Studie

Führungspositionen immer unbeliebter


IW-Studie: Führungspositionen sind unbeliebt

Viele Unternehmen finden einer Studie zufolge kein Personal für Führungspositionen. Demnach können sich nur 14 Prozent der Beschäftigten überhaupt vorstellen, Führungsaufgaben zu übernehmen. Was die Beschäftigten abschreckt und was sich ändern müsste.

Zahlreiche Unternehmen in Deutschland haben Schwierigkeiten, Führungspositionen zu besetzen. Im Jahr 2025 fehlten im Durchschnitt 28.180 Fachkräfte in Führungsberufen. Das zeigt eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW). "Dies ist für viele Unternehmen ein Problem, da Vakanzen in Führungspositionen häufig besonders große Folgen für die Geschäftsprozesse haben", sagt Studienautorin Regina Flake.

Führung hat an Attraktivität verloren

Ursache ist die geringe Bereitschaft vieler Berufstätiger. Laut einer repräsentativen Befragung von gut 3.100 Beschäftigten ohne Leitungsfunktion kann sich nur jede/jeder Siebte vorstellen, eine Führungsposition zu übernehmen, falls der Arbeitgeber dies anbietet (14 Prozent). Weitere 40 Prozent ziehen das nur unter Umständen in Betracht, 43 Prozent lehnen Führungsaufgaben ab. Bei Männern ist die Bereitschaft tendenziell etwas größer.

Die Gründe sind vielfältig. Am häufigsten schrecken laut Umfrage hohe Arbeitsbelastung (77 Prozent), große Verantwortung (75 Prozent) und Einschnitte ins Privatleben (73 Prozent) ab. Auch geringe finanzielle Anreize und der mögliche Verlust guter Beziehungen zu Kollegen spielen eine Rolle (je 48 Prozent). "Die Attraktivität von Führungsaufgaben nimmt ab, weil sich ihre Wahrnehmung verschoben hat - weg von Status und Privilegien", sagt Flake. "Ein Führungsangebot wird nicht automatisch als Belohnung wahrgenommen."

Wie Unternehmen Führung attraktiver machen können

Bei Beschäftigten mit Interesse an Führungsverantwortung ist ein hohes Gehalt der wichtigste Anreiz (95 Prozent). Häufig genannt werden zudem größere Gestaltungsspielräume und mehr Entscheidungsfreiheit (85 Prozent). Viele legen Wert darauf, einen eigenen Führungsstil entwickeln zu können.

Allein mit höheren Gehältern sei das Problem jedoch nicht zu lösen, sagt Expertin Flake. Führung müsse so gestaltet werden, dass sie mit dem Privatleben vereinbar ist. Vor allem Frauen und Teilzeitbeschäftigte würden motiviert, wenn Führungsrollen flexibel ausgeübt werden dürfen, etwa in Teilzeit oder im Homeoffice.

Stellvertretende Leitungspositionen, Mentoring und Coaching könnten den Einstieg erleichtern und die Bereitschaft erhöhen, Verantwortung zu übernehmen, sagt Flake. "Viele Beschäftigte schrecken vor Führung zurück, weil sie einen Sprung ins kalte Wasser befürchten."

Lücke bei Führungskräften hat sich seit 2015 verdoppelt

Der Mangel in Führungsberufen ist nicht neu. 2015 lag die Fachkräftelücke noch bei rund 14.000, im Jahr 2022 erreichte sie mit 34.600 ihren Höchstwert. Seitdem zeigt sich, wie auch in anderen Berufen, ein Rückgang. Dennoch sind weiterhin viele Firmen betroffen. In einer Umfrage im Jahr 2023 berichtete jedes zweite Unternehmen von wachsenden Schwierigkeiten bei der Besetzung von Führungspositionen.

Die aktuellen Zahlen stammen aus der IW-Fachkräftedatenbank. Laut Kofa sind darin allerdings nur leitende Führungskräfte enthalten , die vorrangig führen. Hinzu kommen Vakanzen auf Führungspositionen, wie beispielsweise Teamleitungen, die häufig neben der weiterhin fachlichen Tätigkeit ausgeübt werden.


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dpa

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