Corona-Beschlüsse: Geschäfte, Gottesdienste, Spielplätze

Geschäfte, Gotteshäuser, Spielplätze, Kultureinrichtungen und Gaststätten - alle öffnen wieder ihre Pforten. Aber: Abstandsregeln, Kontaktbeschränkungen und Masken bleiben und es gibt eine Obergrenze für Ansteckungen. Wird sie überschritten, kommt es (regional) erneut zu Schließungen: Nach dem 1. und 2. Lockerungs-Beschluss bringt die dritte Bund-Länder-Vereinbarung nun den Durchbruch zu mehr Normalität.

Mit den neuesten Beschlüssen kommt es nun zu einem echten Exit: Auf die ersten Schritte für das Wiederrauffahren nach dem Lockdown auf der Grundlage der Beschlüsse vom 15.4. folgten Kontroversen, besonders hart wurde der juristische Kampf um die Ladengrößenbegrenzung auf 800 m² geführt.

Auch die anschließend schrittweise verhängte Maskenpflicht stieß nicht nur auf Verständnis, sondern teilweise, bei Bürgern wie Experten, auf Erstaunen. Hinzu kam eine wachsende Sorge, die Erfolge in der Pandemiebekämpfung könnten durch exzessive Nutzung der Lockerungen ("volle Einkaufspassagen") verspielt werden und Covid-19 mit "voller Wucht" zurückkehren.

Nun hat sich die Lage mit den Beschlüssen vom 6.5. weiter entspannt und die, die sich bei ersten und zweiten Lockerung vernachlässigt fühlten (Eltern, Kirchen, Gastronomie etc.) atmen mit der 3. Exit-Lockerung auf. Hier ein Überblick zu den Lockerungen, zur Entwicklung und aufkommenden Fragen.

Lockerung bei den Kontaktbeschränkungen

Gemäß Ziffer 2 des Beschlusses vom 6.5.2020 soll der Aufenthalt im öffentlichen Raum nicht – wie bisher - nur alleine mit den Angehörigen des eigenen Hausstandes oder einer weiteren Person, sondern auch mit den Personen eines weiteren Hausstandes gestattet werden. Die Regelung gilt zunächst bis zum 5.6.2020.  

Neue 50er Notbremse bei vermehrten- Corona-Infektionen

Die Vorläufigkeit der beschlossenen Lockerungsmaßnahmen zeigt sich an der von den Regierungschefs und der Kanzlerin beschlossenen Sicherungsmaßnahme für den Fall eines plötzlichen expotentiellen Anstiegs der Ansteckungszahlen in einer Region. Bund und Länder wollen sich gemeinsam auf einen solchen plötzlichen lokalen Anstieg der Ansteckungen vorbereiten und hierfür schnell abrufbare Unterstützungsmaßnahmen für die betroffenen Gebiete entwickeln. Dieses Beschränkungskonzept soll zur Anwendung kommen, wenn in Landkreisen oder kreisfreien Städten mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten 7 Tage registriert werden.

  • Die Landesgesundheitsbehörden sind in diesem Fall verpflichtet, sofort das RKI über einen solchen Befund zu unterrichten.
  • Bei einem regionalen Ausbruchsgeschehen mit unklaren Infektionsketten muss das Beschränkungskonzept in der gesamten Region angewandt werden, bis die Infektionskennziffer für die Dauer von mindestens sieben Tagen unterschritten wird.
  •  Handelt sich um ein klar eingegrenztes Infektionsgeschehen in einer Einrichtung, kann das Beschränkungskonzept auf diese Einrichtung begrenzt werden.

