Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren hat begonnen

Mit einem Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung können sich Arbeitnehmer einen Freibetrag in den ELStAM eintragen lassen. Der Freibetrag wirkt sich unterjährig beim Lohnsteuerabzug steuermindernd aus. Ein Freibetrag kann auch für die Dauer von zwei Kalenderjahren berücksichtigt werden. Diese Verfahrenserleichterung ist für Arbeitnehmer ratsam, die in zwei Folgejahren in etwa gleich bleibende Aufwendungen haben werden. 

Für den Veranlagungszeitraum 2020 hat das Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren bereits begonnen. Der Antrag muss bis spätestens 30. November 2020 beim Finanzamt gestellt werden - danach kann eine Steuerermäßigung nur noch im Rahmen einer Einkommensteuererklärung berücksichtigt werden.

Lohnsteuer-Freibetrag gilt regelmäßig für zwei Jahre

Arbeitnehmer können einen Freibetrag für einen Zeitraum von längstens zwei Kalenderjahren bei ihrem Wohnsitzfinanzamt beantragen. Wer bereits für 2019 einen Freibetrag beantragt hatte, profitiert davon häufig auch noch 2020 - und spart sich den erneuten Antrag beim Finanzamt. Ein im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren 2020 neu eingetragener Freibetrag gilt mit Wirkung ab dem 1. Januar 2020 und dann längstens bis Ende 2021. In Zeile 20 des Hauptvordrucks ist dazu das Ankreuzfeld "Ich beantrage, den Freibetrag bis zum 31.12.2021 zu berücksichtigen." vorgesehen

Hinweis: Es ist auch möglich, den Freibetrag nur für ein Jahr zu beantragen oder einen beantragten Freibetrag später wieder zu ändern.

Jahresfreibetrag wird in Monatsfreibetrag umgerechnet

Der Freibetrag ist ein Jahresbetrag und wird auf die der Antragsstellung folgenden Monate verteilt. Eine Besonderheit gilt, wenn der Antrag im Januar 2020 gestellt wird: der Freibetrag gilt dann ausnahmsweise rückwirkend ab 1. Januar 2020. Sämtliche Änderungen an den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM) sowie erstmals zu berück­sichtigende Freibeträge werden in der ELStAM-Datenbank erfasst. 

Auf folgende Punkte weist die Finanzverwaltung ausdrücklich hin:

Antragsgrenze für Freibetrag: Aufwendungen müssen mindestens 600 Euro betragen

Ein Freibetrag für erhöhte Werbungskosten, erhöhte Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen kann nur dann gebildet werden, wenn die Aufwendungen bzw. die abziehbaren Beträge insgesamt eine Antragsgrenze von 600 Euro überschreiten. Für die Feststellung, ob die Antragsgrenze überschritten wird, dürfen die Werbungskosten nicht in voller Höhe, sondern nur mit dem Betrag angesetzt werden, der den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro oder den Pauschbetrag bei Versorgungsbezügen von 102 Euro übersteigt. Verheiratete/verpartnerte Arbeitnehmer können den Antrag stellen, wenn die hiernach zu berücksichtigenden Aufwendungen bzw. die abziehbaren Beträge beider Ehegatten/Lebenspartner zusammen mehr als 600 Euro betragen. 

Die Antragsgrenze gilt nicht für:

  • die Pauschbeträge für behinderte Menschen und Hinterbliebene, 
  • den Erhöhungsbetrag für weitere im Haushalt des Alleinerziehenden lebende Kinder beim Entlastungsbetrag für Alleinerziehende, 
  • die Freibeträge für Kinder, 
  • die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Beschäftigungen/Dienstleistungen/Handwerkerleistungen, 
  • negative Einkünfte aus anderen Einkunftsarten, 
  • die Bildung des Freibetrag bei Steuerklasse VI (bei gleichzeitiger Bildung eines Hinzurechnungsbetrags in der Steuerklasse I bis V).

