Die Benzinkosten bei Privatnutzung des Firmenwagens sind auch bei Anwendung der 1-%-Regelung als Werbungskosten abzugsfähig. Bild: MEV-Verlag, Germany

Der Bundesfinanzhof hat den Abzug selbst getragener Benzinkosten und anderer individueller Kosten vom geldwerten Vorteil für den Firmenwagen – neben den bisher schon möglichen pauschalen Nutzungsentgelten - zugelassen.

Der geldwerte Vorteil aus der Gestellung eines Dienstwagens für private Zwecke wird regelmäßig mit monatlich pauschal einem Prozent des inländischen Listenpreises bewertet. Zahlt der Mitarbeiter an den Arbeitgeber für die außerdienstliche Nutzung des Firmenwagens ein Nutzungsentgelt, mindert dies den zu versteuernden geldwerten Vorteil. Dabei ist es gleichgültig, ob das Nutzungsentgelt pauschal oder entsprechend der tatsächlichen Nutzung des Kraftfahrzeugs bemessen wird (vergleiche Bundesfinanzministerium, Schreiben vom 19. April 2013, Aktenzeichen IV C 5 - S 2334/11/10004).

Neue Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs

Die vollständige oder teilweise Übernahme einzelner Kraftfahrzeugkosten (beispielsweise Treibstoffkosten, Versicherungsbeiträge, Wagenwäsche) durch den Mitarbeiter war nach bisheriger Verwaltungsauffassung und Rechtsprechung jedoch kein solches Nutzungsentgelt (vergleiche Bundesfinanzhof vom 18. Oktober 2007, BStBl 2008 II Seite 198). Der Bundesfinanzhof hat nun aber mit zwei Urteilen seine Rechtsprechung zugunsten der Arbeitnehmer geändert.

Privatnutzung des Firmenwagens: Benzinkosten abzugsfähig

Im ersten Fall (Urteil vom 30. November 2015, VI R 2/15) hatten sich der Kläger und sein Arbeitgeber die Kosten des Dienstwagens, den der Mitarbeiter auch für private Zwecke nutzen durfte, geteilt. Der Kläger trug sämtliche Kraftstoffkosten. Die übrigen Pkw-Kosten übernahm der Arbeitgeber. Der geldwerte Vorteil aus der Kfz-Überlassung wurde nach der Ein-Prozent-Regelung ungemindert berechnet. Der Mitarbeiter begehrte, die von ihm im Streitjahr getragenen Kraftstoffkosten als Werbungskosten bei der Steuererklärung zu berücksichtigen. Das Finanzgericht gab der Klage statt.

Vom Arbeitnehmer getragene Kosten mindern den geldwerten Vorteil

Der Bundesfinanzhof hat die Vorinstanz im Ergebnis bestätigt, allerdings die selbst getragenen Kosten direkt vom geldwerten Vorteil abgezogen. Das Gericht war bislang davon ausgegangen, dass vom Arbeitnehmer selbst getragene, einzelne Kfz-Kosten nicht steuerlich berücksichtigt werden können, wenn der Nutzungsvorteil pauschal nach der sogenannten Ein-Prozent-Regelung (anstelle der sogenannten Fahrtenbuchmethode) bemessen wird.

Hinweis: Die Reaktion der Finanzverwaltung bleibt abzuwarten. Betroffene Fälle sollten bis dahin auf jeden Fall offengehalten werden.

Zuzahlungen zum Firmenwagen: Geldwerter Vorteil kann nur bis auf 0 Euro gekürzt werden

Allerdings kann der Wert des geldwerten Vorteils aus der Dienstwagenüberlassung durch Zuzahlungen des Mitarbeiters lediglich bis zu einem Betrag von 0 Euro gemindert werden. Ein geldwerter Nachteil kann aus der Überlassung eines Dienstwagens zur Privatnutzung nicht entstehen, und zwar auch dann nicht, wenn die Eigenleistungen den Wert der privaten Dienst­wagennutzung und der Nutzung des Fahrzeugs zu Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte übersteigen. Ein verbleibender Restbetrag bleibt daher ohne steuerliche Auswirkungen. Er kann insbesondere nicht als Werbungskosten bei der Steuererklärung abgezogen werden.

Deshalb hat der Bundesfinanzhof die Revision des Klägers im zweiten Fall (Urteil vom 30. November 2016, VI R 49/14) zurückgewiesen. Der Arbeitnehmer hatte für die Privatnutzung des Dienstwagens an seinen Arbeitgeber ein Nutzungsentgelt geleistet, das höher als der nach der Fahrtenbuchmethode ermittelte geldwerte Vorteil war und in seiner Einkommensteuererklärung den über­schießenden Betrag steuermindernd geltend gemacht.

Schlagworte zum Thema:  Dienstwagen, 1%-Regelung, Geldwerter Vorteil

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