Justiz wurde kritischer angesichts eines Flickenteppich von Eil-Maßnahmen 

Die jetzt beschlossenen Lockerungen tragen auch den in der Justiz zunehmend lauter werdenden rechtlichen Bedenken zu den teilweise wild in den einzelnen Bundesländern wuchernden unterschiedlichen Beschränkungsregelungen Rechnung. Gerade durch den von Kontroversen überschatteten "Flickenteppich" bei den Maßnahmen und Meinungen, dem Hin und Her, auch zwischen den Ländern, können die Gerichte nicht anders, als nach dem ersten Pochen auf den höheren Wert der Gesundheit, nun im Eiltempo und kontrovers verabschiedete Vorgaben nun mit  genauem Blick in das Grundgesetz detaillierter und kritischer zu hinterfragen. → Saarländischer Verfassungsgerichtshof kippt Teile der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen

Die zeitliche Komponente wurde zunehmend wichtiger

Die verordneten Beschränkungen für Einzelhandelsgeschäfte und Dienstleister wurden zu Beginn der Krise von den Gerichten überwiegend als zulässig angesehen (OVG Münster, Beschluss v. 6.4.2020, 13 B 398/20.NE; OVG Bremen, Beschluss v. 9.4.2020, 1 B 97/20; VG Aachen, Beschluss v. 23.3.2020, 7 L 233/20; VG Minden, Beschluss v. 30.3.2020 7 L246/20). Einige später ergangene Beschlüsse des BVerfG sowie einiger Landesverfassungs- und Oberverwaltungsgerichte ließen jedoch darauf schließen, dass die zeitliche Komponente der Beschränkungen rechtlich eine erhebliche Rolle spielt und mit zunehmender Dauer der Einschränkungen der Maßstab für die rechtlichen Anforderungen an die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie zunehmend strenger wurden (BVerfG, Beschluss v. 15.4.2020, 1 BvR 828/20 – Versammlungsfreiheit -; BVerfG, Beschluss v. 29.4.2020, 1 BvQ 44/20 – Gottesdienstverbote -; Saarländischer VGH, Beschluss v. 28.4.2020, Lv 7/20 – Familientreffen-; BayVGH, Beschluss v. 9.4.2020, 20 CE 20.755 - Demonstrationsverbote)

Schließung von Geschäften über 800 m² war bundesweit auf dem Prüfstand

Ein prägnantes Beispiel für die unterschiedliche Beurteilung der Beschränkungen auch in der Justiz war die Begrenzung der Öffnungserlaubnis für Geschäfte auf eine Verkaufsfläche von 800 m². Das VG Hamburg hat durch eine Entscheidung bundesweit die Aufweichung der Schließungsverfügungen für Geschäfte mit mehr als 800 m² Verkaufsfläche eingeleitet. Das Verwaltungsgericht hatte dem Eilantrag eines Hamburger Sportgeschäfts auf Erlaubnis zur Öffnung seiner Verkaufsfläche von über 800 m² stattgegeben.

Das VG bewertete das Öffnungsverbot für Läden mit einer Verkaufsfläche über 800 m² als zum Schutz der Bevölkerung vor Ansteckungsgefahren ungeeignet und damit als unzulässigen Eingriff in die freie Berufsausübung (VG Hamburg, Beschluss v. 22.4.2020, 3 E 1675/20).

Der Bayerische VGH brachte Dammbruch bei Corona-Ladengrößen in Bayern

Der Bayerische VGH zog nach und bewertete ausgerechnet im sonst besonders strengen Bayern die Begrenzung der Öffnungserlaubnis auf Läden bis zu einer Verkaufsfläche von 800 m² gemäß § 2 Abs. 4 u. 5 der 2. BayIfSMV als mit dem Gleichheitsgebot des Art. 3 Abs. 1 GG nicht vereinbar. Der Bayerische VGH gab damit in einem Verfahren auf Erlass einer einstweiligen Anordnung einem Antrag der KaDeWe-Group (Oberpollinger) statt (Bay VGH, Beschluss v. 27.4.2020, 20 NE 20.793).

Andere Oberverwaltungsgerichte stützten die 800 m² Regel

Die 800 m² Regel der CoronaVO des Landes Bremen hatte ebenso wie entsprechende Regelungen in Niedersachsen und im Saarland vor den jeweiligen Oberlandesgerichten Bestand.