Wer einen Freibetrags als ELStAM bilden lässt, ist verpflichtet, nach Ablauf des Kalenderjahres unaufgefordert eine Einkommenssteuererklärung abzugeben, wenn die Arbeitslohngrenzen von 11.900 Euro bei der Einzelveranlagung oder von 22.600 Euro bei der Zusammenveranlagung überschritten werden. 

Aufteilung eines Freibetrags auf mehrere Dienstverhältnisse

Ob bzw. in welcher Höhe der Arbeitgeber einen beantragten und vom Finanzamt ermittelten Freibetrag aufgrund eines Hinzurechnungsbetrags bei Steuerklassen VI abrufen soll, kann der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin selbst entscheiden. Allein für eine solche Verteilung auf die einzelnen Dienstverhältnisse ist kein Antrag beim Finanzamt erforderlich. 

Soll ein aus anderen Gründen (z.B. wegen erhöhter Werbungskosten) gebildeter Freibetrag auf mehrere Dienstverhältnisse aufgeteilt werden, kann dies mit dem "Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung" (Hauptvordruck) beantragt werden. Das Finanzamt ordnet die Freibetragsanteile den einzelnen Dienstverhältnissen zu.

Berücksichtigung von Kindern

Im Rahmen des Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahrens kann die Berücksichtigung von Kindern, die zu Beginn des Kalenderjahres 2020 das 18. Lebensjahr vollendet haben und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, beantragt werden. Einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung bietet sich an, wenn für das Kalenderjahr 2020 Kinderfreibeträge für

  • vor dem 2. Januar 2002 geborene Kinder, 
  • nicht in der Wohnung gemeldete minderjährige Kinder oder 
  • Pflegekinder

berücksichtigt werden sollen und diese Kinder nicht bereits im Ermäßigungsverfahren für das Kalenderjahr 2019 berücksichtigt worden sind.

Pauschbeträge für behinderte Menschen und Hinterbliebene

Die bei der Finanzverwaltung gespeicherten Pauschbeträge für behinderte Menschen und Hinterbliebene werden mit dem jeweiligen Gültigkeitsdatum in den ELStAM für 2020 berücksichtigt. Solche Pauschbeträge müssen nur dann neu beantragt werden, wenn sie in den Lohnsteuerabzugsmerkmalen für das Kalenderjahr 2020 nicht enthalten sind (z.B. weil der bislang maßgebende Gültigkeitszeitraum zwischenzeitlich abgelaufen ist).

Ungünstigere Lohnsteuerabzugsmerkmale

Möchten Mitarbeiter (z.B. aus Datenschutzgründe), dass ungünstigere Lohnsteuerabzugsmerkmale (eine ungünstigere Steuerklasse, eine geringere Anzahl von Kindern, kein Pauschbetrag für behinderte Menschen) ab Beginn des Kalenderjahres 2020 im Rahmen der ELStAM berücksichtigt werden, müssen sie dies bereits im Kalenderjahr 2019 zum 1. Januar 2020 bei ihrem Wohnsitzfinanzamt beantragen. Sie können auch während des Jahres z.B. im Vorfeld einer Ehe oder Lebenspartnerschaft einen Antrag auf ungünstigere Lohnsteuerabzugsmerkmale stellen. Dadurch kann die automatisierte Bildung der Steuerklassenkombination IV/IV verhindert werden und der Arbeitgeber erhält keinerlei Hinweise auf eine Ehe oder Lebenspartnerschaft (amtlicher Vordruck "Anträge zu den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen - ELStAM"). 

Lohnsteuer-Ermäßigung: Weitere Informationen und entsprechende Anträge online

Empfehlenswert ist das Informationsheft der Finanzverwaltung Sachsen: Lohnsteuer 2020 - Ein kleiner Ratgeber

Den Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung 2020 mit Anlagen finden Sie auf unseren Produkten oder online im Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung.