, ist weiter zu prüfen, ob der Abzug bis zu 1 250 EUR in Betracht kommt (> Rz 45 ff) oder ob das Abzugsverbot sämtliche Aufwendungen erfasst. Zum anteiligen Abzug als SA bei Nutzung zur Berufsbildung > Rz 77.

 

Rz. 71/1

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Bei der Ermittlung der Einkünfte können grundsätzlich nur die vom Stpfl selbst getragenen Aufwendungen berücksichtigt werden. Auch bei zusammenveranlagten Eheleuten werden die Einkünfte getrennt ermittelt (> Ehegattenbesteuerung Rz 27 ff). Drittaufwand mindert die Einkünfte des Stpfl grundsätzlich nicht, weil seine persönliche Leistungsfähigkeit nicht geringer wird. Drittaufwand ist aber nicht gegeben, wenn der Dritte für Rechnung des Stpfl lediglich zur Abkürzung des Zahlungswegs oder bei abgekürztem Vertragsweg an den Gläubiger leistet; zu Einzelheiten > Werbungskosten Rz 23 ff.

 

Rz. 72

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Nutzen Eheleute als Miteigentümer des von ihnen bewohnten Hauses beruflich denselben Raum und haben sie gemeinsam die Anschaffungs- oder Herstellungskosten getragen, so sind ihnen die AfA, Schuldzinsen und Energiekosten nach dem Verhältnis ihrer Miteigentumsanteile zuzuordnen (BFH 226, 31 = BStBl 2010 II, 337). Ein Miteigentümer nutzt die Räume eines Gebäudes nur in Ausübung seines Rechts als Miteigentümer (BFH 189, 174 = BStBl 1999 II, 774). Miteigentum der Ehegatten kann auch hinsichtlich der Ausstattungsgegenstände (Lampe, Ablagetisch, Gardine, Regale) widerlegbar vermutet werden.

 

Rz. 72/1

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Einem Ehegatten, der ein häusliches Arbeitszimmer in einem Gebäude nutzt, das sich im Allein- oder Miteigentum des anderen Ehegatten befindet, entstehen insoweit WK, als ihm eigene Aufwendungen entstehen. Das allen Einkunftsarten zugrundeliegende Nettoprinzip gebietet grundsätzlich den Abzug der zur Einkunftserzielung getätigten Aufwendungen auch dann, wenn und soweit diese Aufwendungen auf in fremdem Eigentum stehende Wirtschaftsgüter erbracht werden (BFH 176, 267 = BStBl 1995 II, 281). Ergänzend vgl im Einzelnen H 4.7 – Drittaufwand – EStH.

 

Rz. 72/2

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Nutzen die Ehegatten gemeinsam ein Arbeitszimmer in einer gemeinsam angemieteten Wohnung, so sind ihnen die anteiligen Mietzinsen und die anteiligen Energiekosten zur Hälfte zuzuordnen (BFH 226, 31 – aaO). Trägt nur einer von ihnen die Aufwendungen für ein Dauerschuldverhältnis wie den Mietzins, kann der andere diesen Aufwand nicht als WK/BA bei seinen Einkünften abziehen. Die Aufwendungen sind aber als solche des Stpfl abziehbar, wenn es sich um Geschäfte des täglichen Lebens handelt wie zB die anteiligen Energiekosten oder Reparaturaufwand (BFH 191, 301 = BStBl 2000 II, 314).

 

Rz. 73

Stand: EL 109 – ET: 05/2016

Verfügt jede Einzelperson/Ehegatte über ein eigenes Arbeitszimmer, steht jeder von ihnen der Höchstbetrag von 1 250 EUR zu. Gilt für einen von mehreren Nutzern das Abzugsverbot nicht (> Rz 40 ff), so kann er die von ihm selbst getragenen Aufwendungen in voller Höhe abziehen.

 

Beispiel 1:

A und seine Ehefrau E haben aus gemeinsamen Mitteln ein Haus erworben, in dem sie wohnen und in dem sowohl A als auch E ein eigenes Arbeitszimmer beruflich nutzen. Für die Dauer der beruflichen Nutzung kann A die AfA für das von ihm genutzte und E die AfA für das von ihr genutzte Arbeitszimmer geltend machen (BFH 189, 174 = BStBl 1999 II, 774).

 

Beispiel 2:

Das von der Ehefrau E genutzte häusliche Arbeitszimmer befindet sich im Zweifamilienhaus, das dem Ehegatten A allein gehört. E hat einen Teil der Anschaffungskosten getragen. WK der E sind nicht nur die ihr für den laufenden Unterhalt des Arbeitszimmers entstehenden Aufwendungen, sondern auch die AfA, soweit sie anteilig auf das Arbeitszimmer entfällt und soweit sie dem von ihr getragenen prozentualen Anteil an den Anschaffungskosten entspricht (BFH 189, 151 = BStBl 1999 II, 778; BFH/NV 2000, 1202).

 

Beispiel 2a:

Die A und ihr Lebenspartner (L) sind Lehrer. Sie sind Miteigentümer eines Einfamilienhauses zu je 1/2 Anteil, dessen Anschaffungskosten sie ebenfalls hälftig getragen haben. Beide haben darin ein Arbeitszimmer, die A von 13 qm, der L von 27 qm. Schuldner der zur Finanzierung des Kaufpreises aufgenommenen Darlehen sind A und L gemeinsam, zu einem geringen Teil der L allein. A und L haben ein gemeinsames Gehaltskonto, von dem die Zinsen und die laufenden Kosten des Einfamilienhauses bezahlt werden. WK der A sind die anteilig – nach dem Verhältnis der Grundfläche ihres Arbeitszimmers zur Gesamtgrundfläche der Wohnung – auf ihr häusliches Arbeitszimmer entfallenden laufenden Kosten und die ant...

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