In mehreren Eilverfahren hat das OVG die Begrenzung der Öffnungserlaubnis für Einzelhandelsgeschäfte auf eine Fläche von maximal 800 m² sowie die Schließung von Restaurants innerhalb von Warenhäusern für angemessen und verhältnismäßig erklärt. In einer Entscheidung über einen Eilantrag der Karstadt Sports GmbH urteilte das Gericht, die Beschränkung der Öffnungserlaubnis auf kleinere und mittelgroße Geschäfte sei zum Zweck der weiteren Eindämmung der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus gerechtfertigt (OVG Bremen, Beschlüsse v. 22.4.2020, 1 B 109/20 und 1 B 111/20; OVG Bremen, Beschluss v. 23.4.2020, 1 B 107/20; OVG Niedersachsen, Beschluss v. 27.4.2020, 13 MN 98/20).

Mature businessman with mask using digital tablet at work

Auch das noch - Maskenpflicht, notfalls mit Schals zu erfüllen

Kaum in einem Punkt ging es so lange hin und her, wie bei der Schutzmaske. Nun hat sie sich, nach vielen wissenschaftlichen und politischen Kontroversen fast flächendeckend durchgesetzt.

Die Schutzmaskenpflicht besteht nun überall → Corona-Maskenpflicht in allen Bundesländern. Die Bundesländer führen als flankierende Maßnahme zur Begleitung der mit Beschluss der Bundesregierung sowie der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder vom 15.4.2020 beschlossenen vorsichtigen Lockerungen der Ausgehbeschränkungen die Pflicht zum Tragen einer Gesichtsmaske in Einzelhandel- und Lebensmittelgeschäften sowie im ÖPNV ein. Bundesregierung und Länderchefs hatten das Tragen einer Maske in dem Beschluss vom 15.4.2020 zwar bundesweit dringend empfohlen, aber keine Verpflichtung statuiert.

Maskenpflicht in alle Bundesländern: 

  • Das Bundesland Sachsen hat die Maskenpflicht landesweit als erstes seit dem 20.4.2020 eingeführt,
  • Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg zogen in den nächsten Tagen nach
  • dann setzte der Corona-Dominoeffekt ein und erreichte zum Schluss auch Bremen.

Auch die Polizei drang auf einheitliche Vorgaben

Auch die Gewerkschaft der Polizei forderte Einheitlichkeit bei der Maskenpflicht.

„Es kann nicht Aufgabe der Polizei sein, den Bürgern die Unterschiede in den Regelungen der Bundesländer zu erklären. Alleingänge oder Überbietungswettbewerbe im Bundesgebiet sollte es nicht geben.“

So die Forderung des Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft in Mecklenburg-Vorpommern, Christian Schumacher.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, befürwortet die Maskenpflicht ebenfalls.

Einzelhandel - Alle dürfen wieder öffnen

Bald dürfen gemäß Ziffer 9 des Beschlusses vom 6.5.2020 in allen Bundesländern  Geschäfte auch mit über 800 m² Größe unter Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen wieder öffnen. Voraussetzung ist die Festlegung einer maximalen Personenzahl bezogen auf die Verkaufsfläche. Bei der Festlegung dieser Zahl ist gemäß Ziffer 9 des Beschlusses nicht nur die Reduzierung der Ansteckungsgefahr im jeweiligen Geschäft maßgeblich, sondern auch das Ziel der Begrenzung des Publikumsverkehrs in den Fußgängerzonen und im ÖPNV. Die Einzelheiten und die exakten Zeitpläne werden durch die Länder individuell festgelegt.

Friseure dürfen ab dem 4.5.2020 unter strengen und unklaren Auflagen öffnen

Dienstleistungsbetriebe, bei denen eine körperliche Nähe unabdingbar ist, dürfen zunächst nicht öffnen. Ausnahme: Friseurbetriebe – hier war der Leidensdruck wohl für viele Frisierwillige zu hoch. Die Coiffeure sollen sich gemäß Ziffer 11 des Regierungsbeschlusses auf die Möglichkeit der Öffnung ab dem 4.5.2020 vorbereiten.

Verbunden ist die Öffnungserlaubnis für diese Betriebe mit der Auflage

  • strenger Hygienemaßnahmen in den Läden,
  • der Steuerung des Zutritts in einer Weise, die nur so viele Personen in den Läden zulässt, dass die Abstandsregelung eingehalten werden kann,
  • Maßnahmen zur Vermeidung von überlangen Warteschlangen (z. B. durch feste Terminvergaben an Kunden),
  • der Nutzung persönlicher Schutzausrüstung seitens der Mitarbeiter.

