16.02.2015 | Serie Kolumne Talent Management

"High Maintenance" - die unglaublichen Ansprüche der Talente

Serienelemente
Talent-Management-Experte Martin Claßen
Bild: Claßen

Ratlos erlebt man unseren Kolumnisten Martin Claßen in der Regel nicht. Aber derart fordernde Mitarbeiter bringen ihn zum Kopfschütteln - obwohl er selbst ähnlich war. Er findet trotzdem eine Lösung, wie man mit diesen in seinen Worten "High-Maintenance"-Talenten umgehen kann.

Im Wörterbuch wird "High Maintenance" mit pflegeaufwendig übersetzt. Pflegeaufwendig sind Zierrasen, Parkettboden und gar nicht so wenige Talente. Sie, liebe Leserinnen und Leser meiner Talent-Management-Kolumne kennen bestimmt einige "High Maintenance"-Diven in Ihrer Organisation.

Genau an solche Typen denke ich, so ganz grundsätzlich. Wenn ich super ehrlich bin, war ich für meine früheren Arbeitgeber und Vorgesetzten in ferner Vergangenheit bestimmt selbst einmal "High Maintenance": anspruchsvoll was die Übernahme von Aufgabenstellungen betraf, ungeduldig was die Steilheit des Karriereweges anging, gleichgültig was die Andeutung von Unzulänglichkeiten anbelangte. Solche Sachen.

Anstrengender Typus für den Talent Manager

Sozusagen als späte Strafe hatte ich dann als Chef immer wieder Mitarbeiter, die mir wegen deren "High Maintenance" die Zeit und den Nerv raubten. Denen konnte ich nichts recht machen, gar nichts, allenfalls mit Halbwertszeiten im Minutentakt. Die typische Frage von "High Maintenance"-Talenten bei der Vermittlung einer signifikanten Gehaltserhöhung lautet: "Wann kommt denn der nächste Sprung, hoffentlich nicht erst in einem halben Jahr".

Besonders schwierig sind solche tatsächlichen oder selbst gekürten Superstars beim Peer-Review, also im Vergleich mit gleichrangigen Kollegen. Alleine schon diese Gegenüberstellung wird vom "High Maintenance"-Talent als Zumutung empfunden: "Wie? Ich! Nicht einmalig?" Die haben eben Wilhelm Busch gelesen: Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.

Das Credo der Talente: "ich will, Ich Will, ICH WILL"

Sie werden sich jetzt bestimmt nicht wundern, dass mir unprätentiöse Talente deutlich lieber sind als ihre Artgenossen mit High Maintenance"-Charakter. Dazu werden Sie mich vermutlich noch fragen, wie man einen solchen pflegeaufwendigen Typus zu etwas mehr Bescheidenheit erzieht. Ich weiß es nicht wirklich. Bei manchen hilft das Leben und die Zeit beim "Cool Down". Bei anderen hilft nichts.

Gegenfrage: Was machen Sie eigentlich mit einem pflegeaufwendigen Zierrasen oder Parkettboden? Genau, am besten lassen Sie Dritte diesen unangenehmen Job für sich erledigen. Auch im Talent Management begegnet man "High Maintenance" am besten mit „low involvement“. Man ist einfach nicht da, wenn das "High Maintenance"-Talent mal wieder etwas von einem will.

Martin Claßen hat 2010 das Beratungsunternehmen People Consulting gegründet. Talent Management gehört zu einem seiner fünf Fokusbereiche in der HR-Beratung.

Schlagworte zum Thema:  Talent Management, Führung, Personalentwicklung, Recruiting, Mitarbeiterbindung

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