Leadership

Wie Führungskräfte gelassen und souverän ins neue Jahr starten


Wie Führungskräften ein gelassener Jahresstart gelingt

Dieses Jahr wird alles anders: Sich nicht mehr durch den Job übermäßig stressen zu lassen, ist einer der häufigsten Vorsätze von Führungskräften zum Jahreswechsel. Doch meist ist dieser Vorsatz schon nach wenigen Tagen Makulatur. Mit diesen drei Maßnahmen starten Führungskräfte gelassener ins neue Jahr.

Der Start ins neue Jahr fühlt sich für viele Führungskräfte wie ein Neubeginn an. Und das aus gutem Grund: Ein paar ruhigere Tage liegen hinter einem, der Kopf ist endlich etwas freier und das Stresslevel ist spürbar gesunken. Eigentlich eine hervorragende Ausgangsposition, um etwas am eigenen Führungsverhalten zu ändern. Doch meistens holt einen der Alltag schnell wieder ein. Der Terminkalender ist nach wenigen Tagen wieder prall gefüllt, operative Themen überschwemmen den Schreibtisch und der bekannte Druck von allen Seiten nimmt stetig zu. 

Dabei liegt genau im Jahresstart eine große Chance für Führungskräfte, aus alten Mustern auszubrechen. Der bewusstere Umgang mit Prioritäten, Verantwortung und dem eigenen Energiehaushalt kann einen völlig neuen Ton für die kommenden Monate setzen und für mehr Gelassenheit im Team sowie bei sich selbst sorgen. Wer hingegen unreflektiert einsteigt, läuft Gefahr, schnell wieder im reinen Reaktionsmodus zu landen. 

Warum ist Stress schlecht für Führungskräfte und fürs Business?

Dabei ist Gelassenheit nicht nur für das eigene Wohlbefinden gut, sondern kann auch nachweislich für eine bessere Führungsqualität sorgen. Was ich in meiner Tätigkeit immer wieder beobachte: Führungskräfte, die innerlich gehetzt sind, verlieren den Blick fürs Wesentliche. Sie reagieren nur noch, statt zu gestalten.

Die Neurowissenschaft erklärt das einleuchtend: Dauerstress beeinträchtigt den präfrontalen Cortex und damit genau den Teil unseres Gehirns, der für strategisches Denken zuständig ist. Das Ergebnis: Während die Führungskraft eigentlich das große Ganze im Blick haben sollte, verliert sie sich im operativen Kleinkram, und die Entscheidungsqualität nimmt über die Zeit stetig ab. 

Deswegen gilt: Wer nach dem Start ins Jahr sofort wieder im Chaos versinkt, hat ein echtes Führungsproblem.

In drei Schritten zu mehr Gelassenheit

Doch woran liegt es eigentlich, dass dies so vielen Führungskräften nicht gelingt? Schnell kommt man auf schlechtes Zeitmanagement als "Schuldige". Doch der Kern des Problems liegt nur in den seltensten Fällen dort. Viel entscheidender ist die Art, wie Führungskräfte Prioritäten setzen und Verantwortung verteilen. Oder anders ausgedrückt: Wer nicht mit einem klaren Gerüst startet, wird schnell fremdgesteuert. Die drei folgenden Schritte setzen genau hier an und helfen effektiv, alte Stressmuster zu durchbrechen.

Schritt 1: Klare Prioritätensetzung

Der erste Schritt ist eine klare und ehrliche Priorisierung. Viele Führungskräfte starten ins neue Jahr mit ambitionierten Vorsätzen und langen Listen. Das erzeugt inneren Druck und erhöht die Gefahr, sich zu verzetteln. Entscheidend ist aber, als Führungskraft festzulegen, was im Moment wirklich wichtig ist und was eben nicht. Diese Entscheidung braucht Mut, denn alles, was nicht zu den wirklich wichtigen Aufgaben gehört, wird entweder beendet, pausiert oder abgegeben.