Unklarheiten: Insbesondere die Auflagen für die Friseure sind ausgesprochen allgemein gehalten. Unklar bleibt beispielsweise, wie konkrete Hygienemaßnahmen in den Läden auszusehen haben. Müssen Desinfektionsmittel für Mitarbeiter und/oder Kunden bereitgestellt werden? Sind Flächen und Material wie Scheren und Kämme regelmäßig zu desinfizieren? Worin besteht eine angemessene persönliche Schutzausrüstung?

Pfingsten

Gottesdienstbesuche wieder erlaubt

Nachdem das BVerfG für den Fastenmonat Ramadan Freitagsgebete in Moscheen unter strengen Auflagen wieder möglich gemacht hat (BVerfG, Beschluss v. 29.4.2020, 1 BvQ 44/20), soll der Besuch von gemeinschaftlichen Gottesdiensten bundesweit wieder gestattet werden. Auch hier werden strenge Abstands- und Hygieneregeln gelten. Das gleiche gilt für Taufen, Beschneidungen, Hochzeiten oder Trauergottesdienste. Die zulässige Teilnehmerzahl wird begrenzt sein. Die Einzelheiten werden in den jeweiligen Bundesländern geregelt und dürften zumindest in den Details unterschiedlich ausfallen. Auch die Kirchen und sonstigen Glaubensgemeinschaften wollen eigene Vorschläge unterbreiten. In den katholischen Gottesdiensten soll nur leise, in den evangelischen Gottesdiensten gar nicht gesungen werden.

Sport und Training wieder erlaubt, die Bundesliga spielt bald wieder 

Breiten- und Freizeitsport unter freiem Himmel sowie der stufenweise Wiedereinstieg in den Trainings- und Wettkampfbetrieb werden durch die Sportministerien der Länder geregelt. Die Wiederaufnahme des Spielbetriebes der ersten und zweiten Fußballbundesliga ab der zweiten Maihälfte wird für vertretbar gehalten. Gemäß Ziffer 11 des Beschlusses vom 6.5.2020 muss dem Beginn des Spielbetriebes eine Quarantänemaßnahme (Trainingslager) vorangestellt werden.

Corona-Vorgaben für Betriebe bleiben

Der Bund-Länder-Beschluss vom 15.4.2020 enthält für die Wirtschaft neben Lockerungen auch eine Reihe von Beschränkungen und Auflagen. Gemäß Ziffer 13 des Regierungsbeschlusses des Bundes und der Länder vom 15.4.2020 soll dem industriellen Mittelstand ein sicheres Arbeiten grundsätzlich ermöglicht bleiben bzw. werden.

Gefährdungsbeurteilung und erforderliche Schutzvorkehrungen durch Arbeitgeber

Arbeitgeber sind verpflichtet, Vorkehrungen dafür zu treffen, dass Infektionsketten, die im Betrieb entstehen, schnell identifiziert werden können. Hierbei werden den Betriebsleitungen diverse Pflichten auferlegt. So sind die Betriebe verpflichtet,

  • eine auf ihren Betrieb angepasste Gefährdungsbeurteilung vorzunehmen,
  • eine betriebliche Pandemieplanung zu erstellen und
  • diese in ein Hygienekonzept umzusetzen.

Die fortbestehende Gültigkeit dieser bereits mit dem ersten Bund-Länder-Beschluss statuierten Verpflichtungen wird gemäß Ziffer 8 des Beschlusses vom 6.5.2020 nochmals ausdrücklich bestätigt.

Corona-Lockerungs-Beschlüsse dringen auf Home-Office so weit wie möglich

Die betriebliche Pandemieplanung ist mit allgemeinen Hygienemaßnahmen zu flankieren. Außerdem werden die Betriebe weiterhin aufgefordert, ihren Mitarbeitern das Arbeiten zuhause zu ermöglichen, wo immer dies möglich ist. Die für den Arbeitsschutz zuständigen Behörden sowie die Unfallversicherungsträger sind für die Kontrolle und Beratung der Unternehmen zuständig.

