12.03.2014 | Serie Kanzleipositionierung

„Wie war ich?“ - Anwaltsbewertung ist stark auf dem Vormarsch

Serienelemente
Anwaltsbewertung im Internet - ganz vorne mit dabei sein?
Bild: Comstock Images, a division of JupiterImages Corporation

Alljährlich im Herbst vollzieht sich in Deutschland dasselbe Ritual. Dann erwarten die Wirtschaftskanzleien, dass das neue Juve-Handbuch herauskommt. Denn das Werk informiert nicht nur über das Dienstleistungsangebot von knapp 1.000 Kanzleien im Wirtschaftsrecht, es bewertet sie auch in Texten und Rankings. Doch es steht damit nicht allein.

Wettbewerber werden zitiert, häufig empfohlene Sozietäten und Anwälte besonders herausgestellt nach dem Motto „führende Kanzlei vor allem für Akquisitionsfinanzierung“ oder „empfohlene Kanzlei für Kreditfinanzierung“. Mit ihrem Buch und dem Internetauftritt www.juve.de will der gleichnamige Verlag in Köln den Markt anwaltlicher Dienstleistungen für Wirtschaftsunternehmen transparenter machen.

Informationsasymetrien zwischen Anwalt und Mandant

Doch nicht jeder Rechtsuchende braucht für sein Problem eine Wirtschaftskanzlei. Zudem findet sich von den rund 160.000 Anwälten in Deutschland nur ein Bruchteil in dem Nachschlagewerk wieder.

Befeuert durch die Suche nach dem richtigen Anwalt

Rat suchenden Verbraucher wenden sich lieber an Anwalt-Suchdienste oder vertrauen auf Empfehlungen von Verwandten oder Freunden. Ungeachtet solcher Hilfestellungen bleibt für viele die Suche nach dem richtigen Anwalt noch immer ein einschüchternder und zeitaufwändiger Prozess. Das geht auch aus einer Bevölkerungsumfrage zum Thema „Mandanten und ihre Anwälte“ hervor, die das Soldan Institut für Anwaltsmanagement in einer Studie zusammengefasst hat. „Informationsasymmetrien kennzeichnen naturgemäß auch die Vertragsbeziehungen zwischen Rechtsanwalt und Mandant“, heißt es in der Untersuchung. „Der Rechtsanwalt wird regelmäßig beauftragt, weil er über ein Wissen verfügt, das dem Auftraggeber fehlt.“ Bei der Suche nach dem richtigen Berater fühlt sich jedoch der Verbraucher allein gelassen.

Mandanten bewerten ihre Anwälte

Im Ausland gibt es inzwischen Anbieter, die Rechtssuchenden mehr bieten als reine Anwalts-Adressenverzeichnisse. Ein Beispiel dafür ist der Service „Schweizer Anwaltvergleich“. Hier wählt der Verbraucher seinen Anwalt nach Region, Fachgebieten und Sprachen aus. Neben den Kontaktdaten findet der Nutzer auch Angaben zu Fachgebieten, Stundenhonoraren und die Bewertung der anwaltlichen Leistung durch die Mandanten – frei nach dem Motto „Wie war ich?“.

Bewertungsbeispiele aus der Schweiz

„Herr Stieger ist ein sehr kompetenter Anwalt. Er setzt sich sehr für seine Klienten ein, und zeigt Lösungswege auf. Ich werde Herr Stieger auch in Zukunft wählen“, lautet eine positive Bewertung. Allerdings schlägt das Pendel auch in die Gegenrichtung aus: „Herr Grüter ist des Berufes eines Rechtsanwaltes nicht würdig. Er selbst bezeichnet sich als Pitbull, jedoch ist er ein inkompetenter Anwalt ohne Verständnis für seine Mandanten, die er nur abzockt. Dem gehört sofort das Anwaltspatent entzogen.“

Von „hervorragend“ bis „extrem gefährlich“

Ähnlich funktioniert auch der Service der amerikanischen Avvo Inc. in Seattle. Die Seite www.avvo.com enthält Profile und Ratings von mittlerweile 95 % der in den USA zugelassenen Anwälten. Mandanten sollten eine so wichtige Entscheidung wie die Suche nach dem richtigen Anwalt nicht davon abhängig machen, wer die dicksten Einträge in den Gelben Seiten hat.

Eine besondere Hilfestellung für den Nutzer soll daher das Avvo-Rating sein: Die Anwälte werden benotet von hervorragend (9,1-10) über durchschnittlich 5,0-5,9) bis hin zu extrem gefährlich (1,0-1,9). Sollen sich Anwälte nun in derartigen Portalen und Verzeichnissen eintragen lassen? Unbedingt. Denn nur so können sie am Wettbewerb teilnehmen.

Anwälte sollten sich dem Wettbewerb auch in dieser Arena stellen: Wer im Rechtsmarkt aktiv ist, muss sich mit der Konkurrenz messen. Falsche Tatsachenbehauptungen können dabei außergerichtlich wie gerichtlich geklärt werden. Denn niemand muss Verleumdungen über sich ergehen lassen.

Praxishinweis:

Ob der Mandant König sein soll, mag hier dahingestellt sein -  für eine Kanzlei ist der zufriedene Mandant jedenfalls überlebenswichtig und ein Garant für ein erfolgreiche Zukunft. Wenig wirkt sich auf die Mandantenzufriedenheit nachhaltiger aus, als ein optimiertes Beschwerdemanagement.

Ein 90-minütiges Online-Seminar über Kompetentes Beschwerdemanagement als Grundlage für eine gute Mandantenbetreuung findet am Mi, 09.11.2016, 10:00 Uhr statt.

Schlagworte zum Thema:  Rechtsanwalt, Mandat, Kanzleiorganisation, Kanzleimanagement

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