Das ist definitiv nicht immer leicht, doch Führungskräfte haben hier oft einen viel größeren Spielraum, als sie zunächst annehmen. Am Ende des Prozesses sollten nur die zentralen Schwerpunkte übrig bleiben, die dann auch die höchste Priorität für das Team haben. Das entlastet nicht nur die Führungskraft, sondern schafft auch Klarheit für das Team.

Schritt 2: Professionelles delegieren

Der zweite Schritt betrifft das Delegieren. Gerade zu Jahresbeginn neigen viele Führungskräfte zu Mikromanagement - aus dem Impuls heraus, die Kontrolle zu behalten und den Überblick zu sichern. Kurzfristig entsteht dadurch tatsächlich ein Gefühl von Sicherheit. Langfristig führt dieses Verhalten jedoch zu Überlastung und Abhängigkeit, denn das Team wird dann zunehmend weniger selbst entscheiden. Und das hat Folgen für die Führungskraft: Immer mehr wird dann nämlich auf ihrem Tisch landen, damit sie die Entscheidung trifft.

Dagegen hilft nur professionelles Delegieren. Das bedeutet, Aufgaben und die dazugehörige Verantwortung klar zu übergeben und Entscheidungsspielräume eindeutig zu definieren. Am Ende des Briefings muss Klarheit darüber herrschen, wer wofür zuständig ist, welche Entscheidungen eigenständig getroffen werden dürfen und wann erneute Abstimmung oder Rückmeldungen erforderlich sind. Sobald diese Fragen beantwortet sind, entsteht Entlastung auf beiden Seiten: Führungskräfte gewinnen Zeit für strategische Aufgaben und Teams werden kompetenter, übernehmen mehr Verantwortung und erleben Selbstwirksamkeit.

Schritt 3: Strategischer Wiedereinstieg statt Vollgas ins Chaos

Der dritte Schritt ist ein bewusster Einstieg ins operative Jahr. Viele Führungskräfte starten direkt durch, von 0 auf 100, füllen den Kalender mit Meetings, um bloß möglichst schnell "wieder drin" zu sein. Dieser Ansatz rächt sich häufig. Sinnvoller ist ein gestufter Einstieg.

Die ersten ein bis zwei Tage nach dem Wiedereinstieg sollten der Orientierung gehören. In dieser Phase geht es darum, Ziele einzuordnen, Erwartungen abzugleichen und gemeinsam mit dem Team Klarheit zu schaffen. Das heißt, hier sollte man den Kalender maximal mit Einzelgesprächen füllen und auch sich selbst Blocker setzen, in denen man sich in Ruhe einen Überblick verschafft. Erst danach folgt die operative Umsetzung von getroffenen Entscheidungen. Dieser Rhythmus verhindert unnötige Korrekturen und reduziert Reibungsverluste erheblich.

Gelassenheit als Führungskompetenz

Der Jahresstart entscheidet häufig darüber, wie anstrengend Führung im gesamten Jahresverlauf wird. Wer sich hier treiben lässt, wird die alten Muster nur schwer durchbrechen. Wer diesen Moment aber nutzt, um Klarheit zu schaffen, Verantwortung zu ordnen und das eigene Tempo bewusst zu wählen, setzt ein starkes Zeichen. So entsteht Gelassenheit und Souveränität - als Ergebnis klarer Entscheidungen und guter Strukturen.

Priorisierung und Delegation wirken dabei wie ein Schutzschild gegen Überforderung - der strategische Wiedereinstieg für einen gelungenen Start. Zusammen helfen sie, den Fokus zu halten und verhindern, dass man als Führungskraft permanent reagieren muss. Wer hier bewusst entscheidet, wofür Zeit und Aufmerksamkeit eingesetzt werden, bleibt handlungsfähig. Wer Verantwortung konsequent verteilt, schafft Strukturen, die auch in stressigen Zeiten dem Druck standhalten.

Am Ende bedeutet Führung auch hier, den Rahmen zu gestalten, in dem Arbeit gut möglich ist. Gerade zum Jahresbeginn lohnt es sich, diesen Rahmen bewusst zu setzen. Das schafft Ruhe, Wirksamkeit und eine Stabilität, von der nicht nur die Führungskraft selbst profitiert, sondern auch das gesamte Team.


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