Ministerien sollen über neue Kontaktstellen bei Pandemieproblemen wie gestörten Lieferketten helfen

Das Konzept der Bundesregierung besteht nicht nur aus Einschränkungen. Gemäß Ziffer 14 des Regierungsbeschlusses wollen Bund und Länder die Wirtschaft insbesondere dabei unterstützen, gestörte internationale Lieferketten wiederherzustellen.

Die Wirtschaftsministerien des Bundes und der Länder haben hierzu Kontaktstellen für betroffene Unternehmen eingerichtet. Das Bundeswirtschaftsministerium, die Wirtschaftsministerien der Länder, das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, das Bundesministerium der Finanzen, das Bundesministerium des Inneren und auch das Auswärtige Amt wollen auf politischer Ebene alles ihnen Mögliche tun, um die Lieferketten wieder zu verbessern und/oder Alternativen zu finden (→  Kneifen die betrieblichen Versicherungen bei Corona?.

Unterstützung beim Aufbau von Produktionskapazitäten für Schutzausrüstungen

Neben der Unterstützung bei der Beschaffung von medizinischer Schutzausrüstung für das Gesundheitswesen aus dem Ausland unterstützt die Bundesregierung Unternehmen, die Produktionskapazitäten für entsprechende Produkte in Deutschland aufbauen. Der Vollversorgung der Einrichtungen des Gesundheitswesens und der Pflege mit medizinischen Schutzmasken, die den Träger und die Allgemeinheit schützen, messen die Regierungschefs oberste Priorität zu. Aber auch die Produktion von einfachen Masken für den Alltagsgebrauch im öffentlichen Raum wird unterstützt → Das bringt das Corona-Abmilderungsgesetz.

Präsenzunterricht wieder für alle Schüler

Der erste Regierungsbeschluss ging in Ziffer 8 davon aus, dass für die Öffnung von Kindergärten, Schulen und Hochschulen ein zeitlicher Vorlauf notwendig ist, um die notwendigen organisatorischen Maßnahmen vorzubereiten und zu planen. Dies ist nach Einschätzung der Regierungschefs inzwischen erfolgt. Nachdem es in allen Ländern gelungen ist, den Schülern das Ablegen der anstehenden Abschlussprüfungen zu ermöglichen, sollen gemäß Ziffer 5 des Beschlusses vom 6.5.2020 nun unter Einhaltung der entwickelten Hygienekonzepte schrittweise bis zu den Sommerferien wieder alle Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen. Die konkreten Schritte und die Geschwindigkeit bleiben den einzelnen Bundesländern überlassen, sollen aber von den Kultusministern untereinander abgestimmt werden.

Beschulung weiterer Klassen in Abhängigkeit von Corona-Infektionszahlen

Die Wiederaufnahme der Betreuung in Kindergärten und deren Ausgestaltung wird in den einzelnen Ländern von der Entwicklung der Infektionszahlen abhängig gemacht werden. Die Notbetreuung soll weiter ausgebaut werden. Gemäß Ziffer 6 des Beschlusses vom 6.5.2020 sollen spätestens ab dem 11. Mai Schritte hin zu einer eingeschränkten Normalbetreuung eingeleitet werden. Jedes Kind soll am Übergang zur Schule vor dem Ende seiner Kita-Zeit noch einmal die Kita besuchen können.

Hochschulen nehmen den Vorlesungsbetrieb wieder auf

In den Hochschulen durften Prüfungen bereits seit dem letzten Bund-Länder-Beschluss wieder abgenommen werden. Auch Praxisveranstaltungen, die spezielle Labor- und Arbeitsräume an den Hochschulen erfordern, waren erlaubt. Nun wird gemäß Ziffer 14 des Beschlusses auch der normale Vorlesungsbetrieb an Hochschulen wieder aufgenommen werden, allerdings ebenfalls unter Beachtung besonderer Hygiene- und Schutzmaßnahmen. 

Wichtige Lockerung für Krankenhäuser und Altenheime

Für Krankenhäuser und Pflegeheime gilt nach wie vor die Verpflichtung, für die jeweils zu ergreifenden Schutzmaßnahmen externen Sachverstand hinzu zu ziehen. Eine soziale Isolation der Betroffenen soll vermieden werden. Zu diesem Zweck werden gemäß Ziffer 7 des Beschlusses vom 6.5.2020 die Kontaktbeschränkungen insoweit gelockert, als jedem Patienten/Bewohner die Möglichkeit des wiederkehrenden Besuchs durch eine definierte Person ermöglicht wird, allerdings unter der Voraussetzung, dass es aktuell kein aktives SARS-Cov-2-Infektionsgeschehen in der betreffenden Einrichtung gibt.

Gastronomie und Beherbergungsbetriebe öffnen wieder 

Gemäß Ziffer 12 des Beschlusses vom 6.5.2020 entscheiden die Länder selbstständig über die schrittweise Öffnung der Gastronomie und Beherbergungsbetriebe für touristische Nutzung. Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen dürfen auf der Grundlage gemeinsamer Hygiene- und Abstandskonzepte schrittweise ihre Pforten wieder öffnen. Zeitlich vorangehen wollen hierbei die von der Pandemie weniger betroffenen Länder Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Aber auch die anderen Bundesländer dürften kurzfristig folgen. In Nordrhein-Westfalen soll die Gastronomie ab 11.5.2020 unter strikter Wahrung der Abstandsgebote wieder öffnen dürfen. Die weltweite Reisewarnung bleibt gemäß Ziffer 15 des Beschlusses vom 30.4.2020 aufrechterhalten.

Exit: Kulturbetriebe und Bordelle öffnen ebenfalls

Auch Theater, Konzerthäuser und Kinos sollen mit entsprechenden Hygieneauflagen schrittweise wieder öffnen dürfen. Ähnliches gilt für Bildungseinrichtungen wie Volkshochschulen, Musikschulen, Bibliotheken, aber auch für Messen, Fahrschulen, Bars, Clubs und Diskotheken. Unter strenger Beachtung der Hygienevorschriften sollen auch Kosmetikstudios, Massagepraxen, Tattoo-Studios, Indoor-Sportanlagen, Schwimm- und Spaßbäder, Fitnessstudios, Freizeitparks, Spielhallen sowie Prostitutionsstätten, Bordelle und ähnliche Einrichtungen wieder öffnen. Das Verbot von Großveranstaltungen, wie Volksfesten, Festivals, Wein- und Schützenfesten sowie Kirmesveranstaltungen bleibt gemäß Ziffer 15 des Beschlusses bis zum 31.8.2020 bestehen.

Daten spenden? Freiwilliges „Contact Tracing“ geplant

Gemäß Ziffer 4 des ersten und des dritten Regierungsbeschlusses planen die Regierungschefs zum Zweck der schnellstmöglichen Nachverfolgung von Kontakten den Einsatz eines digitalen „Contact Tracing“. Bund und Länder wollen hierzu das Architekturkonzept des „Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing“ als gesamteuropäischen Ansatz unterstützen. Hiermit sollen unter Einhaltung der europäischen und deutschen Datenschutzregeln epidemiologische relevante Kontakte der letzten drei Wochen anonymisiert auf dem Handy des Benutzers ohne Erfassung des Bewegungsprofils gespeichert werden (dezentraler Ansatz). Da die Basissoftware bereits vorhanden ist, sollen breite Teile der Bevölkerung dazu angehalten werden, die hierzu erforderliche App zu nutzen, deren Fertigstellung sich infolge von Differenzen bei der konkreten Ausgestaltung des Datenschutzes immer wieder verschoben hat. Die App wird kostenfrei „open source“ zur Verfügung gestellt, die Nutzung (Datenspenden) soll der Entscheidung des Einzelnen vorbehalten bleiben, also nicht obligatorisch, sondern freiwillig sein.

Planungshorizont für die Wirtschaft nun erkennbar

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat angesichts der Verluste in der Wirtschaft von der für den 6. Mai geplanten Bund-Länder-Konferenz ultimativ einen verbindlichen Planungshorizont für Unternehmen gefordert. Die Forderung dürfte nun zumindest in Teilen erfüllt sein. Mit einer vollständigen Erholung der Wirtschaft sei ist nach Auffassung des BDI dennoch eher erst 2022 als 2021 zu rechnen.

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